E-Studium Karriere im Web-Business

Spitzenjobs trotz Dotcom-Krise? Die richtige Qualifikation entscheidet, meint Holger Rust, mm-Autor und Hochschullehrer. Worauf es ankommt? Lesen Sie den Chat-Bericht.

manager-magazin:

Lohnt sich ein E-Commerce-Studium trotz der Krise der Dotcoms?

Holger Rust: Das lohnt sich auf jeden Fall, weil wir hier nicht von der Gründung von Internetunternehmen sprechen, sondern von Kompetenzen im Bereich des E-Commerce und E-Business, und das betrifft die gesamte Wirtschaft.

Ueberflieger: Unterrichten Sie selbst E-Business? Wie sind Sie zum Experten für dieses Thema geworden?

Holger Rust: Ich selbst unterrichte das nicht. Ich studiere als Soziologe mit den Schwerpunkten Arbeit, Wirtschaft und Karriere seit Jahren die Frage, wie Universitäten auf neue Herausforderungen reagieren. Ich halte mittlerweile die Fähigkeit, Problemlösungen im Netz zu schaffen, zusätzlich zu Kompetenzen in der klassischen Wirtschaft, für eine Art technologischer Schlüsselqualifikation. Was mich seit einigen Jahren sehr stark interessiert, ist die Frage der Veränderungen von Berufsbildern. Ich habe, was diese Frage betrifft, in verantwortlicher Position vor einigen Jahren an großen Projekten zur technologischen Zukunft mitgearbeitet, unter anderem am nationalen Technologie-Delphi-Projekt in Österreich 1996 bis 1998.

Rincewind: Was hatte dieses Delphi-Projekt zum Inhalt, und was hat Delphi mit dem Netz zu tun?

Holger Rust: Es ging um die technologische Zukunft, um Fragen von Zukunftsmärkten beispielsweise für weltweite Lernsysteme, für Dienstleistungen im Bereich von technologischem Know-how, um medizinisches Know-how, also um weltweite Kommunikation zu allen erdenklichen Fragen und Problemen

BartSimpson: Was heißt Kontaktstudium?

Holger Rust: Lieber Bart, Kontaktstudium heißt normalerweise, dass Sie zusätzlich zu einem Studiengang eine gesonderte Qualifikation anstreben. Wenn Sie also beispielsweise Pädagogik studieren, ein Kontaktstudium zusätzlich in Wirtschaft absolvieren können. Viele Universitäten bieten so etwas an, damit Studierende ihren Horizont erweitern können, ohne unbedingt ein zweites Studienfach zu belegen.

AlbrechtDuerer: Das heißt, ich kann diese Kontaktstudien auch belegen, wenn ich beispielsweise Psychologie studiere?

Holger Rust: Selbstverständlich. Psychologie und ein Wirtschaftsstudiengang im Zusatzangebot wären eine ideale Kombination.

ria: E-Commerce ist ein weites Feld. Welche Inhalte sollten unbedingt mit dabei sein?

Holger Rust: Wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen, Rechtsfragen, Fragen der Unternehmensorganisation, Gestaltung und dann, je nach Studium, Sicherheitsfragen im Netz, technische Architekturen etc.

Rincewind: Muss es in dem Bereich ein Studium sein, oder reicht eine Lehre auch?

Holger Rust: Ich glaube, dass es für die Praxiserfahrungen sicher sehr gut ist, eine Lehre zu machen. Es geht aber doch sehr stark im E-Commerce-Studium um betriebswirtschaftliche Fragen, um internationalen Handel - und das ist wichtig, darum, wie die klassische Wirtschaft auf die technischen Herausforderungen reagieren kann.

joan osborne: Empfehlen Sie, für den E-Commerce nach Amerika zu gehen, oder ist die Ausbildung in Deutschland schon auf einem guten Niveau?

