Napster/Bertelsmann Musiktausch-Börse kämpft um Normalität

Das gemeinsame Geschäftsmodell steht. Chef Hank Barry will es bald an die Öffentlichkeit bringen.

Los Angeles - Seit vergangenem Oktober verbindet den Gütersloher Medienkonzern und die Online-Musiktauschbörse eine strategische Allianz. Nach Angaben von Napster-Chef Hank Barry soll die bisher kostenlose Tauschbörse durch Abonnentengebühren ein Stück Normalität auf dem Musikmarkt werden. "Wir haben ein ziemlich detailliertes Modell, das wir aber noch nicht der Öffentlichkeit vorgestellt haben", sagt Barry.

Er hoffe, dass man nun zu Anfang des neuen Jahres Näheres zum neuen Geschäftsmodell veröffentlichen kann. Branchenbeobachter hatten bezweifelt, dass es angesichts der rechtlichen und technischen Unwägbarkeiten überhaupt schon einen Plan gebe.

Barry, der als Kapitalgeber bei Napster eingestiegen war, hatte im Mai vergangenen Jahres auf dem Chefsessel des Internet-Unternehmens Platz genommen und seitdem eine wahre Achterbahnfahrt miterlebt. Internationale Musikkonzerne verklagten Napster wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen im Internet und bedrohten somit die Existenz des Unternehmens.

Der Beliebtheit der Tauschbörse, die von einem 19-jährigen Schulabbrecher erdacht worden war, tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil, mittlerweile hat Napster rund 40 Millionen registrierte Nutzer weltweit.

Konkurrenz nimmt zu

Ende Oktober platzte dann die Bombe: Bertelsmann scherte aus der Reihe der anderen Unternehmen aus und verband sich mit Napster zu einer strategischen Allianz und will nun einen kostenpflichtigen Abonnenten-Service aufbauen.

Der Napster-Chef erwartet im neuen Jahr ein noch größeres Interesse an Internet-Tauschbörsen und eine größere Anzahl von Konkurrenten auf diesem Markt. "Es gibt viele verschiedene Angebote wie von America Online für den Austausch von Dateien." Bis Ende 2001 werde es zahlreiche Alternativen zu Napster geben. Die Einführung eines kostenpflichtigen Abo-Services sieht Barry optimistisch: "Ich denke, wir werden einige unserer Fans verlieren, aber wir sehen dem Wettbewerb zuversichtlich entgegen." Dies sei hoffentlich eine Übergangsphase und Napster werde danach zu langfristigem Wachstum kommen.

Über den Ausgang des Berufungsverfahren gegen Napster macht sich Barry offenbar keine großen Sorgen: "Es gibt wahrscheinlich unendlich viele verschiedene Möglichkeiten, wie das Gericht entscheiden kann und unendlich viele Ergebnisse." Napster und Bertelsmann verhandeln seit einiger Zeit mit den anderen großen Medienkonzernen Sony, Time Warner und Universal über eine Beteiligung an der Kooperation, wodurch das Verfahren wahrscheinlich obsolet würde.

Ohne eine Beteiligung der Konkurrenten an Napster könnten Experten zufolge nur Musikstücke im Internet angeboten werden, die die Bertelsmann Music Group (BMG) unter Vertrag hat. Das könnte die Attraktivität der Börse, die für ihr umfassendes Musik-Angebot bekannt ist, schmälern.

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