Bertelsmann Will Internethandel vorantreiben

Der Medienkonzern hat den Buchclub und den Internethandel zusammengelegt. Mit der Direct Group will der Konzern die Kunden über alle Vertriebswege erreichen.

Gütersloh - Die Bertelsmann AG hat ihre beiden Standbeine Internethandel und Buchclubs zusammengelegt und will damit zum Marktführer im Direktkundengeschäft mit Medien werden.

Die zum Juli neu gegründete Direct Group Bertelsmann könne auf weltweit 50 Millionen Kunden aufbauen, sagte Bertelsmann-Vorstand Klaus Eierhoff bei der Vorstellung der neuen Unternehmensgruppe.

Die Kunden sollen künftig per Mausklick, WAP-Handy, Telefon, Fax, Post oder in einer der Buchclub-Filialen Zugriff auf das gesamte Bertelsmann-Angebot haben. Damit will das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr rund 7,3 Milliarden Mark Umsatz machen. "Mit Gewinnen wird in vier bis fünf Jahren gerechnet", sagte Eierhoff.

Buchclub in Direct Group vereint

Unter dem Dach der Direct Group mit ihren 13.000 Beschäftigten sind die Buchclubs in weltweit 24 Ländern und die Bertelsmann e-Commerce Group (BeCG) vereint.

Zum Geschäftsbereich e-Commerce gehören 16 virtuelle Geschäfte, darunter die Internet-Buchhandlungen BOL und Barnesandnoble.com sowie die Internet-Musikhandlung CDNow, aber auch die Broadband Group, die sich mit der Breitband-Technologie für das interaktive Fernsehen beschäftigt.

BOL und Buchclub arbeiten enger zusammen

Bertelsmann verspricht sich von der Zusammenlegung des traditionellen Medienvertriebs mit den neuen digitalen Absatzwegen einen gegenseitigen Nutzen für beide Geschäftszweige. So soll beispielsweise BOL mit einem Link auf günstige Bestseller im Buchclub hinweisen und neue Mitglieder werben. Im Gegenzug könnten die Clubmitgliedern via BOL das gesamte Bertelsmann-Angebot nutzen. Auch in den Clubläden sollen Kunden auf BOL hingewiesen werden.

Der seit 1992 beobachtete Mitgliederrückgang beim deutschen Buchclub sei mittlerweile gestoppt, sagte Buchclub-Geschäftsleiter Wulf Böttger. Inzwischen gebe es 4,5 Millionen Mitglieder.

Über Umsatzzahlen und Verluste wollte das Unternehmen jedoch keine Auskunft geben. In den Ausbau der Clubs will Bertelsmann in den nächsten drei Jahren 4,5 Milliarden Mark investieren. Unter anderem sollen Spezialclubs für bestimmte Interessengruppen entstehen.

Napster mit monatlicher Grundgebühr

Teil der "Multichannel-Strategie", den Kunden auf allen Plattformen die gesamte Angebotspalette anzubieten, sei die Allianz mit der Musik-Tauschbörse Napster gewesen, sagte BeCG-Leiter Andreas Schmidt. Gemeinsam mit Napster wolle man das so genannte Filesharing-Prinzip, bei dem die Nutzer untereinander über das Internet Musikdateien austauschen, zum "Musik-Vertriebsweg der Zukunft" ausbauen.

Derzeit werde daran gedacht, für die Nutzung der Datenfiles eine monatliche Grundgebühr zu erheben. Später könnten auf diesem Weg auch digitalisierte Bücher oder Videos angeboten werden. In diesen Produkten sieht Schmidt die Zukunft: "Das kann zum Beispiel heißen, dass irgendwann die CD als Speichermedium verschwindet", sagte er.

Angel-Ausrüstung beim Medienhändler

Im Gegensatz zum Konkurrenten Amazon.com werde sich Bertelsmann auf Medienprodukte konzentrieren. "Bücher und Musik sind heute die einzigen Produkte, die voll digitalisiert sind", erklärte Schmidt. "Beim Versand von Kaffeemaschinen und Rasenmähern entstehen riesige Lagerkosten, die man mit digitalen Produkten nicht hat."

Es werde aber an Kooperationen mit Anbietern von ergänzenden Produkten gedacht. Dann könne beispielsweise ein Angel-Fan bei Bertelsmann neben speziellen Büchern auch gleich seine Angelausrüstung ordern.