Dienstag, 27. Juni 2017

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Ungleich heißt nicht ungerecht Warum der Staat sich bei Vorstandsgehältern raushalten sollte

Christine Hohmann-Dennhardt: Nach rund einem Jahr im VW-Vorstand erhält die Vorstandsfrau, die für Recht und Integrität zuständig war, rund 12 Millionen Euro Abfindung

3. Teil: Leistungsgerechtigkeit ist was für Karl-Marx-Fans

Leistungsgerechtigkeit ist was für Karl-Marx-Fans

Wie aber kommt man zum Ziel einer gerechten Bezahlung? Kann es dann überhaupt einen "gerechten" Lohn geben? Dazu müsste geklärt werden, wie dieser bemessen werden soll. Immer wieder wird ins Feld geführt, dass die Vergütung "leistungsgerecht" sein müsse. Viele, die diesen Ansatz verfolgen, wären vermutlich etwas vorsichtiger, wenn sie wüssten, dass der Urheber dieser Idee Karl Marx war. Konkret für die Vorstandsgehälter wird gefragt: "Wie hoch ist der exakte Leistungsbeitrag des Vorstands zum Unternehmensergebnis?" Es ist ein gefährliches Spiel, diesen Gedanken konsequent zu Ende zu führen, weil er natürlich nicht nur auf Vorstände, sondern auf jeden Lohn- und Gehaltsempfänger im Unternehmen anwendbar wäre.

In ihrer Reinform würde Leistungsgerechtigkeit also die monatliche Überprüfung des jeweiligen Wertbeitrages fordern. Unabhängig davon, dass man damit ein bürokratisches Monster erschaffen würde, käme es zu recht zu einem allgemeinen Aufschrei in der Republik, weil kein Mitarbeiter mehr Planungssicherheit für sein Einkommen hätte und einer permanenten Leistungskontrolle unterzogen wäre.

Das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit ist damit also für einen Karl-Marx-Fanclub ein gutes Vereinsmotto, hilft uns bei der Suche nach der Lohngerechtigkeit aber nicht weiter. Selbst wenn man auf die Tarifgehälter schaut, drängt sich die Frage auf, was es mit Gerechtigkeit zu tun hat, wenn man die Entgeltunterschiede zwischen einem Tarifangestellten bei VW oder in der chemischen Industrie und auf der anderen Seite einer Verkäuferin im Einzelhandel betrachtet.

Trotzdem werden Entgelttarifverträge ganz überwiegend akzeptiert. Warum? Weil die Tarifparteien für die unterschiedlichen Funktionen und Aufgaben eine Wertigkeit festgelegt haben. Das ist kein mathematischer Richtigkeitsanspruch, sondern die Vermutung, dass der jeweilige Stelleninhaber einen entsprechenden Wertschöpfungsbeitrag im Unternehmen leisten wird.

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