Fiscus Rechnungsprüfer kritisieren ehrgeiziges IT-Projekt

Auch im öffentlichen Dienst machen sich IT-Projekte selbständig. Fast fünfmal teurer als veranschlagt wird etwa die Software "Fiscus" für die Finanzverwaltung. Rechnungsprüfer wollen die Notbremse ziehen.

München - Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) hat die Verschwendung von Steuergeld in Millionenhöhe bei der Entwicklung eines Computer-Steuerverfahrens von Bund und Ländern kritisiert.

Alleine der Freistaat könnte bei der Entwicklung in den kommenden zehn Jahren 100 Millionen Mark sparen, rechnete der ORH in seinem am Dienstag in München vorgelegten Bericht 2000 vor.

Das "förderale standardisierte computer-unterstützte Steuersystem", kurz "Fiscus", ist eines der größten EDV-Projekte in Europa. "Fiscus" soll bis zu den Jahren 2006/2007 in der gesamten Finanzverwaltung für alle Aufgabengebiete bundeseinheitlich eingesetzt werden.

Die geschätzten Kosten des Projekts für Bund und Länder würden von ursprünglich geschätzten 330 Millionen Mark auf 1,4 Milliarden Mark steigen, bemängeln die Rechnungsprüfer. Der Freistaat muss 14,5 Prozent der Gesamtkosten übernehmen.

Der ORH fordert, dass die derzeit eingesetzten Verfahren zügig zusammen geführt, weiter entwickelt und modernisiert werden sollten.

Das bayerische Finanzministerium schloss sich der Kritik des ORH teilweise an. Das Ministerium wies vor allem darauf hin, gegen einen Beschluss der Finanzministerkonferenz gestimmt zu haben, eine FISCUS-GmbH als Softwarefabrik zu gründen.

Nach Ansicht des Freistaats soll das Projekt insgesamt nur weitergeführt werden, wenn eine Prüfung bis Ende 2001 zu einem positiven Ergebnis kommt.

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