Holger Rust: Die Ausbildung in diesem Bereich ist in Deutschland (und wird es immer mehr) fast auf dem Niveau der USA.

kimschmitz: Wenn Sie ein Ranking der Top-5-E-Business-Studiengänge in Europa benennen könnten, welche wären das?

Holger Rust: Das ist noch zu früh. Ich glaube, dass das, was in Deutschland angeboten wird, noch im Stadium der frühen Innovation steht. Außerdem sind die Schwerpunkte recht unterschiedlich. Das lässt sich nicht ranken. Im übrigen, in den USA ist es ähnlich.

Darwin: Bin ich mit einem Studium in Wirtschaftsinformatik (relativ neu in Hamburg z.B. angeboten) gut gerüstet, oder muss es schon eine Spezialisierung sein?

Holger Rust: Sie sind gut gerüstet. Und ich vermute, dass es sehr bald auch Veranstaltungen geben wird, die sich mit dem E-Commerce (also dem Handel mit Endverbrauchern) und dem E-Business (Handel zwischen Unternehmen) beschäftigen werden.

etrader: Es heißt, die wahren Gewinner der Vernetzung werden die großen, alten Konzerne (Quelle, Otto, Daimler) sein, nicht die Start-ups. Sehen Sie die Zukunft des E-Business ebenfalls im B2B Bereich? Ist B2C nicht durchsetzbar?

Holger Rust: Das werden jetzt sehr grundsätzliche Fragen zur wirtschaftlichen Zukunft. Ich kann natürlich meine mehr oder weniger begründeten Meinungen dazu abgeben. Aber die Zeit würde uns doch fehlen, wenn wir hier über Studienmöglichkeiten reden wollen.

archeios: Welches Wissen kann zu Multimedia und Internet beim E-Commerce vermittelt werden?

Holger Rust: Praktische Übungen, Gestaltung von Seiten, Rechtsfragen, internationale Kommunikation - Sie finden an deutschen Universitäten ein breites Spektrum bis hin zur Frage der Finanzdienstleistungen im Netz (Uni Augsburg).

Ueberflieger: Gibt es schon Absolventen von E-Commerce-Studiengängen am Arbeitsmarkt?

Holger Rust: Wenige, aber es gibt welche. In Frankfurt zum Beispiel. Und die sind alle gut angekommen bzw. untergekommen.

Kohlhaas: Mit welchem Einsteigergehalt kann ich rechnen, wenn ich mich speziell für das Online-Business qualifiziere? Liegt das in der Regel höher oder niedriger als in der alten Wirtschaft?

Holger Rust: Es liegt in der Regel genau im Durchschnitt, weil Sie oft in klassischen Unternehmen anfangen. Die Chancen, rasch aufzusteigen, sind aber relativ gut.

Zaunkoenig: Wie beurteilen Sie die aktuelle Krise im Bereich der Internet-Unternehmen? Handelt es sich um eine gesunde Marktbereinigung?

Holger Rust: Diese Frage ist fast nicht zu beantworten. Ich persönlich glaube aber, dass die New Economy noch gar nicht zu sich selber gefunden hat. Die wird erst richtig losgehen, wenn sich die Wirtschaftsbereiche miteinander vermischen. Die Trennung ist künstlich.

archeios: Setzt E-Commerce eine total vernetzte Welt voraus?

Holger Rust: Ja, schon. Aber die Frage nach den Inhalten der Kommunikation, nach den Gütern, nach Informationen und Wissen, nach Dienstleistungen, die im Netz verbreitet werden, bleibt immer wichtiger als die nach der Technik.

Rincewind: Wie beurteilen Sie das Aufkommen neuer Technologien (UMTS, Internet per Fernsehen) für den E-Commerce-Bereich?

