EMTV / Kirch Veto gegen Leo?

Thomas Haffa droht ein herber Rückschlag: Der Einstieg des Kirch-Konzerns bei dem Rechtehändler wird möglicherweise vom Kartellamt abgelehnt.

Berlin - Der Einstieg von Leo Kirch bei der EMTV & Merchandising AG könnte nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" am Veto des Bundeskartellamtes scheitern.

Das Blatt zitiert in seiner Donnerstagausgabe einen mit dem Fall vertrauten Beamten dieses Amtes mit den Worten: "Wir werden den Beteiligten in Kürze unsere Rechtsauffassung darlegen, und die wird sicher lauten, dass wir in der derzeitigen Situation von einer Untersagung ausgehen." Das Bundeskartellamt besteht darauf, dass EMTV im Falle eines Kirch-Einstiegs ihre Beteiligung an der Tele München Gruppe (TMG) verkauft.

EMTV-Chef Thomas Haffa hatte im Herbst 1999 45 Prozent der TMG gekauft. Bei einem Verkauf der Anteile besteht ein Vetorecht des Filmhändlers Herbert Kloiber - seines Zeichens Erzrivale von Leo Kirch. Kloiber kann nur wenig Interesse daran haben, dass Konkurrent Kirch über EMTV Einblick in die Geschäfte von Kloiber erhält. Bisher soll Kloiber dem Zeitungsbericht zufolge auch alle Vorschläge von Haffa zum Verkauf der Anteile abgelehnt haben.

Das Bundeskartellamt hat bislang nicht letztendlich entschieden. Noch ist auch Zeit, weitere Angebote und Zugeständnisse zu machen. Analysten gehen davon aus, dass das Kartellamt bis spätestens zum Fristablauf Ende Juni zustimmen wird.

Verhandlungen mit "Coupé"-Verleger Klaus Helbert

Unterdessen zeigt sich Thomas Haffa zuversichtlich, dass bei dem Verkauf der TMG-Beteiligung bald eine Lösung gefunden wird. Der Vorstandsvorsitzende bestätigte, dass es sich bei den bisher genannten potenziellen Käufern um den Wiesbadener "Coupé"-Verleger Klaus Helbert sowie um die US-Investmenthäuser Hicks, Muse, Tate & Furst und Kohlberg Kravis Roberts handelt. "Wir werden in Kürze noch drei weitere Interessenten vorlegen", sagte Haffa.

Wenn Kloiber diese ebenfalls ablehne, müsse sich auch das Kartellamt Gedanken über die Haltung Kloibers machen. Von Kloiber oder dem Kartellamt war keine Stellungnahme zu erhalten.

Haffa: "Das war wie ein Taifun..."

"TMG ist zwar ein Platz, den wir bestellen müssen, aber das hält uns nicht von unserem operativen Geschäft ab", sagte Haffa. Er räumte aber ein, dass sich EM.TV wegen der Turbulenzen um den Kirch-Einstieg und einem Fehlbetrag von 2,6 Milliarden DM im vergangenen Jahr in den ersten Monaten 2001 nicht wirklich um den Handel mit TV-Rechten und die Vermarktung hat kümmern können.

"Das war wie ein Taifun und jetzt sind wir dabei, die Trümmer aufzusammeln", beschreibt Haffa die Situation des Unternehmens. Mit kostspieligen Übernahmen war der einstige Star am Neuen Markt im vergangen Jahr in finanzielle Schwierigkeiten geraten, die nur mit dem Einstieg und einer Finanzspritze der Kirch-Gruppe gelöst werden konnten.

Die Kunden kommen zurück

"Wir hatten im ersten und im zweiten Quartal noch Probleme im operativen Geschäft", sagte Haffa. Vor allem im Bereich Merchandising sei das erste Quartal schlecht gewesen. Quartalszahlen hat das Unternehmen noch nicht vorgelegt, ist mit der Börse aber im Gespräch über eine Fristverlängerung. Unlängst wurde der Aktiengesellschaft wegen der Verzögerung bereits eine Geldbuße von 50.000 Euro auferlegt.

Langsam laufe das Geschäft wieder an, betonte Haffa. Die Kunden kämen zurück, weil EM.TV attraktive Rechte halte und schon lange im Markt tätig sei. Die unter dem Namen "Junior" zusammengefasste Bibliothek an Kinder- und Jugendprogrammen enthält zum Beispiel Serien wie "Biene Maja", "Pipi Langstrumpf" und "Tabaluga". "Wir kaufen weiter ein und wir produzieren auch weiter", stellte Haffa klar.

Neue Rechte erworben

So habe das Unternehmen kürzlich die Rechte an der japanischen Zeichentrickserie "Doraemon" mit mehr als 600 Episoden erworben. Zudem habe sich EM.TV entschieden, weitere 52 Folgen der Erfolgsserie "Tabaluga" zu produzieren. Insgesamt plane das Unternehmen jährlich die Produktion von drei bis fünf Serien mit je 26 Episoden.

Bei der Bereinigung des Portfolios sei EM.TV ein gutes Stück weitergekommen, sagte Haffa. Für das US-Studio Jim Henson Company, das die "Sesamstraße" und die "Muppetshow" produziert, gebe es eine Reihe internationaler Interessenten. Er rechne damit, dass für die geplante Trennung von Jim Henson bis zum Jahresende eine Lösung gefunden werde. Über Preisvorstellungen wollte Haffa keine Angaben machen. Analysten gehen aber davon aus, dass EM.TV sowohl seinen Anteil an TMG als auch Jim Henson weit unter dem Kaufpreis losschlagen muss.

Weitere Verkäufe geplant

Von einer Reihe kleinerer Beteiligungen werde sich EM.TV ebenfalls trennen, sagte Haffa. Dort seien die Verhandlungen zum Teil schon abgeschlossen. Als Kandidat gilt bei Branchenexperten zum Beispiel die Internet-Tochter Junior Web GmbH, die für 2000 einen Fehlbetrag von knapp 27 Millionen DM auswies.

Haffa bestätigte die in eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger gemachten Erwartungen, dass EM.TV beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen erst 2004 wieder schwarze Zahlen schreiben werde. "Die Studie zeigt aber, dass das Unternehmen tragfähig ist und auch Zukunft hat", sagte der Vorstandschef. Im Kerngeschäft rechne EM.TV ab 2002 mit einem prozentual zweistelligem Umsatzzuwachs.

Niedrigerer Konzernumsatz erwartet

Der Konzernumsatz, der 2000 bei 1,3 Milliarden DM gelegen hatte, werde im laufenden Jahr wegen der geplanten Desinvestitionen rückläufig sein. Im vergangenen Jahr hatten Jim Henson, TMG und die Beteiligung an der Formel-1 insgesamt 993 Millionen DM zum Konzernumsatz beigetragen.

Am Neuen Markt fielen die EM.TV-Aktien am Donnerstag zeitweise auf ein neues Rekordtief von 2,81 Euro.

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