Axel Springer Verlag Eine Mark für Axel

Einstellungsstopp verhängt. Der Einbruch des Anzeigengeschäftes belastet das Verlagshaus.

Berlin - Der branchenweite Einbruch im Anzeigengeschäft und die steigenden Papierpreise schlagen dem Axel Springer Verlag aufs Geschäft. Wenn die angespannte Marktlage im zweiten Halbjahr anhalte, werde es schwierig, den Vorjahresgewinn wieder zu erreichen, sagte Finanzvorstand Ralf Kogeler am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Berlin. Nähere Prognosen wollte er nicht geben, weil das zweite Halbjahr nach dem überraschenden Einbruch schwer einzuschätzen sei. Vorstandschef August Fischer, der sein Amt Anfang 2002 an Mathias Döpfner abgibt, betonte, jetzt müsse gespart werden.

Einstellungsstopp

Nach massiven Einstellungen im vergangenen Jahr gilt nun ein konzernweiter Einstellungsstopp. Bis Jahresende will Europas größter Zeitungskonzern die Gesamtkosten um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in Euro senken. 2000 war der Jahresüberschuss um mehr als ein Drittel auf 98 Millionen Euro eingebrochen.

Um trotz des gesättigten Zeitungs- und Zeitschriftenmarktes in Deutschland noch zu wachsen, setzt Europas größter Zeitungskonzern auf Zukäufe im Ausland und das Internet. Für dieses Jahr ist eine Umsatzsteigerung zwischen vier und sechs Prozent vorgesehen.

Diese wird jedoch wohl nur durch Übernahmen getragen, alleine die Übernahme des Münchner Wilhelm Heyne Verlags zum Jahresbeginn macht eine Umsatzsteigerung von rund 5 Prozent aus. In den ersten vier Monaten stieg der Umsatz dennoch lediglich um 2,5 Prozent.

Der Einbruch im Anzeigengeschäft drücke auch auf das Umsatzwachstum, sagte Kogeler ohne Details nennen zu wollen. An einen Verkauf der verlustreichen Verlagsgruppe Ullstein Heyne List sei nicht gedacht, betonte Fischer.

Akquisitionen in Osteuropa

Für Akquisitionen und den Ausbau bestehender Geschäfte will der Verlag von 2000 bis 2002 insgesamt einen "erheblichen dreistelligen Millionbetrag" investieren, sagte Fischer. Wie hoch die Beträge nach den 100 Millionen Euro Investition im Jahr 2000 genau sein werden, wollte er nicht beziffern. Der Konzern erwägt größere Akquisitionen im Ausland. Auf Grund des hohen Dollar-Kurses sei zunächst vor allem an Zeitungen und Zeitschriften in Osteuropa gedacht.

Mehrere Millionen flossen im vergangenen Jahr in den so genannten "Kölner Zeitungskrieg". Springer hatte zur Abwehr des norwegischen Schibsted Verlags mit seiner Gratiszeitung "20 Minuten Köln" eine eigene Gratiszeitung auf den Markt gebracht. Döpfner, der derzeit den Bereich Zeitungen verantwortet, sprach von einem Etappensieg, weil Schibsted seine weitere Expansion aufgeschoben habe.

Gewinnrückgang

Gelassen gab sich Döpfner gegenüber der geplante Sonntagsausgabe der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und Spekulationen über eine mögliche Kooperation zwischen der "Berliner Zeitung" und dem "Tagesspiegel". Angesichts des umkämpften Berliner Zeitungsmarkts sei es klar, dass andere eine Antwort auf die schwierige Situation suchten. Das Springer-Blatt "Berliner Morgenpost" mache Gewinne und die "BZ" habe erstmals wieder ihre Auflage gesteigert.

Insgesamt ging der Gewinn im Bereich Tageszeitungen trotz des guten Anzeigengeschäfts bis zum Herbts 2000 zurück. Bei der verlustreichen Tageszeitung "Die Welt" stieg die Auflage auf gut 250.000 Exemplare. Auch die Auflage der "Welt am Sonntag" stieg auf rund 445.000. Demnächst zieht die Redaktion von Hamburg nach Berlin, Serviceredaktionen wie Auto und Reise werden mit der "Welt" zusammengelegt. Der Konzern erhöhte seine Beschäftigtenzahl im vergangenen Jahr um gut 1000 auf rund 13.600 Mitarbeiter.

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