Montag, 23. September 2019

Dell-Interview Der Marktführer gerät ins Trudeln

Nach enttäuschenden Zahlen für das erste Quartal hat der Computerhersteller die Prognosen für das zweite Quartal gesenkt. Anne Preissner sprach mit Mathias Schädel, Dell-Geschäftsführer Deutschland.

mm.de: *

Die Börse war nicht gerade entzückt über die Quartalszahlen, die Dell verkündet hat.

Mathias Schädel: Die konjunkturelle Entwicklung in den USA lässt sich schwer vorhersagen
Mathias Schädel: Die konjunkturelle Entwicklung in den USA lässt sich schwer vorhersagen
Schädel: Wir haben, gemessen an der Stückzahl, 27 Prozent mehr PC, Notebooks und Server verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Beim Umsatz haben wir im Jahresvergleich um zehn Prozent zugelegt. Mit einem Gewinn pro Aktie von 17 Cent lagen wir exakt im Rahmen der Analystenerwartungen.

mm.de: Im Vergleich zum vorangegangenen Quartal ist der Umsatz allerdings um 7,4 Prozent auf acht Milliarden Dollar geschrumpft. Hat die PC-Flaute jetzt auch Dell erfasst?

Schädel: Ein derartiger Rückgang ist nicht außergewöhnlich im Vergleich zum traditionell umsatzstarken Weihnachtsquartal, das sehr stark vom Consumer-Geschäft getrieben wird.

mm.de: Hat Dell sich den Umsatzrückgang nicht selbst zuzuschreiben, weil das Unternehmen in den letzten Monaten einen Preiskrieg angezettelt hat?

Schädel: Ich würde es eher einen Margen- als einen Preiskrieg nennen. Wie Sie wissen, baut Dell seine Computer nur auf Bestellung, es gibt so gut wie keine Lagerbestände. Mit fünf Tagen haben wir den niedrigsten Lagerumschlag der Branche - nur einer der Vorteile unseres direkten Geschäftsmodells. Hinzu kommt, dass wir als Direktvermarkter den Handel umgehen, allein das spart uns Minimum 15 Prozent.

Darüber hinaus sind im letzten Quartal die Komponentenpreise stark gesunken - über ein Prozent pro Woche. Diese Reduktionen konnten wir sofort an unsere Kunden weitergeben, während unsere Mitbewerber über mehrere Wochen oder gar Monate ihre alte und teure Ware abverkaufen mussten. Alle diese Faktoren trugen dazu bei, dass wir doppelt so schnell wie der Markt wachsen konnten - und zwar profitabel.

mm.de: Ist es nicht eine gefährliche Strategie, Marktanteile mit Preissenkungen zu erkaufen?

Schädel: Wieso? Für uns ist entscheidend, dass jede Produktlinie profitabel ist - und das ist bei Dell der Fall. Unser Gewinn ist mit 462 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahresquartal nahezu konstant geblieben - während er etwa bei HP dramatisch eingebrochen ist. Die Preissenkungen haben uns also nicht geschadet. Wir konnten sogar unsere Gross Margin von 18 Prozent halten. Das ist ein sehr gutes Ergebnis, wenn Sie das schwierige Wettbewerbsumfeld betrachten.

mm.de: Was sind die Wachstumsträger in Ihrem Geschäft?

Schädel: Eindeutig das Server-Geschäft, bei dem wir im letzten Quartal stückzahlmäßig um 50 Prozent zulegen konnten. Auch der Serviceumsatz hat mit 48 Prozent Zuwachs deutlich zugelegt. Zusammen mit den Notebooks sind das auch unsere margenträchtigsten Bereiche. Die normalen Desktop-PC werfen nicht so viel ab.

mm.de: Warum geben Sie das hart umkämpfte PC-Geschäft nicht ganz auf?

Schädel: Wir sind weltweit der Marktführer, haben Compaq überholt. Der Desktop ist nach wie vor unser wichtigstes Produkt, allerdings sinkt sein Umsatzanteil am Gesamtgeschäft. Vor fünf Jahren trug der PC noch zu 80 Prozent zum Gesamtergebnis bei, jetzt liegt der Anteil bei etwa 50 Prozent.

mm.de: Dell hat im Februar 1700 US-Mitarbeiter entlassen. Von den verbliebenen 38.000 Stellen sollen weitere 3000 bis 4000 abgebaut werden. Bereiten Sie sich auf schlechte Zeiten vor?

Schädel: Die konjunkturelle Entwicklung in den USA lässt sich schwer vorhersagen. Wir wickeln dort immerhin 68 Prozent unseres Gesamtgeschäftes ab. Wir können nicht ausschließen, dass der Umsatz im zweiten Quartal um drei bis fünf Prozent zurückgeht, das heißt, wir müssen effizienter werden.

mm.de: Wo sehen Sie bei einer so schlanken Firma wie Dell überhaupt noch Einsparpotenziale?

Schädel: Wir müssen künftig noch mehr Kunden über das Internet betreuen. Heute wickeln wir rund 50 Prozent unseres Geschäftes über das Internet ab, diese Rate ist steigerungsfähig. Zudem lassen sich auch zahlreiche Serviceleistungen über das Internet abwickeln. In den letzten Monaten ist Dell bereits wesentlich effizienter geworden, unsere Kostensteigerungen fielen im letzten Quartal geringer aus als das Umsatzwachstum.

mm.de: Das Dell-Modell läuft in den USA hervorragend, in Europa und Deutschland scheint es nicht zu funktionieren.

Schädel: Das stimmt so nicht. Europaweit sind wir fünfmal schneller gewachsen als der Markt und haben nach Stückzahlen 24 Prozent zulegen können - und das in einem Markt, der im PC-Geschäft rückläufige Umsätze aufweist. In Deutschland haben wir sogar noch höhere Zuwächse und sind sehr profitabel. Laut IDC haben wir uns von Platz sieben auf Platz vier verbessert. Im Gegensatz zu den USA werden wir im laufenden Jahr 100 neue Mitarbeiter einstellen.

* Das Interview führte Redakteurin Anne Preissner

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