Sonntag, 21. April 2019

Neuer Lieferservice geplant Amazon will Pakete angeblich von Kunden liefern lassen

Amazon-Pakete: Künftig vom Nachbarn geliefert?

Um bestellte Waren möglichst schnell und günstig an die Empfänger auszuliefern, will Amazon seinen Kundenstamm angeblich in ein Heer von Paketauslieferern verwandeln. Wie das "Wall Street Journal" ("WSJ") unter Berufung auf interne Quellen berichtet, wird derzeit eine entsprechende Applikation entwickelt.

Mit deren Hilfe könne jedermann Amazon-Pakete gegen Entgelt ausliefern. Eine Reihe von Ladengeschäften, die gleichsam als Packstation dienen sollen, würden von Amazon als Partner für den Lieferservice benannt. Von dort könnten sich die Gelegenheitsboten Pakete zur Auslieferung abholen.

Wann der intern bei Amazon als "On my way" (auf dem Weg) betitelte Dienst an den Start gehen soll, sei jedoch unklar. Es sei genauso gut möglich, dass die Pläne für die Lieferalternative gar nicht zur Reife gelangten. Von Amazon selbst sei keine Stellungnahme zu erhalten gewesen.

Einer der Gründe für die Pläne könnten die stark gestiegenen Lieferkosten sein. Dem "WSJ" zufolge sind Amazons Aufwendungen für den Versand bestellter Waren allein im letzten Jahr um 31 Prozent gestiegen, und damit stärker als der Umsatz. Daher sei es auch denkbar, dass der Konzern die "On my way"-Pläne gezielt an die Öffentlichkeit habe durchsickern lassen, um Druck auf die großen Paketdienste auszuüben.

Wer übernimmt die Verantwortung?

Sollte das Konzept ernst gemeint sein, gebe es eine Reihe von Hürden, die überwunden werden müssten. Derzeit verschicke Amazon in den USA täglich 3,5 Millionen Pakete. Um einen merklichen Einspareffekt zu erzielen, bedürfte es einer große Zahl von Freizeit-Paketboten. Auch sei nicht klar, wer die Verantwortung für beschädigte oder verloren gegangene Pakete übernehmen solle.

Darin liege eine der Schwachstellen der Idee, zitiert das "WJS" ein kanadisches Beratungsunternehmen für Logistikfragen: "Was hindert die Leute daran, Pakete einfach für sich zu behalten, anstatt sie auf jemandes Veranda abzulegen?"

Amazon erwägt schon seit Längerem Alternativen zur Warenauslieferung durch herkömmliche Paketdienste. So beantragte das Unternehmen im Sommer 2014 bei der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA eine Erlaubnis zum Test von Drohnen. Die Flugroboter sollen kleine Artikel binnen 30 Minuten nach Bestellung liefern können.

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