Holger Rust: Sie werden im Studium sehr rasch darauf reagieren müssen und die alten Wirtschaftstheorien und Gesetze auf diese neuen Entwicklungen anwenden. Das ist ja das Spannende in diesem Studium

joan osborne: Sind die momentanen Möglichkeiten im Netz überhaupt schon ausgeschöpft? Es wird doch noch immer weiter verändert bzw. ausgebaut, ohne neue Technologien auch nur anzukratzen.

Holger Rust: Wenn Sie ein Grundwissen über technologische Veränderungen - Strukturwissen oder Problemlösungskompetenz - entwickeln, werden Sie sich immer mit neuen Entwicklungen konstruktiv befassen können. Ihre Frage ist daher zu passiv. Sie verändern die Welt (jedenfalls werden Sie dazu beitragen) und sind nicht nur betroffen. Deshalb studieren Sie ja.

Ueberflieger: Was unterscheidet ein E-Commerce-Studium vom klassischen BWL-Studium? Wie sieht der erweiterte Fächerkanon aus?

Holger Rust: E-Commerce wird als neue Querschnittmaterie in das klassische Studium integriert.

Ueberflieger: Gibt es bereits Numeri Clausi für E-Business-Studien?

Holger Rust: Das ist so nicht zu beantworten, weil Sie bislang E-Business nicht im Hauptfach, sondern als Schwerpunkt studieren. Der NC richtet sich also auf die Basisfächer - BWL, Wirtschaftsinformatik, Finanzmanagement, Gestaltung etc.

anjaundpatrick: Lieber Herr Rust, wir werden im Juni mit der Fachhochschulreife unsere Schulkarriere abschließen; gibt es über die Fachhochschule hinaus Möglichkeiten, E-Commerce zu studieren (z.B. an der Uni mit Fachhochschulreife, bzw. an Privatschulen)?

Holger Rust: Das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es postgraduale Angebote gibt. Ansonsten bieten eine Reihe von Hochschulen, auch FHs, Kontaktstudien an. Bitte schauen Sie doch unter www.hochschulkompass.hrk.de  einmal ins Internet. Das ist die Seite der Hochschulrektorenkonferenz mit Infos über mehr als 9000 Studienmöglichkeiten.

Bellevue: Würden Sie einen Auslandsaufenthalt in Verbindung mit einem Praktikum empfehlen? Und wenn ja: Wo?

Holger Rust: Auf jeden Fall. Ich würde mir sogar den Studienort in Deutschland danach aussuchen, ob er die Möglichkeiten zum Zugang an ausländischen Partnerhochschulen anbietet. Auch diese Informationen finden sie unter der vorhin angegebenen Adresse der Hochschulrektorenkonferenz

Rincewind: Empfehlen Sie, Praktika eher in normalen Wirtschaftsbetrieben oder in Netzfirmen zu absolvieren, wenn ich mich in diesem Bereich etablieren will?

Holger Rust: In normalen Firmen dann, wenn die eine Abteilung haben, die sich mit EB beschäftigt. Ansonsten suchen Sie sich vornehmlich solche Netzfirmen, die für große Unternehmen Dienstleistungen erbringen

LED: Muss ich im E-Business-Studium auch programmieren lernen? Oder geht es mehr um das Management?

Holger Rust: Das hängt vom Studiengang ab. Sie finden beides. Erkundigen Sie sich also, wo die Schwerpunkte liegen. Sie reichen von ingenieurstechnischen bis hin zu künstlerischen (wie zum Beispiel an der HdK in Berlin), wo Sie BWL, Marketing, Gestaltung etc. gleichzeitig studieren

Elric of Melnibone: Bringt mir die E-Business-Zusatzqualifikation etwas für ein Maschinenbau- oder anderes Ingenieursstudium?

Holger Rust: Sie ist für alle Studiengänge eine der besten Zusatzqualifikationen, als Querschnittmaterie.

BartSimpson: Wieso machen Internet-Auftritte so häufig den Eindruck, als hätten Techniker und Designer selten miteinander geredet und viel aneinander vorbei gearbeitet?

