Samstag, 16. November 2019

Sicherheit an Flughäfen Bundesweiter Einsatz von Körperscannern geplant

Körperscanner in Hamburg (Archiv): Bald bundesweiter Einsatz

Die umstrittenen Körperscanner werden nun doch bundesweit eingeführt: Neben bereits im Betrieb befindlichen Geräten an sechs Flughäfen sind weitere bestellt. Sie sollen bis Jahresende eingesetzt werden.

Berlin - Als vor knapp vier Jahren erstmals über den Einsatz von Körperscannern an deutschen Flughäfen diskutiert wurde, war die Empörung groß. Von "Nacktscannern" war die Rede, deren Einsatz die Privatsphäre und Menschenwürde der Durchleuchteten verletzten. Nach Pannen bei einer sechsmonatigen Erprobung in Hamburg wurden die Testgeräte größtenteils wieder entfernt - jetzt gibt es einen neuen Anlauf.

Tobias Plate, ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI), bestätigte SPIEGEL ONLINE einen entsprechenden Bericht des "Tagesspiegels", laut dem Körperscanner künftig in größerem Umfang als bisher zum Einsatz kommen sollen.

Bislang stehen 14 Scanner an sechs deutschen Flughäfen, in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München und Stuttgart. Sie werden derzeit vor allem zur Kontrolle von Passagieren, die in die USA und nach Israel reisen, eingesetzt, Das soll vorerst auch so bleiben. Die Nutzung sei und bleibe zudem freiwillig, sagte BMI-Sprecher Plate.

Weitere Geräte im kommenden Jahr

Zusätzlich zu den bereits eingesetzten Geräten würden 14 weitere "kurzfristig" - voraussichtlich bis Jahresende - in Düsseldorf, Stuttgart und am Flughafen Köln/Bonn installiert. Der "Tagesspiegel" berichtet von 75 weiteren Geräten, die im kommenden Jahr für Flughäfen mit internationalen Verbindungen ausgeliefert werden sollen. Diese Zahl wollte das BMI nicht bestätigen, die Größenordnung sei aber ähnlich.

Der Grund für den Einsatz von noch mehr Scannern seien Fortschritte in der Waffenentwicklung, sagte Sprecher Plate: Die Geräte des US-Herstellers L-3 seien in der Lage auch Sprengstoff oder neuartige, mit 3-D-Druckern hergestellte Waffen zu erkennen. Eine veränderte oder verschärfte Sicherheitslage gebe es nicht.

Die Geräte kosteten jeweils etwa 200.000 Euro pro Stück. Der Preis für Sprengstoffdetektoren, die man vermehrt beschaffen müsste, wenn man bei den bislang bei den Sicherheitskontrollen üblichen "Toren" bliebe, liege allerdings auch bei etwa 60.000 Euro.

Fehlalarme geringer geworden

Die Geräte seien "selbstverständlich" andere als jene, die vor ein paar Jahren in Deutschland erprobt wurden, sagte Plate. Frühere Probleme mit der Technik hätten reduziert werden können, hieß es bereits im November 2012, als ein neuer Testbetrieb in Frankfurt begann. Lag die Fehlerquote früher noch bei etwa 70 Prozent, lösten die Geräte jetzt nur noch bei etwas mehr als 50 Prozent aller Passagiere einen Fehlalarm aus.

Grundsätzlich würden in Deutschland seit jeher nur Scanner eingesetzt, die die durchleuchteten Fluggäste als Piktogramme anzeigten, sagte Plate. Die Akzeptanz bei den Passagieren sei auch deshalb sehr viel höher als früher.

Die Bundespolizei hatte in den Jahren 2010 und 2011 in einem Feldversuch am Hamburger Flughafen die ersten Bodyscanner getestet. Wegen der hohen Fehlerquote beim Scannen wurde der Test jedoch eingestellt.

Reduziertere Darstellung durchleuchteter Passagiere

Die ersten Scanner hatten auch für Empörung gesorgt, weil sie recht detaillierte Körperbilder der durchleuchteten Passagiere wiedergaben. Auf neueren Modellen werden nur eventuelle Fundstellen verdächtiger Gegenstände auf grafischen Darstellungen angezeigt.

Körperscanner können im Gegensatz zu Metalldetektoren auch Pulver, Flüssigkeiten oder andere potenziell gefährliche Gegenstände ohne Metallanteil entdecken. Wegen neuer Technologien könnten demnach auch Beschränkungen bei der Mitnahme von Flüssigkeiten bis Ende 2016 der Vergangenheit angehören, schreibt der "Tagesspiegel".

Laut der Zeitung arbeitet das Bundesinnenministerium unter anderem mit einem deutschen Unternehmen an der Entwicklung eines "Walk-Through-Security-Scanners", bei dem Passagiere im Vorbeigehen gescannt werden, ohne in eine Kabine treten und die Arme heben zu müssen.

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