Donnerstag, 18. Juli 2019

Nach Kurssturz der Wirecard-Aktie Finanzaufsicht prüft nach Wirecard-Absturz mögliche Marktmanipulation

Wirecard: Die Aktie des Zahlungsabwicklers war nach einem Bericht der "FT" eingebrochen

Der Absturz der Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard Börsen-Chart zeigen ruft die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan. Die Behörde untersuche, ob es sich dabei um eine mögliche Marktmanipulation gehandelt haben könnte, sagte eine Bafin-Sprecherin am Donnerstag. Die Wirecard-Aktie war am Mittwoch nach erneuten Betrugsvorwürfen um bis zu 24,7 Prozent auf 126 Euro eingebrochen, hatte dann zu einer leichten Erholung angesetzt und notierte am Donnerstag bei 146 Euro.

Die "Financial Times" hatte berichtet, ein Wirecard-Manager in Singapur sei im vergangenen Jahr verdächtigt worden, gegen örtliche Gesetze verstoßen zu haben. In einer firmeninternen Präsentation sei von Dokumentenfälschung und Geldwäsche die Rede. Der Manager arbeite weiterhin bei Wirecard.

Der Dax-Konzern wies den Bericht als "falsch, ungenau, irreführend und diffamierend" zurück. Er entbehre jeder Substanz. Das Unternehmen aus Aschheim bei München war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel von Betrugsvorwürfen, die aber stets im Sande verliefen.

Im Video: Aus dem Nichts zum Milliardär - Wirecard-Chef Markus Braun

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Bild: Florian Generotzky für manager magazin

Von Kursabstürzen nach ähnlichen Veröffentlichungen profitierten in der Vergangenheit Investoren, die erst geliehene Aktien verkauft hatten und diese dann billiger zurückkaufen konnten, um die Papiere schließlich an ihre Inhaber zurückzugeben.

Attacken von Leerverkäufern auf Wirecard

Diese so genannten Leerverkäufe sind zwar legal und an der Börse üblich. Wegen der vorherigen Anschuldigungen ermittelten aber die Bafin und die Staatsanwaltschaft wegen Markmanipulation. Vor einigen Jahren wurden deswegen Führungskräfte der Aktionärsvereinigung SdK verurteilt. Gegen den Herausgeber eines Börsenbriefs ist in München ein Strafbefehlsverfahren anhängig.

Am Donnerstag erholte sich die Wirecard-Aktien etwas von den Kursverlusten am Vortag. Die Analysten von Hauck & Aufhäuser sahen in dem Kursabsturz eine Kaufgelegenheit. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass die Führungsriege von Wirecard die in dem Artikel beschriebenen Praktiken dulden würde. "Wichtig ist auch, dass Wirecard Börsen-Chart zeigen in den vergangenen Jahren wiederholt von Leerverkäufer-Attacken betroffen gewesen ist und im Zuge dieser Vorwürfe Transparenz geschaffen hat, zum Beispiel, indem die Bücher für externe Prüfer geöffnet wurden", erklärten die Analysten.

la/reuters

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