Dienstag, 28. Januar 2020

Hauptversammlung von Rocket Internet Aktionäre verlieren den Glauben an Samwers Babies

Oliver Samwer: Profit? Da war doch noch was?

Geduld nur, Geduld: Rocket-Chef Oliver Samwer verspricht enttäuschten Aktionären, sich stärker um den Profit zu kümmern. Die Aktie fällt weiter - seit Börsengang hat sie ihren Wert mehr als halbiert.

Der Internet-Firmenentwickler Rocket Internet Börsen-Chart zeigen will stärker darauf achten, seine jungen Unternehmen rasch profitabel zu machen. Zugleich möchte Vorstandschef Oliver Samwer ein hohes Wachstumstempo beibehalten. In den nächsten Jahren rechne er mit einer Umsatzsteigerung von 25 bis 40 Prozent pro Jahr, sagte Samwer auf der Jahreshauptversammlung am Donnerstag in Berlin.

Samwer bekräftigte das Ziel, bis zum vierten Quartal 2017 mindestens drei größere Unternehmen aus der Rocket-Familie in die Gewinnzone zu bringen. Bisher schreiben alle aktuellen Engagements Verluste

Zu den großen gehören etwa Foodpanda, Delivery Hero, Global Fashion Group und Home 24. Erfolg hatte Rocket bereits mit dem Online-Modehändler Zalando.

Rocket Internet baut junge Unternehmen auf, die eine innovative Idee mit Internet-Bezug haben, vor allem im Handel und bei Dienstleistungen wie der Essenszustellung. Teilweise beteiligt sich Rocket an den Neugründungen, teilweise kümmert sich die Gesellschaft um eine Fremdfinanzierung. Beim schnellen Aufbau der Unternehmen ist eine IT-Plattform für Vertrieb und Marketing zentral, mit der ganz unterschiedliche Start-ups nach ähnlichem Muster in zahlreichen Ländern bekannt und handlungsfähig gemacht werden.

Kursabsturz setzt sich fort - mehr als 50 Prozent Verlust seit IPO

Rockets Aktienkurs ist seit dem Börsengang im Oktober 2014 um mehr als die Hälfte gesunken - vom Ausgabepreis 42,50 Euro auf derzeit rund 19 Euro. Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Michael Kunert, kritisierte, der Vorstand habe bei den Investoren zu große Erwartungen geweckt und einen zu hohen Ausgabepreis festgesetzt. Deshalb sei der Vorstand für den Absturz mitverantwortlich. Samwer entgegnete vor den etwa 80 Aktionären, gemessen an der wirtschaftlichen Lage und der Wettbewerbsposition entspreche "der Aktienkurs nicht dem fairen Wert des Unternehmens.

Die Hauptversammlung erteilte dem Vorstand die Erlaubnis, im Zeitraum bis Juni 2021 Wandelanleihen im Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro auszugeben. Zudem darf das Unternehmen bis zu 67 Millionen neue Aktien auf den Markt bringen.

"Sehr unwahrscheinlich, dass wir Dividende zahlen"

Zuletzt hatte sich Rocket im Juli 2015 über eine Wandelanleihe 550 Millionen Euro frisches Kapital besorgt. Zu günstigen Kursen kaufte die Gesellschaft davon aber am Markt inzwischen wieder Papiere im Nennwert von 150 Millionen Euro zurück. Eine Wandelanleihe ist ein Wertpapier, für das es Zinsen gibt. Innerhalb einer festgelegten Frist kann sie gegen Aktien des Unternehmens eingetauscht werden.

Samwer nannte es angesichts des Wachstumsmodell "sehr unwahrscheinlich, dass wir in den nächsten Jahren eine Dividende zahlen." Eine Beteiligung der Aktionäre an Verkaufserlösen sei möglich, eine solche Sonderdividende aber derzeit nicht geplant.

Firmenwert reduziert sich deutlich

Investoren sind seit längerem verunsichert, ob die Firma letztlich mit ihrem Geschäftsmodell - dem Gründen und Verkaufen von Startups - Geld verdienen kann.

Zuletzt machte Rocket Internet Schlagzeilen, weil das Unternehmen seine sechs Modehändler von gut drei Milliarden auf eine Milliarde Euro abwertete. Dies wie auch der Lazada-Verkauf führten nun zu einer Verringerung des Firmenwerts von Rocket auf 5,3 Milliarden Euro zu Ende April von noch knapp sechs Milliarden Euro im März.

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