Web-Nutzer Deutsche sind Internet-resistent

Die Deutschen sind Internet-Muffel. Hier zu Lande gibt es mehr Verweigerer als anderswo.

Hamburg - 58 Prozent der Deutschen sind nicht daran interessiert, online zu gehen. In anderen europäischen Ländern ist das Interesse deutlich höher und der Anteil der Internet-"Verweigerer" um rund 20 Prozent niedriger.

Das ergab eine am Dienstag in Hamburg vorgestellte europaweite Studie für die Meinungsforschungsinstitute Ipsos Deutschland und RISC aus Frankreich. Dafür waren im Jahr 2000 mehr als 12.000 Menschen in fünf europäischen Ländern befragt worden.

"Die anarchischen Strukturen des Internets gefallen den Deutschen nicht, da sie ein stark ausgeprägtes Bedürfnis nach Organisation haben", erläuterte RISC-Sprecherin Bettina Missler das Ergebnis.

Gut 24 Prozent der Bundesbürger benutzen das Internet regelmäßig oder manchmal, nur rund 17 Prozent würden gern online gehen. Damit habe Deutschland die höchste "Internet-Resistenz" in Europa, sagte Missler.

Internet als lästige Notwendigkeit

Das Verhältnis der Deutschen zum Internet sei allerdings sehr zwiespältig. "Sie sind sich der Wichtigkeit des Mediums bewusst, um in der Welt konkurrenzfähig zu bleiben", betonte die Sozial-Forscherin. Die Benutzung des Internets werde von der Mehrheit jedoch eher als lästige Notwendigkeit denn als Zugewinn an Möglichkeiten erachtet.

Insgesamt ist die sozio-kulturelle Kluft zwischen den europäischen Ländern heute deutlich geringer, als vor zehn Jahren, ermittelten die Institute. Auch die Unterschiede zwischen den Generationen reduzierten sich, "auch im Hinblick darauf, dass Junge und Alte sich inzwischen gleichermaßen als europäische Bürger fühlen", sagte Ipsos-Geschäftsführer Harald Hasselmann.

Verantwortung wichtiger als Vergnügen

Im Vergleich zu Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien erscheine Deutschland allerdings weiterhin stärker auf Stabilität als auf Veränderung ausgerichtet. "Die Übernahme von Verantwortung wird von den Deutschen nach wie vor als wichtiger empfunden als das Vergnügen", meinte Hasselmann. Das Bedürfnis nach festen Strukturen sei weiterhin stärker ausgeprägt, wenn auch die Offenheit gegenüber Neuem langsam zunehme. Auch das Streben nach Vergnügen und Spaß nehme einen breiten Raum ein.

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