Tourismus Zukunft für die Branche

Am Internet kommen Reiseveranstalter nicht mehr vorbei. Noch ist der Web-Umsatz aber gering.

Berlin - Die Reisebüros sind skeptisch, der Tourismusverband sieht eine weitere Vermarktungsmöglichkeit: Buchungen im Internet. Die Internationale Tourismus-Börse (ITB), die am Samstag in Berlin beginnt, schließt zwar nach fünf Tagen ihre Pforten, ist aber künftig das ganze Jahr über als "virtuelle Messe" im Internet präsent. In einem Punkt sind sich alle einig: Die Reisebranche kommt an dem neuen Medium nicht vorbei.

Der Präsident des Deutschen Tourismusverbands, Jürgen Linde, plädierte zum Auftakt der ITB dafür, bei der Vermarktung des touristischen Angebots neue Möglichkeiten wie Call Center oder das Internet noch stärker zu nutzen. "Immer mehr Menschen verwenden dieses Medium heute für private Zwecke - so auch unter anderem für die Urlaubsplanung", sagte Linde.

Nutzer informieren sich über Netz

Nach seinen Angaben informieren sich bereits 36 Prozent der Deutschen im Netz über das touristische Angebot. 1999 hätten 13 Prozent ihren Urlaub über das Internet gebucht. Das entspreche immerhin etwa 2,2 Millionen Menschen.

Seit 1998 sei die "Nutzerquote" um 60 Prozent gewachsen, berichtete Linde. Wer im Internet surfe, wolle sich meist allgemein über das touristische Angebot informieren, Verkehrsinformationen holen, aber auch Reisen buchen. `Wir sollten uns auf diese Kundenbedürfnisse einstellen und uns bei der Präsentation unseres touristischen Angebots stets den Informationsbedarf und die Wünsche des Urlaubers vergegenwärtigen", forderte der Präsident des Tourismusverbands.

Von Kannibalisierung durchs Internet weit entfernt

Klaus Laepple ist Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbands (DRV), der rund 5.000 Unternehmen vertritt. Er meinte, die kompetente Beratung im Reisebüro sei trotz oder gerade im Internetzeitalter gefragter denn je. "Wenn ein Kunde die zwei bis drei schönsten Wochen des Jahres plant, möchte er das gute Gefühl haben, die richtige Entscheidung für sich und seine Familie getroffen zu haben. Dieses Gefühl vermittelt ihm nicht der Bildschirm, sondern vielmehr die Bestätigung eines aufmerksamen und kompetenten Reisebüro-Mitarbeiters."

Laepple sagte, bei allen optimistischen Prognosen für Buchungen im Internet habe er bereits eines gelernt: `Die meisten Kunden, die keine Berührungsängste mit dem neuen Medium haben, nutzen dies hauptsächlich als Informationsinstrument." Viele, die einmal im Internet gebucht hätten, gingen doch wieder in ihr Reisebüro.

Internetumstz liegt bei einem Prozent

Dies belegten die Zahlen, sagte Laepple. Am gesamten Urlaubsreisemarkt belaufe sich der Anteil der Internetbuchungen einschließlich Einzelbuchungen wie nur Flug, Hotel oder Mietwagen auf rund ein Prozent. Reiseveranstalter vermeldeten sogar Internetbuchungsanteile von nur 0,6 bis 0,7 Prozent an ihrem Gesamtumsatz. "Von einer Kannibalisierung des klassischen Reisebüros durch das Internet sind wir also weit entfernt", meinte der Präsident. Und der Umsatz mit Reiseangeboten über TV-Kanäle sei derzeit völlig unbedeutend.

Aber auch Laepple betonte: "Kein Marktteilnehmer - ob groß oder klein, ob Reiseveranstalter oder Reisebüro - darf sich dem Trend moderner Kommunikationstechnologie verschließen, sondern muss sich anschließen." Sein Verband unternehme daher viel zur Aufklärung seiner Mitglieder über den Einsatz neuer Medien. Jüngster Verbandserfolg sei die Einrichtung eines Kompetenzzentrums E-Business Touristik (KET) an der Fachhochschule Worms.

Virtuelle Messe

Künftig will die Messe Berlin ihren ITB-Ausstellern die Möglichkeit bieten, 365 Tage im Jahr mit den Besuchern Kontakt zu halten und Produkte im Rahmen einer "virtuellen Messe" darzustellen. E-Mail-Adressen ermöglichten die direkte Kontaktaufnahme, Links den Zugriff auf Online-Kataloge der Anbieter, sagte Raimund Hosch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin. Zielgruppe des neuen Portals seien in erster Linie die Fachbesucher. Doch stehe das neue Messeportal auch allen Interessierten offen. Der neue "Marktplatz für die Tourismus-Industrie" soll im Juni 2001 eröffnet werden. Doch auch für die Messe gilt: Das Internet-Angebot soll die ITB ergänzen, sie aber keinesfalls ersetzen.

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