Mobiles Internet Gar nicht so schlecht mit SMS

Die Lücke zwischen dem deutschen und dem japanischen mobilen Datendiensten ist kleiner als allgemein angenommen.

Zu diesem Schluss kommt zumindest das Wirtschaftsforschungsunternehmen Berlecon Research in Berlin in seiner aktuellen Studie. Das Institut widerspricht damit der allgemeines Auffassung, dass Japan Deutschland in Sachen M-Business rund zwei Jahre voraus ist.

Berlecon Research zufolge würden in Deutschland SMS-Dienste einen Großteil der Funktionalitäten des mobilen Internetzugangs "i-mode", der von der japanischen Firma NTT Docomo entwickelt wurde, abdecken. NTT Docomo ist mit dem mobilen Zugang weltweit Marktführer.

Das Berliner Forschungsinstitut meint jedoch, dass i-mode und die anderen mobilen Internet-Zugangsdienste in Japan für die erfolgreiche Weiterentwicklung in Deutschland aber Vorbild sein könnte, wenn es um Abrechnungslösungen und Kooperationen ginge.

Für die Studie "Internet Mobil? Eine Bestandsaufnahme Mobiler Datendienste in Deutschland" haben die Wirtschaftsforscher die auch Referenzmärkte Japan und Skandinavien untersucht. Der viel diskutierte Erfolg von i-mode in Japan ist Berlecon Research zufolge vor allem auf ein starkes Bedürfnis nach mobiler E-Mail-Kommunikation zurückzuführen. In Deutschland sei dies weitgehend durch SMS abgedeckt.

Innovative Modelle bei SMS-Markt

Die Studie vergleicht auch die Geschäftsmodelle von WAP- und SMS-basierten Diensten: "Im SMS-Markt finden sich besonders innovative Modelle, die zeigen, wie man derzeit mobile Dienste über Gebühren finanzieren kann."

Auch im WAP-Bereich sehen die Wirtschaftsforscher Bewegung: Berlecon Research hat 174 der wichtigsten Anbieter von WAP-Diensten, die auf deutschen Portalen gelistet sind, analysiert. Hier dominieren die Angebote von Inhalten mit 81 Prozent deutlich gegenüber M-Commerce-Angeboten mit 14 Prozent.

Angebote wie das Herunterladen von Klingeltönen und Logos finden sich nur bei fünf Prozent der auf den WAP-Portalen gelisteten Fremddienste. Die meisten Content-Anbieter sind etablierte Unternehmen aus der Medienbranche. "Für eine größere Vielfalt bei den Inhalten, wie wir sie beispielsweise aus dem Internet kennen, ist die Einführung von Zahlungssystemen grundlegend", so Thorsten Wichmann, Geschäftsführer von Berlecon Research.

Abrechnungslösungen sind grundlegend

"Abrechnungslösungen für die Dienste gehören zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren, die japanischen Dienste-Anbietern zu Umsätzen in Millionenhöhe verholfen haben," erläutert Wichmann. In Deutschland sei die Implementierung solcher Lösungen sowohl für die Entwicklung einzelner, kleinerer Dienste als auch für die gesamte WAP-Entwicklung grundlegend.

Der Markt für Inhalte ist jedoch eng. Langfristig werden nur wenige große Anbieter und kleinere Nischendienste bestehen können. Erfolgsfaktoren sind dabei unter anderem eine starke Fokussierung der Angebote, für die Kundengewinnung sind Kooperationen mit anderen Anbietern, aber auch mit Netzwerkbetreibern, Technikanbietern und Händlern wichtig.