Möbel-Shop Sofakauf im Internet

Immer mehr Möbelhäuser gehen ins Netz, aber bei Shopping-Angeboten halten sich die Unternehmen und Kunden zurück.

Köln - Ein Gartenzwerg als Tisch, eine Lampe in Ananasform, ein aufblasbares Sofa oder ein Sektglas als Barhocker - im Internet gibt es für die Einrichtung der heimischen vier Wände viele ausgefallene Möglichkeiten. Solche Angebote findet man allerdings meist nur bei Firmen, die ausschließlich im Internet handeln oder bei privaten Anbietern.

Wer sich für die klassische Schrankwand interessiert, findet im Web zwar die Homepages großer Möbelhäuser - doch die dienen meist lediglich der Firmenvorstellung und Information, nicht aber dem eigentlichen Verkauf.

Zu den Großen der Branche, die das Internet als Vertriebsweg entdeckt haben, gehört auch das Möbelhaus Ikea . "Bei uns können Möbel seit September 1999 online bestellt werden", sagt Andrea Koss-Bruns, Internet-Koordinatorin des schwedischen Unternehmens mit Deutschlandsitz im hessischen Hofheim-Wallau. Ob Sofas, Sessel, Couchtische, Bilderrahmen, Betten oder Tisch und Stühle für Ess- oder Wohnzimmer - das Einrichtungshaus aus dem Land der Elche liefert es auch auf Bestellung per Mausklick.

"Bis Ende August 2000 haben wir innerhalb von zwölf Monaten rund 8.500 Bestellungen gezählt", sagt Koss-Bruns. "Aber das ist erst der Anfang. Wir gehen davon aus, dass die Zahlen steigen." Typischerweise seien viele Online-Kunden zuvor in einer der Ikea-Filialen gewesen und bestellen dann später von zu Hause aus.

Möbelkauf ist individuell

Ob Ikea damit beispielhaft für die gesamte Branche ist, bleibt offen: "Einige Firmen stellen ihren Internetverkauf eher ein, als dass sie ihn ausbauen", sagt Lothar Weinmiller, Geschäftsführer des Bundesverbandes des deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels in Köln. Ein Möbelkauf sei eben sehr individuell und beratungsintensiv. Der Kunde komme lieber selbst ins Geschäft, um auf dem Sofa Probe zu sitzen und sich die Farbe der Kommode genau anzusehen.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Hardy von Mark, Verkaufsleiter bei Albers-Möbel  in Meppen in Niedersachsen gemacht. "Wir sehen den Internetauftritt eher als Versuch herauszufinden, ob das Netz überhaupt ein Markt für uns ist."

Bis jetzt hat er am Tag nur sieben bis acht Anfragen per E-Mail auf dem Tisch. Meist wollten die Kunden in jedem Fall in eine Filiale kommen und sich zusätzlich beraten lassen. "So eine komplette Küche besteht aus hunderten von Einzelteilen - dazu kommen noch die Anschlüsse. Wie soll man das auch am PC allein planen?"

Shoppingangebot aufgeschoben

Auch das Einrichtungshaus Habitat  ist mit einer Homepage im Internet vertreten. Obwohl das Unternehmen mit der Zeit gehen will, ist mit dem Online-Shopping frühestens in zwei Jahren zu rechnen. "Unser Haus steht ja auch für ein gewisses Feeling und Atmosphäre - das ist im Netz nur schwer umzusetzen", sagt Silke Miller, Sprecherin von Habitat in Düsseldorf.

"Möbel sind eben keine Produkte, die man sich einfach mal so kauft", bestätigt Jörn Szegunis, E-Commerce-Experte von der Universität Paderborn. "Außerdem ist die Möbelbranche im Internet mit dem Verkauf noch wenig vertreten." Laut Szegunis haben kleinere Möbel-Händler im Netz auch nur dann eine Chance zu bestehen, wenn sie sich mit größeren zusammentun.

Kaufen ja - aber nicht per Internet

Viele Verbraucher sehen das Internet - nicht nur bei Möbeln - nach wie vor als Informationsquelle, nicht aber als virtuelles Kaufhaus. Nach einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts GfK in Nürnberg sind viele Käufer der Ansicht, dass das Surfen den echten Einkaufsbummel nicht ersetzen kann. "Außerdem haben einige Kunden noch nicht das Vertrauen in das Medium", so Helga Zander-Hayat von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf.

Die Verbraucher Initiative in Berlin empfiehlt vor dem Online-Einkauf in jedem Fall zu prüfen, ob ein Unternehmen seriös ist: Die Firma sollte eindeutig zu identifizieren sein, ihre volle Anschrift und Telefonnummer angeben und ein Widerrufs- und Rückgaberecht einräumen. Außerdem sollte binnen 24 Stunden der Auftrag des Kunden von dem Unternehmen bestätigt werden.

Falls nur per Nachnahme oder Vorkasse bezahlt werden kann, ist höchste Vorsicht geboten, warnen die Verbraucherschützer. Denn das heißt, etwas zu bezahlen, ohne es vorher gesehen zu haben. Der Online-Einkäufer sollte auch auf einen genügenden Datenschutz achten und zum Beispiel Kreditkartennummern nur verschlüsselt senden.

Software für Entwurf

Langes Suchen nach der passenden Einrichtung im Internet muss nicht sein: Die Firma Invido  aus dem Rheinland-pfälzischen Niederdorf hat eine Software entwickelt, mit der man Möbel selbst am heimischen Computer entwerfen kann. Sie ist auf CD-Rom als Freeware erhältlich oder kann bei dem Unternehmen direkt kostenlos bestellt werden.

Der Entwurf wird an eine E-Mail angehängt und an Invido geschickt. Die Möbel werden im firmeneigenen Werk geschreinert und kommen rund vier Wochen später ins Haus. Nach Angaben des Unternehmens liege der Preis dann unter dem, den eine gewöhnliche Tischlerei für einen solchen Auftrag verlangen würde.

Auch wenn das Designen noch nicht direkt im Netz passiert, ohne das World Wide Web ginge es bei Invido nicht. "90 Prozent unserer Kommunikation mit den Kunden läuft übers Netz", erklärt Kristin Miller, Sprecherin der Firma.

Wer es in seinen vier Wänden extravaganter mag, muss also nach den passenden Angeboten nicht lange im Internet Ausschau halten - mit Hilfe der Software entsteht schnell ein Schrank, der aussieht wie eine Pyramide.