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Die Erfolgsgeschichte von Amazon: Vom Pleitekandidaten zum Weltmarktführer

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Top-Wirtschaftsprofessor der NYU gibt Prognosen ab 3 Gründe, warum Amazon die 1-Billion-Dollar-Marke knacken wird

Im Interview mit der Online-Finanz-Zeitschrift "TheStreet.com" erklärt Scott Galloway, einer der besten 50 Wirtschafts-Professoren der Welt, wieso Amazon das erste 1-Billion-Dollar-Unternehmen wird. Und er gibt eine Prognose zu Amazons künftigen Innovationen ab.

Das Rennen um Platz 1 der wertvollsten Unternehmen läuft: Die "Big Four" - also Facebook  , Google  , Amazon  und Apple  - buhlen um Marktanteile, Kapitalanhäufung und die neuesten Innovationen. Diese Tech-Giganten haben nicht nur neue Geschäftsmodelle entwickelt. Sie versuchen ständig die Regeln des Wirtschaftslebens und die Voraussetzungen für Erfolg neu zu definieren und so zum Spitzenreiter zu werden.

Wer also macht das Rennen? Wer wird das erste Unternehmen, das mit Blick auf seinen Börsenwert die 1-Billion-Dollar-Marke knackt?

Einer scheint die Antwort zu wissen: Scott Galloway lehrt an der NYU Stern School of Business zu den Themen "Brand Strategy" und "Digital Marketing" und wurde 2012 als "einer der besten 50 Wirtschafts-Professoren der Welt" ausgezeichnet. In einem Interview mit der amerikanischen Online-Finanz-Zeitschrift "TheStreet.com"  erklärt er die Strategie, die Amazon verfolgt, welche Vorteile der Tech-Gigant gegenüber anderen Wettbewerbern hat und welche Innovation besonders zum Erfolg beitragen wird.

Schon seit geraumer Zeit rumort es um "die vier apokalyptischen Reiter", wie Marketing-Guru Galloway sie bezeichnet. Insbesondere Apple und Amazon seien auf dem besten Weg in Richtung einer Marktkapitalisierung von 1 Billion Dollar. Und obwohl Amazons Börsenwert sich bislang auf 460 Milliarden beläuft und Apple mit 795 Milliarden Dollar derzeit noch weit voraus ist, sagt Galloway: "Amazon's stock will be anti-gravity", oder mit anderen Worten, auf Deutsch und etwas zugespitzt: Die Aktie wird in den Weltraum schießen. "Wenn man betrachtet, in welchen Bereichen Amazon gegen die anderen drei vorstößt, gewinnt der Versandhandel in jeder Beziehung".

Galloway nennt dafür vor allem drei Gründe:

Amazons Vision und Leitfaden

Ein bekanntes Zitat des Amazon-Chefs Jeff Bezos lautet: "Ich wusste: Wenn ich scheitere, würde ich es nicht bereuen. Doch eines würde ich definitiv bereuen: Es nicht zu versuchen." Diesen Grundsatz hat sich der einstige Buchverkäufer wohl zum Leitfaden seiner Karriere gemacht. Kaum ein Segment bleibt von Amazon unberührt, jedes muss mit einer aggressiven Strategie erobert werden.

Erst kürzlich übernahm Amazon die Bio-Supermarktkette Whole Foods Market für 13,7 Milliarden Dollar. Galloway bezeichnet dies als beste Acquisition im Retail-Bereich der letzten 20 Jahre und sagt, sie bedeute das gleiche für den Versandhandel wie die Übernahme von Instagram für Facebook. "Damit hat Amazon die Eintrittskarte in die Kühlschränke der amerikanischen Oberklasse ergattert", fügte er hinzu, da sich damit abermals ein neuer Markt erschlossen habe.

Gewinn komme laut Galloway auf Amazons To-do-Liste erst an letzter Stelle. "Amazon hat das Erfolgsmerkmal Profit mit Vision und Wachstum getauscht", erklärt der Wirtschafts-Experte.

Die Schlussfolge davon ist:

"Amazon kann sich billiger verschulden als Länder wie China, Russland oder Mexiko"

Das Vertrauen in das Unternehmen und den Innovationsdurst ist so groß, dass der Handelsgigant sich am Kreditmarkt derzeit billiger Geld besorgen kann als so manche Großmacht.

Für den 13,7 Milliarden Dollar teuren Kauf der Bio-Supermarktkette, nahm Amazon mit einer Anleihe 16 Milliarden Dollar ein und verschuldete sich auf zehn Jahre für nur 3,2 Prozent Zinsen pro Jahr.

Damit muss Amazon weit weniger Zinsen zahlen als beispielsweise Russland. Das Land musste zuletzt jährlich 7,8 Prozent Zinsen für zehnjährige Anleihen bieten. Auch Mexiko und Griechenland können dem Online-Versandhändler nicht das Wasser reichen. Selbst China muss sich mit Zinsen von 3,6 Prozent hinter Amazon anstellen.

"Sie kämpfen unfair", sagt Scott Galloway und vergleicht Amazons Stellung mit einem Poker-Spiel: "Wenn Du beim Texas Hold'em irgendwann genügend Chips hast, kannst Du jeden ausstechen".

Doch nicht nur die hohen Investitionen und Zinsvorteile würden Amazon auf dem Weg zur wertvollsten Marke der Welt helfen. Sondern insbesondere Innovation und damit:

Künstliche Intelligenz und der Erfolgsgarant Alexa

Die Nähe zur Kundschaft, die Fähigkeit ihre Wünsche zu hören und darauf zu reagieren, wurden über die letzten Jahre immer mehr zu einem Schlüssel für den Erfolg des Unternehmens. Im Jahr 2017 verkaufte es bereits über 10 Millionen Geräte.

Galloway stellt in dem Interview eine direkte Hypothese auf, wie die nächste Erfindung in puncto intelligentem Versandhandel aussehen könnte: Eine spezielle Prime-Variante werde demnach in naher Zukunft seinen Konsumenten mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Produkte zusenden, bevor sie überhaupt wissen, was genau sie brauchen. Das sogenannte "Zero-Click-Ordering".

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Die Erfolgsgeschichte von Amazon: Vom Pleitekandidaten zum Weltmarktführer

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"Alexa, das letzte Mal war das Fleisch nicht gut, nächste Woche grille ich für acht Personen, besorge dafür bitte das Nötige, auch mein Lieblingsbier", spielt der Wirtschaftsprofessor in dem Interview als mögliche Szene vor. Alexa merkt sich also die Interessen der Kunden und gestaltet darauf basierend ganze Bestellungen für einzelne Events oder Situationen.

Dieses Prinzip werde Amazon testen, sagt der Professor, und damit beweisen, dass Prime-Kunden bereit sind, über diesen Dienst jährlich Produkte im Wert von 1300 bis 7000 Dollar zu kaufen. Schon jetzt kaufen Echo-Besitzer mindestens dreimal so viel wie normale Amazon-Kunden. Die Aktie schieße mit dieser Entwicklung unmittelbar in die Höhe, so seine Prognose. Und die 1-Milliarde-Dollar-Marke werde damit geknackt.

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