Canbox "Unter den Händen weggestorben"

Das Oldenburger Unternehmen hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Oldenburg - Das Softwareunternehmen Canbox AG hat einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt. Grund für die Zahlungsunfähigkeit sei die Krise der IT-Branche vor allem auf dem amerikanischen Markt, sagte ein Sprecher am Donnerstag: "Viele Kunden sind uns unter den Händen weggestorben." Der Vorstand arbeite nun gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter und Unternehmensberatern an dem Erhalt der 130 Arbeitsplätze in Oldenburg.

Canbox ist nach eigener Aussage einer der weltweit führenden Anbieter von Lösungen für den Bereich Unified Messaging (UM) und entwickelt webbasierte Mehrwertdienste für Telekommunikationsunternehmen, Internet Service Provider (ISP), Application Service Provider (ASP) sowie für andere Geschäftskunden und Betreiber von WAP- und Internetportalen.

Unified Messaging ist ein relativ neues Verfahren, das es ermöglicht, alle modernen Kommunikations-Formen miteinander zu vereinen. Anrufe, Faxe und E-Mails erreichen den Nutzer über eine zentrale Adresse und sind gleichzeitig von überall abrufbar.

Dem UM-Geschäft war noch im vergangenen Jahr eine glänzende Zukunft prognostiziert worden. Nach Prognosen der Marktforschungsinstitute IDC und Frost & Sullivan sollte im europäischen Raum der Bestand an UM-Boxen von damals rund 35.000 bis 2006 auf 160 Millionen wachsen. Ebenso optimistisch waren die Prognosen für den Umsatz: Dieser sollte aufgrund von Bannerwerbung und Gebühren innerhalb der nächsten fünf Jahre in Europa von 100 Millionen auf 24 Milliarden Dollar steigen.

Die Canbox Systems AG war 1997 als Media Service Group gegründet worden. Im Februar vergangenen Jahres hatte das Oldenburger Unternehmen eine Zulassung für den Gang an den Neuen Markt erhalten. Nach damaliger Aussage des Firmengründers und Vorstandsvorsitzenden Hayo Werner war das Going Public bis zum dritten Quartal des Jahres geplant.

Das Emissionsvolumen sollte bei 50 bis 60 Millionen Euro liegen. Wenige Monate zuvor hatte sich die Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr mit 9,09 Prozent an der Firma beteiligt. Das Erreichen der Gewinnschwelle war für das Jahr 2002 vorgesehen.

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