Real Networks Musik im Abo

Die Hightech-Schmiede verhandelt mit der Musikindustrie über einen Abo-Service im Internet.

Seattle - RealNetworks Inc verhandelt mit drei großen Plattenfirmen über die Lizenzierung ihrer Produktionen für einen geplanten Musik-Abonnentenservice im Internet. Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf unterrichtete Kreise in seiner Freitagsausgabe berichtet, könnte die Musik von BMG Entertainment der Bertelsmann AG, Gütersloh, der AOL Time Warner-Gesellschaft Warner Music Group, und EMI Group plc, London, bald für die Nutzer eines geplanten Online-Dienstes mit dem Namen MusicNet verfügbar sein. Die Vereinbarung wird dem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise schon in der kommenden Woche abgeschlossen sein. Garantiert sei eine Einigung jedoch nicht.

Diskutiert werde derzeit noch über Details, beispielsweise ob und wann Neuerscheinungen verfügbar gemacht werden. Nach der Vorstellung von Musicnet sollen sich die Plattenfirmen darüber hinaus an Musicnet beteiligen. Marktbeobachtern zufolge wird der Service rund zehn bis 15 Dollar monatlich kosten.

Erfolg nur mit vielen Partnern

Ein kontroverser Verhandlungspunkt ist der Zugriff anderer Online-Dienste auf Musicnet. Napster, bekannt durch die kostenlose Verbreitung von Musik-Raubkopien und derzeit unter gerichtlicher Sanktionierung, könnte die Gelegenheit bekommen, einen legalen Musikdienst gegen Gebühr aufzubauen.

Viele der großen Plattenfirmen sind dem Zeitungsbericht zufolge bereit, mit Napster zusammen zu arbeiten, wollen jedoch erst verhandeln, wenn Napster den Schutz ihrer Produkte gewährleistet. Marktbeobachter verweisen darauf, dass die Strategie der Online-Abonnentendienste nur dann Erfolg verspricht, wenn viele Plattenfirmen beteiligt sind. Deshalb verhandeln die Musikgesellschaften mit mehreren Online-Diensten gleichzeitig. Auch für die Musicnet-Vereinbarung, sollte sie zustande kommen, wird erwartet, dass sie nicht exklusiv ist.

Musikindustrie plant eigenen Musikdienst

Gleichzeitg bereiten Universal Music Group der Vivendi Universal SA, Paris, und Sony Music Entertainment der Sony Corp, Tokio, dem WSJ zufolge einen Online-Musikdienst mit dem Namen "duet" vor. Mit einem Anbebot von zusammen 47 Prozent des aktuellen Musikangebots soll der Service im Sommer online gehen und Musicnet, die zusammen knapp 40 Prozent unter Vertrag haben werden, Konkurrenz machen.

Bereits vor einem Jahr hatte Real Networks die Verhandlungen mit allen großen Plattenfirmen gestartet. Warner Music hat nach Informationen unterrichteter Kreise nun einen Anteil an Musicnet in unbekannter Höhe übernommen.