Holger Rust: Das ist das klassische Kommunikationsproblem zwischen Vertrieb und Technik, das kennen wir ja. Und Sie sehen daran, dass es keineswegs nur um technische oder nur um Fragen der BWL geht, sondern dass sich bei dieser Materie alle im Hinblick auf die neuen Marktgewohnheiten konstruktiv zusammensetzen müssen. Es ist übrigens diese Kommunikation, auch in Projekten mit Praktikern, die von den Studenten als besonders belebend empfunden wird. Sie lernen das, was man heute Schlüsselqualifikationen nennt, also Kommunikation, Präsentation etc., in E-Commerce-Projekten.

Darwin: Ist das Feld des E-Commerce inzwischen weit genug, dass sich Spezialisierungen innerhalb dieses Gebietes aufdrängen, oder ist man als Allgemeingebildeter immer noch besser dran?

Holger Rust: Das kommt auf Ihre Interessen an. Wenn Sie in die Branche der Finanzdienstleister wollen, wäre es natürlich klug, ein Schwerpunktstudium mit dieser Richtung (etwa Augsburg) zu suchen. Wenn Sie eher gestalterisch tätig sein wollen, wäre es die HdK (Hochschule der Künste) in Berlin. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Allgemeine BWL-Studien mit dem späteren Schwerpunkt EB finden Sie zum Beispiel in Köln oder Frankfurt. An einigen FHs haben Sie Schwerpunkte mit regionalem Bezug. In St. Gallen wird, wenn ich mich recht erinnere, nun ein Schwerpunkt Kommunale Verwaltung angeboten.

Was Studierende lernen sollten

LED: Kennen Sie persönlich CEOs von Web-Firmen? Worauf legen die bei der Einstellung den größten Wert?

Holger Rust: Drei Dringe und eine Zusatzqualifikation: Persönlichkeit, Persönlichkeit, Persönlichkeit und Problemlösungskompetenz mit technischem Geschick.

harry potter: Wie wichtig ist es bei allem Blick auf E-Commerce, die Old Economy einzubeziehen? Wird die Entwicklung sich eher hier oder im reinen Netz abspielen?

Holger Rust: Vergessen Sie doch bitte endlich diese Begriffstrennung zwischen Old und New oder was auch immer. Es wird alles zusammen wachsen, und wir werden eine - wenn Sie schon einen Begriff wollen - 21st-Century-Economy haben, alte Firmen, neue Dienstleistungen, Wissensindustrie und Netzarchitekturen, alles durcheinander, miteinander

AlbrechtDuerer: Wie wichtig sind in der von Ihnen berufenen 21st-Century-Economy die klassischen preußischen Sekundärtugenden wie Disziplin und Ordnung, oder komme ich mit den vielzitierten kreativen Kräften alleine auch weiter?

Holger Rust: Kreativität ist ein Ergebnis disziplinierten Denkens. Der Gegensatz ist künstlich. Alle großen genialen Entwürfe setzten Ordnung im Denken und Disziplin in der Arbeit voraus. Das ist nichts Preußisches.

Bellevue: Wie reagiert die Wirtschaft auf den Studiengang E-Commerce? Man macht ja oft - zum Beispiel im Journalismus - die Erfahrung, dass die so genannten Praktiker von einer akademischen Ausbildung wenig halten...

Holger Rust: Das Letzte stimmt nicht, wenn Sie an einer Hochschule studieren, die neben der Theorie, also der ruhigen und hintergründigen Betrachtung der wirtschaftlichen Entwicklungen, auch Praxisanteile anbietet. Außerdem ist die Grundlagenforschung an Universitäten nicht zu verachten.

Edelfeder: Ich möchte später als Journalist für ein Online-Medium arbeiten. Haben sich die Journalistik-Studiengänge schon auf die Zeichen der Zeit eingestellt?

Holger Rust: Zum Teil. Sie finden die Informationen darüber in einem neuen Studienführer, der von Walter Hömberg herausgegeben ist. Sie können aber auch im Internet (wieder das Stichwort Page der Hochschulrektorenkonferenz) die Studiengänge aufrufen und bei einer gemütlichen Tasse Kaffee sich ansehen, wer die Dinge schon integriert hat. Aber stellen Sie sich das Leben eines Online-Journalisten nicht allzu abenteuerlich vor.

Ueberflieger: Wieso denn das? Online-Journalist ist doch ein toller Job.

Holger Rust: Ja, aber man sitzt doch sehr viel vor dem Bildschirm. Wenn Ihnen das Recherchieren und Verdichten auf diesem Weg Spaß macht, ist es ein toller Job.

kimschmitz: Sind dann solche Studiengänge, die quasi noch in den Kinderschuhen stecken, überhaupt gefragt bzw. anerkannt?

Holger Rust: Ich muss es noch einmal deutlich machen: Wir haben es hier durchweg mit Schwerpunkten im Hauptstudium zu tun. Es wird kein Hauptfach E-Commerce geben, oder noch mehr: Es wird kein Studium E-Commerce geben, weil es ja ohne Wirtschaftskenntnisse nicht sinnvoll ist (oder Ingenieurskenntnisse, was immer Sie interessiert).

ria: Die ersten E-Commerce-Absolventen hatten sicherlich gute Chancen. Wird es nicht zu einer Überschwemmung am Markt kommen?

Holger Rust: Bislang hält sich nach meinen Beobachtungen die Zahl der Studierenden, die den Schwerpunkt, das Wahlfach, oder wie immer das Angebot im jeweiligen Studiengang heißt, sehr in Grenzen. Eine Überschwemmung ist in den nächsten zwei, drei Jahren nicht zu befürchten.

dietmar5: Ich stehe vor meinem Studienbeginn. Wie sehen Sie die Perspektiven in vier Jahren? Ist der Markt dann nicht schon lange satt, wenn die Hälfte der E-Commerce-Dienstleister pleite ist? Und wie steht es mit den Karrierechancen in Internet-Firmen?

Holger Rust: E-Commerce wird zur Sache von Großunternehmen, von Banken, von klassischen Industrien. Wenn Sie Wirtschaft studieren und einen Schwerpunkt E-Commerce einbinden, kann Ihnen nichts passieren. Sie studieren ja nicht nur E-Commerce. Die Technik, die Technologie wird ja nicht wieder zurückgedreht. Ihre Kompetenzen in diesem Bereich werden in vier Jahren so wichtig sein wie englische Sprachkenntnisse. Mit EB-Kompetenzen müssen Sie nicht unbedingt in einem Dotcom-Unternehmen arbeiten. Die bisherigen Absolventen sind überall, bei Beratungen, in klassischen Unternehmen, bei Banken und in Start-ups. Und auch das noch einmal: Wir haben es hier wirklich mit einer neuen Querschnittsmaterie zu tun, die die gesamte Wirtschaft betrifft.

Darwin: Gibt es eigentlich noch Chancen für Quereinsteiger, oder ist, ähnlich wie in den meisten etablierten Firmen, der Weg inzwischen nahezu unmöglich geworden?

Holger Rust: Diese Chancen sind zum Beispiel an der HdK systematisch eingerichtet. Dort können Sie sich nach einem Vordiplom bewerben. Sie müssen allerdings ein paar Vorkenntnisse mitbringen und z. B. eine elektronische Bewerbung einschicken. Sie finden die Informationen auf der Homepage der HdK .

harry potter: Man fängt doch immer mehr an, E-Business-Firmen nach klassischen Maßstäben zu beurteilen. Beurteilt man denn auch zunehmend klassische Unternehmen nach E-Business-Maßstäben?

Holger Rust: Was die technologischen Innovationen im Dienstleistungssektor der großen Firmen (z.B. Banken) betrifft, sicher.

ria: Wo bekommen die Unis eigentlich so fix kompetente Dozenten/Innen her? Die wachsen doch auch nicht auf Bäumen und müssen zudem mit der rasanten Entwicklung mithalten. Daran hapert es aber gerade oft.

Holger Rust: In Köln, Frankfurt, Augsburg, Bochum und Berlin, also an den Studienorten, die im Artikel im manager magazin näher beschrieben sind, haben sich eine Reihe von Experten zusammengetan: Wirtschaftsinformatiker, Medienmanager etc. Darüber hinaus werden viele Praktiker aus dem Bereich E-Commerce in die Studiengänge integriert, entweder als Gastprofessoren oder im Rahmen von Projekten.

Ueberflieger: Wie sieht es mit der Qualifikation der Lehrkräfte aus? Der ganze Bereich ist so neu, dass die kaum mehr Ahnung haben können als Quereinsteiger. Gibt es einen Qualitätsscheck?

Holger Rust: Leider nicht. Ich verrate ihnen aber ein Geheimnis: Wenn Lehrkräfte Sie in Ihrer Persönlichkeit fördern, wenn sie eine breite Allgemeinbildung haben und ihre wissenschaftlichen Kompetenzen unterhaltsam rüberbringen, sind sie gut. Wenn sie dann noch Beziehungen zu den Praktikern haben, die das können, was sie selber nicht können, sind sie hervorragend.

joan osborne: Unterhaltsam meine Persönlichkeit fördert auch der mit guter Allgemeinbildung ausgestattete Harald Schmidt! Sind Dinge wie klassische Literatur oder Umgangsformen eigentlich noch interessant in einer Zeit von Chat und E-Mail???

Holger Rust: Was ist klassische Literatur? Halten wir es doch so: Jedes anspruchsvolle Buch, das Ihren Ansprüchen genügt, ist eine Bereicherung. Vor allem deshalb, weil es die Kreativität, das Denken und die Sprachfähigkeit fördert. Außerdem regt es zu weiteren Gedanken an.

BartSimpson: Aus welcher Richtung kommend habe ich die besseren Chancen im E-Bereich? Aus der wirtschaftlichen oder der technischen?

Holger Rust: Sie werden in jedem Fall beide Kompetenzen haben müssen. Es ist nur eine Frage der Verteilung. Wenn Sie in technische Fächer wollen, verwenden Sie ein Drittel Ihrer Kapazität auf generelle Studien. Wenn Sie an wirtschaftlichen Fragen interessiert sind, umgekehrt: ein Drittel für die neue Technologie

archeios: Gibt es Fernstudien, E-Learning zu E-Commerce an einer Fachhochschule?

Holger Rust: Ich glaube ja. Auch hier sollten Sie die Internetinformationsseiten aufrufen. Damit auch einmal eine andere genannt wird: www.studienwahl.de  (geht übrigens nur weiter, wenn Sie Cookies freischalten).

Darwin: Sehen Sie in Dingen wie intelligenten Einkaufswagen bzw. Kaffeemaschinen die Zukunft oder sind solche Dinge eher Spielereien am Rande?

Holger Rust: Spielereien am Rande. Aber trotzdem sind quatschende Kaffeekannen ja als Übungspartner für Rhetorik auf der einen und als Spielwiese für Techniker ganz hübsche Erfindungen, oder?

joan osborne: Wie stark sehen Sie die Bedrohung des Internets für unsere soziale Struktur (z.B. Zwei-Klassen Gesellschaft), oder glauben Sie an die Öffnung für alle???

Holger Rust: Die Gefahr besteht, sie ist wirklich dramatisch, solange es nicht in allen Schulen selbstverständlich ist, dass junge Leute Zugang zu Computern und damit auch zum Netz haben.

mm-Spezial: "Web-Studium - Wer bietet was?" Homepage der Hochschulrektorenkonferenz 


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