Nasa 2.0 Der Griff nach den Sternen

Jörg Tremmel und John Eberstein haben hoch gesteckte Ziele. Sie wollen Web-Design in andere Sphären heben. Im mm-Kreativ-Index belegte Nasa 2.0 den 17. Platz.
Von Karsten Schmidt

Hamburg - Die Gestaltung von Web-Seiten war in der Vergangenheit die Domäne weniger Start-ups, die heute in der Mehrzahl ums Überleben an der Börse kämpfen. Die klassischen Werbeagenturen nahmen sich erst spät des neuen Mediums an. Denn wer sein Geld im World Wide Web verdienen wollte, musste Pioniergeist beweisen und bereit sein, Neuland zu betreten - so wie Jörg Tremmel und John Eberstein, Geschäftsführer und Gesellschafter von Nasa 2.0.

Den Namen der amerikanischen Weltraumbehörde trägt die Internet-Agentur indes nicht aus Übermut. Der Vorstoß in neue Dimensionen ist erklärtes Ziel, inklusive der dazugehörenden Philosophie. Und einen Sinn hat der Agenturname auch: Die Abkürzung Nasa steht für "Net Activities and Screen Advertisement".

Dabei war der Grund für die Namensgebung eher Zufall. Aus einem Überraschungsei purzelte John Eberstein ein Plastik-Kosmonaut entgegen - noch heute das Maskottchen des Mutterschiffes in Wandsbek. Dort residieren die 40 Nasanauten seit Mai vergangenen Jahres in einem ehemaligen Umspannwerk, das noch bei Einzug einer Mondlandschaft glich. In London, Berlin und Paris hat die Agentur unterdessen Satelliten gegründet.

Zeitloses Design

Angefangen haben Eberstein und Tremmel bei der großen Hamburger Werbeagentur Scholz & Friends. Dort firmierten sie als Mitarbeiter der Multimediaabteilung von 1995 bis 1998. Was war der Grund für den Wechsel? "Wir arbeiteten damals mit angezogener Handbremse", so Tremmel. "Der Konkurrenzausschluss, den viele Kunden forderten, und die finanziellen Ziele der klassischen Werbeagentur machten uns das Leben schwer," erinnert sich Eberstein. Verwirklichen konnten sie in dieser Zeit kaum eines ihrer Konzepte. Meist ging es nur darum, sich bei hochkarätigen Kunden mit eigenem Multimedia-Know-how ins Gespräch zu bringen.

Heute ist man gut Freund mit den Friends und in der Lage, eigene Ziele zu verwirklichen. Die Liebe zum Detail und eine klare Ästhetik stehen dabei im Vordergrund der Arbeit. "Wir versuchen, zeitloses Design zu entwickeln", so Tremmel. Als bestes Beispiel dafür dient die eigenen Website. Dort findet der User die Links, wenn er auf dem übersichtlich mit graphischen Elementen garnierten Hintergrund ein kleines Quadrat fleißig mit dem Curser verfolgt und anklickt.

Wir entscheiden, mit wem wir arbeiten wollen

Mit dieser Ästhetik konnte Nasa 2.0 namhafte Kunden wie Coca-Cola, Bifi und die soziale Einrichtung Plan International überzeugen. Dabei leisten sich die Hamburger einen echten Luxus: "Wir wählen aus, mit wem wir arbeiten wollen," so Tremmel. Ausschlaggebend sei, dass eine intensive Beziehung zum Kunden entstehen könne. Nur so lasse sich wirklich etwas bewegen.

Neben der Beziehung zum Kunden wird Teamwork bei Nasa 2.0 groß geschrieben. Bei jedem Projekt sitzen von Anfang an Kreation und Produktion gemeinsam am runden Tisch. Wenn es sein muss, begleiten zwei Mitarbeiter die Projektrealisierung. Die externe Instanz dient als Qualitätskontrolle.

Die Begriff der Kontrolle indes passt nicht so recht zur Philosophie der Nasanauten. Denn in der Präsentationsbroschüre werden als Kernwerte Qualität, Freundschaft und Emphase genannt. Der Antrieb zur Arbeit soll "das Spiel mit den kommunikativen und technischen Möglichkeiten" sein, das Ergebnis die "Kreation mit Nutzwert und Spaß".

Da ist ein leichter Widerspruch in der sonst so perfekten Werberwelt, und das ist gut so. Denn bei völliger Ausklammerung menschlicher Schwächen könnte der Agentur das Schicksal des Ikarus drohen. Der stürzte bekanntlich ab, weil er vergaß, dass seine Schwingen nur das Werk menschlicher Handwerkskunst waren.

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Die Meister-Verführer

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