Dell-Interview Der Marktführer strauchelt

Der Gewinn schrumpft, die Aktie stürzt ab - die einstige Vorzeigefirma ist ins Trudeln geraten. manager-magazin.de sprach mit Mathias Schädel, Vice President Central Europe, über Wege aus der Krise.

mm.de: Herr Schädel, Dell Computer hat kürzlich bei der Bekanntgabe der Zahlen des vierten Quartals die Finanzwelt enttäuscht. Der Gewinn blieb hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Erstmals hat Dell Mitarbeiter entlassen. Sind die guten Zeiten also schon vorbei?

Mathias Schädel:

Weltweit ist Dell allein im vierten Quartal nach Stückzahlen viermal schneller gewachsen als der Markt. In den USA haben wir fünf Prozentpunkte Marktanteil hinzugewonnen, obwohl wir dort schon Marktführer sind. Wir haben weltweit kräftig investiert, um bei hoher Nachfrage immer entsprechend geschulte Mitarbeiter parat zu haben, denn unser Geschäft ist sehr spontan. Und nun, da sich die Anzeichen mehren, dass sich das Wirtschaftswachstum in den USA verlangsamt, ist Dell natürlich gefordert, zu reagieren und sich anzupassen.

mm.de: Wie werden sich die Einsparungen in Deutschland auswirken?

Schädel: Wir haben uns ausschließlich in den USA von Mitarbeitern getrennt. In Deutschland dagegen bauen wir unsere Teams sogar weiter aus. Dies gilt insbesondere für die Bereiche Services und Sales. Zu den bisher 700 Angestellten sollen in diesem Jahr noch mindestens 100 weitere Mitarbeiter dazukommen.

mm.de: Macht Ihnen der deutsche Markt denn überhaupt noch Freude?

Schädel: Im vergangenen Jahr haben wir die Konsolidierungsphase abgeschlossen und konnten uns Ende des Jahres auf neues Wachstum konzentrieren. Insbesondere wurde in die Produktbereiche Server, Storage und Notebooks investiert. In diesen Bereichen und vor allem im Consulting haben wir unsere Belegschaft zum Teil verdoppelt. Und im vierten Quartal sehen wir nun die Früchte. Der deutsche Markt ist dem amerikanischen Marktforschungsinstitut International Data Corporation zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,2 Prozent gewachsen.

mm.de: Welches sind Ihre wachstumsstarken Bereiche?

Schädel: Dell ist mit über 90 Prozent im Businessbereich tätig. Der Consumer-Bereich macht hier zu Lande weniger als zehn Prozent des Umsatzes aus. In den Produktkategorien sind wir im Server-Bereich um fast 90 Prozent gewachsen, bei Notebooks um 60 und bei Workstations um 40 Prozent. Der Consumer-Bereich in Deutschland hat nicht zugelegt.

mm.de: Das Direktgeschäft gilt hier zu Lande als schwierig. Kritiker bemängelten, dass das Dell-Konzept aus den USA nicht so einfach auf Deutschland übertragen werden könnte. Was ist anders?

Schädel: Ich gebe Ihnen recht, dass das amerikanische Dell-Modell nicht einfach auf Deutschland übertragbar ist. In den vergangenen zwei Jahren haben wir daran gearbeitet. Wir haben zum Beispiel den Consulting-Bereich ausgebaut, denn in Deutschland ist der Beratungsbedarf der Geschäftskunden höher. Wir verbinden unser Direktmodell mit umfangreichen Service-Angeboten und denken, dass wir damit auch hier sehr erfolgreich sein werden.

mm.de: Wie hat sich der Absatz über das Internet entwickelt?

Schädel: Der Markt ist mittlerweile sehr viel offener geworden, nicht zuletzt durch die New Economy. 60 Prozent der Bestellungen kommen über das Internet.

mm.de Ihren Hauptumsatz machen Sie mit PCs, Notebooks und Servern. Branchenkenner werfen Dell immer wieder vor, den Eintritt in den Kleinstcomputermarkt zu verschlafen.

Schädel: Wir haben in diesem Bereich eine Produktabteilung in den USA. Diese schaut sich die Produkte und Märkte an, bisher haben wir aber noch keinen eigenen Kleinstcomputer. Da wir unseren Fokus auf den Businessbereich setzen, wäre so ein Produkt erst interessant, wenn Großunternehmen diese Produkte über ihre IT-Abteilungen verwalten und entsprechend ausbauen könnten. Erst wenn das passiert, wäre das ein Zeichen für Dell, in diesen Markt einzusteigen.

mm.de: Was erwarten Sie für das Geschäftsjahr 2001?

Schädel: Zahlen möchte ich nicht nennen. Aber eines kann ich sagen: Deutschland, Brasilien und China sind wichtige Wachstumsmärkte für Dell. Hier zu Lande wünsche ich mir, dass wir in diesem Jahr zu den Top Five der deutschen Hersteller aufsteigen. Wir wollen auf jeden Fall schneller wachsen als der Markt.

Das Interview führte Redakteurin Alexandra Knape

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