Pixelpark Neef in Nöten

Paulus Neef war lange Zeit ein Popstar der Internetszene. Nun zwingt ihn die Dotcom-Krise zum Umbau der Multimediaagentur, die es im mm-Kreativ-Index immerhin auf Platz 20 schafft.
Von Karsten Schmidt

Er gilt als Gründer-Idol der Internet-Generation. Und sieht aus wie Don Juans Urenkel: braune Haut, feines Haar, ein wohlgeschnittenes Gesicht. Paulus Neef ist Sohn eines Deutschen und einer Spanierin, aber sein Verstand ist schwarz-rot-gülden: immer planen, prüfen, abwägen. Seine Leidenschaften: Flamenco, Spaniens Fußballelf und das Wagnis. Was er nicht mag: Menschen, die ihm sagen, was er zu tun hat.

Der Popstar des Internetbooms sonnte sich lange im Glanz des Erfolges. Als studierter Medienberater gründete er Pixelpark  1991 in Berlin, als der neue Hype noch nicht einmal als Schimmern am Horizont zu erahnen war. Die Firmenlegende besagt, dass Neef den Unternehmensberater Remi Redley so lange mit seinem Lieblingsthema interaktive Verkaufshilfen und Netzwerke nervte, bis dieser ihm einen Stand auf der Cebit verschaffte und bei der Gründung half.

Zu diesem Zeitpunkt ist Multimedia vor allem Design, und hier liegt Pixelparks Stärke: Mitbegründer Eku Wand ist ein begabter Gestalter. Neef und Wand arbeiteten für Apple und die Schwäbisch Hall. Aber einer der ersten Großaufträge kam ausgerechnet aus der Old Economy und mit ihm der finanzielle Durchbruch: Karstadt orderte ein Kiosksystem für seine Musikabteilungen. Der Kunde sollte per Fingerdruck auf einem Monitor Musikvideos anschauen und CDs bestellen können. Das System boomte, und Pixelpark multiplizierte sich im Monatstakt.

Pixels haben sich verzettelt

Aus Neefs ehemaliger Drei-Mann-Garagenfirma ist inzwischen eine respektable Internet-Fullservice-Agentur geworden. Zu den Vorzeigekunden gehören BASF, Siemens und Viva. Die Produktpalette reicht von der Strategieberatung über die IT-Implementierung bis hin zum Supply-Chain-Management (die Koordination der Versorgungskette zwischen Produzent und Auftraggeber).

Und genau diese Schrotflinten-Strategie könnte Gründer Neef und seiner Omni-Online-Potenz nun zum Verhängnis werden. Denn mit dem explosiven Wachstum hat sich Pixelpark vom ursprünglichen Kernbereich Web-Design verabschiedet. Zur Agentur gesellte sich eine E-Logistikfirma, und die Risikokapital-Tochter Venturepark doktert seit Monaten ergebnislos am Lifestyle-Portal Sportgate – mit Boris Becker als medienwirksamem, aber bislang erfolglosem Zugpferd.

Ein "Tal der Tränen" durchschreite die Branche derzeit, bekennt Pixelpark-Manager Thomas Mörsdorf. Vor einem Jahr hatte sein Chef Paulus Neef noch ganz anders geklungen: "Wir werden zum Marktführer der europäischen Internet-Industrie", tönte der deutsche Internet-König. Nach Europa sollte der amerikanische Markt erobert werden. Heute ist klar: Die Pixels haben sich verzettelt. Der digitale Dienstleister schlingerte richtungslos als buntes, überladenes Schiff durch die wirtschaftlichen Untiefen der New Economy.

Berliner Beschwörungen

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr musste Neef die Planzahlen nach unten korrigieren, Mehrheitsaktionär Bertelsmann drohte mit dem Ausstieg. Die Allianz-Versicherung stornierte genervt einen Großauftrag; Pixelpark war ihr zu langsam. Jetzt geht der ehemals schillernde Star der deutschen Gründerszene wieder Klinkenputzen bei institutionellen Anlegern, um dem Kurs der Pixelpark-Aktie auf die Beine zu helfen. Immerhin: Bei Roadshows in London und Frankfurt gelang es Neef, zwei große Investoren ins Boot zu holen.

In der Berliner Denkzentrale beschwört man unterdessen den Gründergeist von einst, auch wenn die knapp eintausend Mitarbeiter längst nicht mehr ausschließlich im Kreativbereich arbeiten. "Hier hat man das Gefühl, etwas bewegen zu können", verlautbart Kreativ-Direktor Jo Wickert gegenüber manager-magazin.de: "Wir wollen etwas bewegen in der Welt."

Werber in der Defensive

Die Ziele sind also nach wie vor hoch gesteckt. Und: "Die Agentur ist die Kernmarke von Pixelpark." Das glaubt jedenfalls Detlef Trapp, Verantwortlicher Direktor für Marketing und Design. Da könnte er die Rechnung ohne Peter Ostermann, den neuen Chief Operating Officer (COO) gemacht haben. Seit Februar räumt der Österreicher bei der Bertelsmann-Tochter auf.

Bei der Bilanzvorlage Ende März war es mehr Ostermann als Neef, der über die Zukunft von Pixelpark sprach. Nicht mehr als Web-Agentur, die schöne Bilder auf den Bildschirm zaubert, wollen die Berliner gesehen werden, sondern als ernst zu nehmender IT-Dienstleister, der auch Software implementiert.

Der Einfluss von Paulus Neef scheint also mehr und mehr zu schwinden. Die Bedeutung der Multimediaagentur mit ihren gelungenen Werbekreationen im Unternehmen Pixelpark auch.

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