Samstag, 16. Februar 2019

Führung Böse Chefs sind besser

Markus Jotzo ist Coach - und liest als solcher auch gestandenen Unternehmern die Leviten

Chefs sollen nett sein, umgänglich. Heißt es. Unfug, findet der Consultant Markus Jotzo. Denn "nett" stellt Mitarbeiter und Chef vor erhebliche Probleme.

mm: Herr Jotzo, Sie sagen, Führungskräfte sollen nicht nett sein - was bedeutet eigentlich "nett"?

Jotzo: "Nett" heißt, dass kritische Dinge gar nicht oder nur wage angesprochen werden. Die Wahrheit fällt im Gespräch oft der kurzfristigen Rettung von Harmonie zum Opfer. Wir geben uns zu häufig mit Mittelmaß zufrieden, anstatt Exzellenz von uns selbst und von anderen einzufordern.

mm: Wie hoch ist die Gefahr, dass dann nicht alle Mitarbeiter mitgenommen werden?

Jotzo: Die Gefahr besteht grundsätzlich bei jedem Führungsstil, in jedem Dialog. Daher lautet meine Regel "Der Inhalt konfrontiert, der Ton macht es erträglich." Gute Kritikgespräche sind für beide Seiten unangenehm, aber zu 100 Prozent wertschätzend. Und wenn jemandem das Wort "Leistung" nicht gefällt ... Ja, in der Tat, dann wird derjenige nicht mitgenommen. Das wäre letztendlich nicht gut für diesen Mitarbeiter, für das gesamte Team, das Leistung will und das Unternehmen, das seine Existenz je nach Menge der Nicht-Leister gefährdet.

mm: Wenn Unternehmen Exzellenz einfordern - muss der Vorgesetzte automatisch exzellent sein?

Jotzo: Wir sind alle Menschen. Wir machen alle Fehler. Exzellenz entsteht in einem Augenblick und ist kein Dauerzustand. Entscheidend ist das Streben nach Exzellenz im Verhalten - immer wieder und wieder. Es gibt Menschen, die sich regelmäßig hinterfragen, die sich umschauen und sich weiterbilden. Und dann gibt es diejenigen, die meinen, schon genug zu wissen. Die letzte Gruppe kann gut sein, wird aber bestimmt früher oder später von der Realität eingeholt.

mm: Ist das eigentlich nur ein Postulat nur nach unten - oder auch nach oben, gegenüber den Vorgesetzten?

Jotzo: Das Buch "Der Chef, den keiner mochte - Warum exzellente Führungskräfte nicht nett sind" habe ich für Führungskräfte geschrieben. Die Lehren gelten in alle Richtungen: vom Chef zum Mitarbeiter, vom Mitarbeiter zum Chef und insbesondere von einem selbst zu sich selbst. Oft reden wir uns nämlich allen möglichen Mist ein und glauben es uns am Ende selbst.

mm: Wie nachhaltig kann das funktionieren? Oft genug geht Entscheidern ja der Ruf voraus, ein echter "Macher" zu sein, doch in der Realität kollidiert er mit der Firmenkultur.

Jotzo: Extrem nachhaltig! Wertschätzung und Herausforderung sind für mich die Lösungsansätze in unserer heutigen Gesellschaft. Das Gute ist, Menschen wollen gefordert werden, Menschen wollen leisten - und am Ende für diese Leistung auch die Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Wenn die Herausforderung und die Möglichkeit, sich zu profilieren ausbleibt, dann wandern sehr gute Mitarbeiter ab.

Das gleiche passiert, wenn die Herausforderung da ist, Anerkennung aber ausbleibt. Wenn der Chef schlecht führt, dann verlassen Mitarbeitern diesen Chef, nicht das Unternehmen.

Folgen Sie Arne Gottschalck auf twitter
Das exklusive Netzwerk für Führungskräfte: Direkt zur manager lounge

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung