Montag, 16. September 2019

Computer Selbstheilende Rechner

Industrie, Forschung und Behörden in den USA arbeiten gemeinsam am absturzsicheren Rechner.

Der nächste Crash kommt bestimmt. Diese Erkenntnis gilt für alle Computer - unabhängig von Hersteller, Betriebssystem oder Alter. Es gilt für den Heim-PC genauso wie für den Rechner im Raumschiff auf dem Weg zum Mars.

Schon ein kleiner Programmfehler zerstört dann alle Arbeit, frustriert den Nutzer, treibt die Kosten in die Höhe und nährt die Zweifel an der Verlässlichkeit der Technik im 21. Jahrhundert.

Forscher, Regierungsbehörden und Computerkonzerne in den USA wollen ihre Bedenken beiseite schieben und gemeinsam einen absturzsicheren und wirklich verlässlichen Computer entwickeln.

"Wir sind bereit, viele Informationen auf den Tisch zu legen und mit anderen zu teilen", sagt Richard DeMillo, Technikchef von Hewlett-Packard. "Wenn wir die Verlässlichkeit erhöhen können, gewinnen alle." Gegründet wurde das "High Dependability Computing Consortium" (HDCC) im Dezember vergangenen Jahres, jetzt fand ihre erste Sitzung statt.

Militärische Interessen

Bisher wurde die Diskussion über den absolut sicheren Rechner meist vor dem Hintergrund militärischer Verteidigungsstrategien oder im Zusammenhang mit der Sicherheit von Atomanlagen geführt. Mit dem Boom des elektronischen Handels und der wachsenden Vernetzung in den Firmen gehe es jetzt aber um die gesamte Hightech-Industrie, erklärt David Garlan, Professor für Computerwissenschaften an der Universität Carnegie Mellon.

Allein die wirtschaftlichen Kosten durch Computerausfälle und Abstürze sind horrend. Internet-Firmen wie das Auktionhaus Ebay verlieren sofort Millionen Dollar, wenn die Rechner mal ausfallen. Besonders in ihrem Stolz getroffen waren die USA 1999, als menschliches Versagen und Softwarefehler zum Verlust von gleich zwei Marssonden führten, die 125 und 165 Millionen Dollar kosteten.

Welche Fehler machen Menschen?

Ein Problem auf dem Weg zum wirklich verlässlichen Computer ist, dass die dafür notwendigen Qualitäten nicht von Anfang an bei der Programmierung der Software berücksichtigt werden. Programmierer sollten mehr wie Ingenieure denken, fordert DeMillo, die Erkenntnisse aus dem Einsturz einer Brücke beim Bau der nächsten berücksichtigen. Darüber hinaus müsse bei Software auch bedacht werden, in welcher Umgebung sie eingesetzt werde, sagt DeMillo.

Hierzu gehöre auch die Überlegung, welche Fehler Menschen machen könnten. Das Anti-Crash-Konsortium will jetzt Techniken für selbstheilende Rechner sowie lernende Systeme entwickeln, die verhindern, dass absturzträchtige Fehler gemacht werden. Eingesetzt werden sollen auch Simulationsverfahren, wie sie schon im Flugzeugbau und anderen Branchen selbstverständlich sind. Zu den unterstützenden Firmen gehören neben Hewlett-Packard auch IBM, Compaq, Sun Microsystems, Microsoft, Novell und andere.

Apple und Microsoft als Vorbild

Manchmal ist es sicher besser, sich von alten Software-Bestandteilen völlig zu trennen und noch einmal von vorne anzufangen. Die Firmen Apple und Microsoft machen das in diesem Jahr vor, wenn sie ihre neuen Betriebssysteme vorstellen. Das sei schon mal ein guter Anfang, sagt Gary Chapman von der Universität von Texas in Austin. "Es ist schon verwunderlich, dass es nicht eine große Empörung und Rufe nach einer Reform von Seiten der Verbraucher gab", sagt er. "Aber es gibt eine große Unruhe, denn die Leute sind mit Computern, wie sie heute sind, nicht unbedingt zufrieden."

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