Dienstag, 16. Juli 2019

5G-Ausbau nach der Auktion So starten die deutschen Netzbetreiber ins 5G-Rennen

Szene im Auktionsgebäude der Bundesnetzagentur in Mainz

Die Reaktion der Börse spricht für sich. Nachdem die fast drei Monate lange Auktion von Frequenzen für das zukünftige Mobilfunknetz der fünften Generation (5G) beendet ist, sprang der Kurs des Newcomers 1&1 Drillisch in die Höhe. Die Tochterfirma von Ralph Dommermuths Konzern United Internet, die seit Jahren für ihre Millionen Kunden die Infrastruktur anderer Unternehmen mietet, steigt erstmals selbst zum Netzbetreiber an der Seite von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefónica auf.

Dass der Kurs steigt, lässt sich aber auch als Erleichterung deuten: Endlich ist die Auktion vorbei - und vor allem ist der ambitionierte Expansionsplan nicht noch teurer für Drillisch geworden. Ökonom Vitali Gretschko vom Mannheimer ZEW beschreibt den Auktionsverlauf als Wettbieten zwischen Drillisch einerseits und den drei etablierten Netzbetreibern andererseits, die sich gegenseitig in Ruhe ließen.

Dass Drillisch in den Markt drängte, trieb den Preis gegenüber den ursprünglichen Erwartungen hoch - solange, bis das hessische Unternehmen dann doch auf den letzten Frequenzblock verzichtete. So zahlte Drillisch immer noch 1,07 Milliarden Euro für 70 Megahertz. Seit sich das Wettbieten abzeichnete, ist der Aktienkurs gewaltig abgerutscht - mittelfristig fällt das Plus von diesem Donnerstag, das am Ende des Tages sowieso wieder weg war, kaum noch auf.

Noch teurer könnten in den kommenden Jahren die nötigen Investitionen werden, um die ersteigerten Frequenzen auch zu nutzen. Wettbewerber Freenet hatte auf eine Teilnahme an der Auktion verzichtet, weil die Gesamtkosten "wohl mindestens zehn Milliarden Euro" betragen würden. Außerdem wird besonders Drillisch auf Hilfe der Wettbewerber angewiesen sein, um Lücken in seinem neuen Netz zu schließen. Die als staatliche Auflage geforderte Roaming-Pflicht wurde deutlich aufgeweicht.

Drillisch zählt bisher zwar mehr als neun Millionen Mobilfunkkunden, großteils jedoch mit Discount-Marken. Am Umsatz gemessen, ist die Firma mit gut zwei Milliarden Euro deutlich hinter den etablierten Größen zurück. Allerdings gibt die Bilanz durchaus einigen Spielraum her. Das stärkste Argument für den Erfolg dürfte jedoch Dommermuths Entschlossenheit zum langfristigen Wachstum sein. Und im Vergleich zur 3G-Frequenzauktion (UMTS) von 2000, die einen Erlös von 99 Milliarden D-Mark brachte, für die damaligen Newcomer Mobilcom und Quam aber den Ruin, ist die aktuelle Runde sparsam verlaufen.

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