Yahoo Weg von der Werbung

CEO Tim Koogle reagiert auf den rückläufigen Anteil der Banner-Erlöse und den Kurssturz der Aktie. Er setzt künftig auf kostenpflichtige Internet-Angebote.

mm:

Der Aktienkurs von Yahoo ist seit Januar 2000 um 90 Prozent gefallen. Nur wenige Ihrer Konkurrenten mussten so drastische Kursabschläge hinnehmen. Was ist schief gelaufen?

Koogle: Gar nichts, wir liegen voll im Plan. Die Investoren sind einfach zu pessimistisch. Wir haben im Jahr 2000 den Umsatz auf 1,1 Milliarden Dollar verdoppelt, wir haben einen hohen Gewinn eingefahren, und wir haben noch nie Schulden gemacht.

mm: Zahlen aus der Vergangenheit. Für 2001 haben Sie Ihre Umsatz- und Gewinnprognosen deutlich gesenkt.

Koogle: Richtig ist, dass unser Wachstum im laufenden Jahr nur zwischen 12 und 20 Prozent liegen wird. Aber schon 2002 erwarten wir wieder höhere Raten.

mm: Was stimmt Sie zuversichtlich?

Koogle: Es gibt auf der Welt rund 300 Millionen Internet-Nutzer. Yahoo hatte allein im Dezember vergangenen Jahres 180 Millionen Besucher. Folglich nutzen mehr als 60 Prozent aller Besucher regelmäßig Yahoo-Services. Wir ziehen die Konsumenten in großen Massen an, das macht uns als Werbemedium sehr begehrt. Wir müssen dieses Potenzial nur nutzen.

mm: Ihr Unternehmen verschenkt sein Angebot. Die Besucher können mit der Yahoo-Suche nach Informationen fahnden und müssen keinen Pfennig bezahlen. Kann sich ein solches Geschäftsmodell auf Dauer rechnen?

Koogle: Die meisten Rundfunksender bekommen auch kein Geld für ihr Programm, sie leben - so wie Yahoo - von den Werbeeinnahmen. Und wir als Internet-Firma haben sogar entscheidende Vorteile gegenüber Radio und Fernsehen.

mm: Welche zusätzlichen Leistungen bieten Sie Ihren Anzeigenkunden?

Koogle: Das Web ist ein globales Medium, das schnell und einfach ein Massenpublikum erreicht. Die Unternehmen können mit den Kunden interaktiv in Kontakt treten, und sie können genau messen, wie viele Konsumenten die Werbebotschaften gesehen haben. Ich glaube, dass die Aufwendungen für Werbung im Internet noch gewaltig wachsen werden.

mm: So sieht es im Augenblick nicht aus. Viele Online-Anbieter klagen über schrumpfende Werbeeinnahmen.

Koogle: Die Konjunktur kühlt sich ab, die Wirtschaft gibt weniger Geld für Marketing aus. Zudem kommen die jungen Internet-Firmen nicht mehr so leicht an Kapital heran, sie müssen ihre Budgets nun sehr viel sorgfältiger planen. Aber das sind Kurzzeitphänomene, langfristig ist das Internet-Geschäft auf Wachstum ausgerichtet.












Unternehmen


Angebot: Unter der Internet-Adresse yahoo.com finden Nutzer Gesprächsforen, Einkaufsmöglichkeiten - und vor allem Informationen. Die Yahoo-Suchmaschine durchforstet abermillionen Sites im globalen Datennetz.

Geschäftsmodell: Bislang stammte der Großteil der Umsätze aus Werbeeinnahmen. Den Rest steuerten der elektronische Handel und sonstige Geschäfte bei. Nun schrumpft der Anteil der Werbeerlöse.

Bilanz: Die 1994 in Kalifornien gegründete Firma arbeitet hoch profitabel. Der Umsatz lag 2000 bei 1,1 Milliarden Dollar, der Gewinn nach Steuern betrug 291 Millionen Dollar. Das gigantische Wachstum der Vorjahre verlangsamt sich deutlich.

Aktie: Der Crash an den Hightech-Märkten verwundete Yahoo tiefer als die Konkurrenz. Der Börsenwert beträgt nur noch ein Zehntel des Höchstwerts vom Januar 2000.

mm: Glauben Sie denn wirklich, dass die Internet-Nutzer Seiten aufrufen werden, die total mit Bannern zugekleistert sind?

Koogle: Natürlich werden die Verbraucher ärgerlich, wenn die Werbung zu aufdringlich ist. Besonders schlimm sind die Pop-ups ...

mm: ... Sie meinen diese fürchterlichen Anzeigenfelder, die erst weggeklickt werden müssen, bevor der Inhalt der Seite zu lesen ist?

Koogle: Genau die. Bei Yahoo gibt es keine Pop-ups, weil wir wissen, dass die Leute woanders hingehen, wenn sie mit Werbung überrollt werden.

mm: Wie wollen Sie der Flaute im Anzeigengeschäft entgegensteuern?

Koogle: Wir versuchen, die Struktur unserer Werbekunden zu verändern. Yahoo war lange Zeit zu abhängig von Internet-Start-ups, die bei uns Bannerplätze gemietet haben. Mittlerweile konzentrieren wir uns auf Konzerne mit bekannten Markenprodukten wie Pepsi oder Procter & Gamble.

mm: Dennoch sinkt der Anteil der Yahoo-Werbeerlöse am Umsatz. Haben Sie konkrete Zahlen?

Koogle: 1999 haben wir 90 Prozent unseres Umsatzes mit Werbung hereingeholt, 2000 waren es nur noch 80 Prozent. Dieser Trend wird sich fortsetzen.

mm: Wie wollen Sie neue Einnahmequellen erschließen?

Koogle: Wir werden jenes Geschäft ausbauen, das nichts mit Werbung zu tun hat.

mm: Sollen Yahoo-Nutzer künftig für bestimmte Angebote bezahlen?

Koogle: Das tun manche heute schon - und wir werden diesen Bereich ausbauen. Zum Beispiel können unsere Kunden ihre digitalen Bilder über Yahoo bis zu einem gewissen Speicherplatz kostenlos deponieren. Für zusätzliche Speicherkapazitäten wird eine Gebühr fällig - und diesen Service nehmen immer mehr Leute in Anspruch.

Übrigens rede ich nicht nur von Privatkunden. Wir haben inzwischen auch 13.000 Geschäftskunden, die ihr Angebot auf unseren Seiten präsentieren oder einen virtuellen Laden bei uns betreiben. Zudem können große Unternehmen ihre interne Firmenkommunikation über Yahoo laufen lassen. Für die Nutzung unserer Plattform zahlen diese Unternehmen monatlich Miete.

mm: Wandelt sich Yahoo von einer Internet-Suchmaschine zu einem E-Commerce-Anbieter und IT-Dienstleister?

Koogle: So würde ich das nicht formulieren. Wir machen weiter wie geplant: Wir erweitern unsere internationale Präsenz und etablieren uns als globale Marke für Privat- und Firmenkunden.

mm: Empfehlen Sie den Anlegern ernsthalft, jetzt Yahoo-Aktien zu kaufen?

Koogle: Das müssen die Investoren selbst entscheiden. Die Wall Street wartet jetzt ab, wie schnell wir mit den großen Firmen ins Geschäft kommen - wir arbeiten hart daran. Ich bin sicher, dass wir gestärkt aus dem jetzigen Ausleseprozess hervorgehen.

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