MMXI Startvorteil für Old Economy im Internet

Unternehmen der Old Economy haben beim Online-Handel einen Startvorteil.

Hamburg/Nürnberg - Gerade unerfahrene Nutzer orientierten sich im Internet an bekannten Marken, sagte der Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts MMXI Deutschland, Thomas Pauschert.

Diesen Anfängern diene das Internet als Orientierung vor einem Kauf, den sie vorerst doch noch lieber in "richtigen" Geschäften tätigten. Dadurch entstünden "Mitnahme-Effekte" für die klassischen Einzelhändler, die auch im Internet vertreten seien: "Mit Online-Läden kann man auch offline Umsatz machen."

"Das Internet ist für die Suche nach Informationen unschlagbar", sagte Pauschert weiter. Binnen kürzester Zeit könne sich der Nutzer einen Überblick über das Angebot verschaffen, beispielsweise über Reisen.

Viele Kunden wollten sich aber vorher noch von einem Mitarbeiter direkt beraten lassen und gingen deshalb zum Kaufen ins Geschäft oder zum Buchen ins Reisebüro. Um aus diesem Startvorteil langfristig Kapital schlagen zu können, müssten sich bekannte Marken möglichst schnell auch im elektronischen Handel etablieren.

Die Zeit arbeitet für die Dotcoms

Die Zeit arbeite nämlich für die Dotcoms, also jene Unternehmen, die ihre Produkte oder Dienstleistungen ausschließlich über das Internet verkaufen, meint Pauschert. "Je länger die Nutzer das Internet kennen, desto aufgeschlossener werden sie auch gegenüber reinen Online-Läden."

So seien es vor allem erfahrenere Nutzer, die schon jetzt online einkauften. Diese Routiniers hätten ihre persönlichen Vorlieben für bestimmte Segmente entwickelt, in denen sie auch längere Zeit verweilten. Dies gelte beispielsweise für Finanz- und Wirtschafts-Sites, auf denen erfahrene Internet-Nutzer auch Aktien handeln würden.

Alternativen offline suchen

Die virtuellen Geschäfte müssen Pauschert zufolge aber nicht darauf warten, dass die Zahl der routinierten und zum Online-Kauf entschlossenen Nutzer langsam wächst. Auch sie könnten sich Offline-Gewinne aus dem Internet sichern: "Internet-Unternehmen wie Amazon könnten ihre Produkte auch offline anbieten", sagt Pauschert.

Solche Filialen virtueller Anbieter in der realen Welt seien eine große Chance. Denkbar seien auch Kooperationen mit Einzelhändlern, die Produkte von Online-Händler unter deren Marke vertreiben könnten.

MMXI zufolge gab es in Deutschland im August knapp neun Millionen aktive Internet-Nutzer. Diese Zahl sei im Vergleich zum Oktober vergangenen Jahres um fast 70 Prozent gestiegen.

Nach Prognosen der Marktanalysten von Jupiter Communications, die sich kürzlich mit MMXI zusammenschloss, werden 2005 in Deutschland im E-Commerce 17 Milliarden Euro umgesetzt. Derzeit sind des Jupiter zufolge erst etwas mehr als zwei Milliarden Euro.

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