Internet Es geht weiter!

Neue Technologien sorgen für eine zweite Revolution im weltweiten Datennetz. mm verrät, auf welche Online-Trends Ihr Unternehmen jetzt setzen sollte.

Die Revolutionäre wirken im Verborgenen. Sie basteln in den Laborräumen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) an der amerikanischen Ostküste. Sie grübeln in den futuristischen Glaskästen des Forschungszentrums Sophia Antipolis hoch im bergigen Hinterland der Côte d'Azur. Sie rackern in den Programmierfabriken von Bangalore.

An all diesen Orten arbeiten unzählige Computerexperten an Internet-Projekten, in denen es stets um ähnliche Dinge geht: ums Vernetzen und Vereinheitlichen. Ums Miniaturisieren und Beschleunigen. Wer die Vielzahl dieser Projekte im Ganzen betrachtet, erkennt das gewaltige Ziel: die nächste Revolution im Internet.

"Das Internet, wie wir es heute kennen, ist bestenfalls ein Prototyp", sagt Martin Illsley, Chef der Zukunftsforschung bei der Unternehmensberatung Accenture. "In zehn Jahren wird dieser Prototyp nicht mehr wieder zu erkennen sein."

Mit dem Internet selbst wandeln sich auch die Formen seiner Nutzung. Der heutige E-Commerce dürfte dem Internet-Surfer der Zukunft so nostalgisch erscheinen wie uns heute der Tante-Emma-Laden an der Ecke: Per Mausklick ein Buch bestellen, das von Hand verpackt und dann mit der Post verschickt wird - Gott, wie niedlich!

Alle Grenzen werden fallen

Bislang haben Unternehmen das Internet vor allem als einen neuen Vertriebs- und Beschaffungskanal sowie als Medium für den Austausch von Informationen genutzt. E-Business as usual.

Für größere Taten ist das Internet derzeit kaum geeignet. Schließlich ist das Netz nicht viel mehr als ein großer Haufen von Computern, die irgendjemand notdürftig über das Telefonnetz zusammengestöpselt hat.

In den nächsten Jahren wächst das Internet über die technischen Beschränkungen hinaus. Vom bloßen Computernetzwerk entwickelt es sich zu einem globalen Standard für den Datenaustausch zwischen elektronischen Geräten. Diese Daten können durch ein Fernseh- oder durch ein Stromkabel fließen, sie können über ein Telefonnetz übertragen werden oder per Mobilfunk.

Die Klimaanlage unterhält sich mit dem Mixer

So vielfältig wie die Übertragungsmedien werden auch die Endgeräte. Klar - Fernseher, Handy und PC lassen sich heute schon vernetzen. Aber wie wäre es mit Klimaanlagen? Die Firma Carrier will noch in diesem Jahr einige hundert Kunden mit internetfähigen Klimaanlagen ausstatten. Die Geräte können vom Personalcomputer oder von einem internetfähigen Mobiltelefon aus reguliert werden.

"Alles, was Sie besitzen, wird schon bald miteinander kommunizieren: Ihr Auto, Ihre Uhr, Ihr Kühlschrank", sagt Andrew Lippmann, Professor am Massachusetts Institute of Technology.

Neue Softwarelösungen sorgen dafür, dass die totale Vernetzung nicht in einer Kakophonie der Küchenmaschinen endet. Das Datenformat XML entwickelt sich zum Standard des Internets und ermöglicht, dass sich die verschiedenen Endgeräte und Programme verstehen können.

Gleichzeitig sollen uns intelligente Software-Agenten schneller zur gewünschten Internet-Adresse führen, als es heute die besten Suchmaschinen vermögen.

Dank der neuen Technologien werden immer seltener Menschen via Internet miteinander kommunizieren. "An den meisten Endpunkten des Webs sitzen bald Maschinen statt Menschen", prophezeit MIT-Professor Nicholas Negroponte, "es werden mehr Barbie-Puppen online sein als Amerikaner." Internetfähige Barbie-Puppen? Erliegt Negroponte womöglich seinem Hang zu Ausschmückung und Übertreibung?

Nicht wenn es nach dem Willen von Accenture-Mann Martin Illsley geht. Im Forschungszentrum im französischen Sophia Antipolis betreibt Illsley eine Folterkammer für Barbie-Puppen. Ein Wissenschaftler beschäftigt sich damit, Löcher in den zarten Rücken der Plastikblondine zu fräsen. Ins Loch kommen ein paar Chips, ein kleiner Sender für Radiowellen und ein Lautsprecher. Fertig ist Online-Barbie.

Barbie wünscht sich neue Kleider

Mit Hilfe des Senders kann Barbie alle Produkte im Kinderzimmer erkennen, die ebenfalls einen kleinen Chip in sich tragen. So weiß Barbie, welche Kleider aus der Kollektion ihr noch fehlen und kann die Puppenmutti mit quäkender Stimme zum Kauf auffordern. Falls Barbies Mama den Wunsch erfüllt, nimmt Barbie über ihren Sender Verbindung zum nächsten Internet-Gateway auf (beispielsweise über einen im Nachbarzimmer stehenden PC) und führt die Bestellung aus.

Illsley räumt ein, dass der pädagogische Wert von Online-Barbie zumindest fragwürdig ist. An seiner Begeisterung über die gelungene Bastelei ändert das nichts: "Die Kinder können mit der Puppe ja auch Fremdsprachen lernen."

Eva Müller, Anne Preissner und Christian Rickens


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