Systracom Bonn zieht die Notbremse

Bevor das Geld endgültig weg ist, schließt die Bankenaufsicht den Online-Broker.

Berlin/Bonn - Dem Internet-Broker Systracom droht wenige Monate nach dem Start das Ende. Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen ordnete am Freitag ein so genanntes Moratorium an, mit dem die Bank für den Kundenverkehr geschlossen wird. Es sei notwendig geworden, weil Systracom Zahlungsunfähigkeit und baldige Aufzehrung des Eigenkapitals drohe.

Die Bankenaufsicht verweist darauf, dass Systracom dem Einlagensicherungsfonds der Banken angehört. Die Kunden könnten ihr Wertpapierdepot als ganzes auf eine andere Bank übertragen, wenn es nicht als Sicherheit für einen Negativsaldo herangezogen werden könnte. Einzelne Kauf- und Verkaufsaufträge darf das Institut während des Moratoriums nicht ausführen. Die Maßnahme eröffne die Möglichkeit, die Sanierungsbemühungen fortzusetzen, hieß es beim Bundesaufsichtsamt.

Deutlich weniger Kunden als erwartet

Bei der Gründung von Systracom hatte Vorstandssprecher Klaus-Peter Möritz der Internet-Konkurrenz der Geldinstitute einen harten Preiskampf angekündigt. Die Kursstürze an den Aktienmärkten ließen die Geschäftspläne aber nicht aufgehen. Statt ursprünglich erwarteten 15.000 bis 16.000 Kunden kamen nur 9000. Im Februar wurde eine Investmentbank mit der Suche nach einem Partner oder Käufer im In- und Ausland beauftragt.

Aufsichtsratsvorsitzender von Systracom ist der ehemalige Vorstandssprecher der Bankgesellschaft Berlin, Wolfgang Steinriede. Dem Gremium gehören weiter der frühere Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Krumnow und der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Ulrich Hocker, an. Zu den Anteilseignern zählt auch Bernd Porsch, dem die Systracom-Vorläuferin Midas AG gehörte.

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