Dotcom-Werbung Sex sells in der New Economy

Immer mehr US-Hightech-Companies werben mittlerweile mit nackter Haut. Das altbewährte Werbeprinzip hat in die Marketingabteilungen der Internet-Industrie Einzug gehalten.

San Francisco - Derzeit erregt etwa eine erotische Kampagne der Telco-Firma OneRedCube Aufsehen in den USA: Im TV wirbt die Company mit Großaufnahmen eines leicht bekleideten jungen Paares, das sich wild küssend am Strand amüsiert. Auch im Netz und in Magazinen soll das sinnliche Duo auf die Kommunikationsdienste des Unternehmens aufmerksam machen.

"Sehr sexbetonte Bilder sind ein wirkungsvolles Werkzeug – wenn sie angemessen eingesetzt werden", erklärte Peter Arnell, Chief Creative Officer bei der AG Worldwide, die für die OneRedCube-Werbung verantwortlich zeichnet.

Viel weibliche Brust verspricht deshalb auch ein Werbebanner der Disney-Tochter ESPN.com, dem größten Sport-Portal im Web. Mit zwei eindeutig geformten Rundungen und der Anmerkung "Möchten Sie Ihre Fantasie spielen lassen?" sollen Web-Surfer für das "Fantasy Football"-Angebot des Unternehmens gewonnen werden.

"Unsere Werbeaktionen sollen vor allem Männer ansprechen", erklärte Eric Handler, Director of Communications bei der Walt Disney Internet Group, jüngst gegenüber der Zeitung "USA Today". ESPN.com zählt im Monat sieben Millionen User – 90 Prozent davon sind männlich.

Plumpe Werbung

Jane Talcott, Group Creative Director bei Young & Rubicam, ist äußerst "überrascht", dass der hippe Tech-Sektor mit derart plumpen Ads wirbt. "Ich kann mir nicht erklären, weshalb Internet-Companys so einfallslos sind", so Talcott. "Wenn man keine Idee hat, muss eben ein Girl herhalten."

Talcott war in diesem Jahr auch Jury-Mitglied bei der Verleihung der "Good, The Bad & Ugly Awards" der Advertising Women of New York (AWNY), die das Frauenbild in der Werbung beurteilt.

Mit einer sexy Blondine im Cocktailkleid wirbt denn auch Cosmocom.com, Dienstleister für Call Center, in seinen Anzeigen: "Ein weiterer schöner Grund, Cosmocom.com zu besuchen", so die platte Botschaft des attraktiven Models. UGO.com setzt auf Cyber-Sexbombe Lara Croft und den Schmollmund von Oscar-Gewinnerin Angelina Jolie, die der virtuellen Heroin in einem kommenden Hollywood-Streifen ihren Körper leihen wird.

"'Sex sells' zieht eben immer noch", klagt Patricia Ireland, Präsidentin der National Organization for Women (NOW). "Frauen werden diese Art von Werbung nicht gelassen hinnehmen." Und die Unternehmen tun gut daran, es sich nicht mit der weiblichen Userschaft zu verscherzen: Einer Studie des Marktforschungsunternehmens Jupiter Communications zufolge waren im ersten Viertel diesen Jahres zum ersten Mal mehr Frauen online als Männer.

Silvia Kling