Montag, 21. August 2017

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Ungleich heißt nicht ungerecht Warum der Staat sich bei Vorstandsgehältern raushalten sollte

Christine Hohmann-Dennhardt: Nach rund einem Jahr im VW-Vorstand erhält die Vorstandsfrau, die für Recht und Integrität zuständig war, rund 12 Millionen Euro Abfindung

2. Teil: Es gibt keinen Gleichbehandlungsgrundsatz

Aber erzeugen Gehaltsunterschiede um den Faktor 150 nicht zwingend Ungerechtigkeit, weil Menschen in krasser Weise ungleich behandelt werden? Hören wir nicht immer wieder auch im Arbeitsleben von der Bedeutung des Gleichbehandlungsgrundsatzes? Auch auf die Gefahr hin, für schlagartige und heftige Ernüchterung zu sorgen: Es gibt keinen Gleichbehandlungsgrundsatz im Arbeitsleben. Es gibt lediglich das Verbot der sachwidrigen Ungleichbehandlung.

Als Arbeitgeber darf ich daher jeden Mitarbeiter anders behandeln als alle anderen - solange ich dafür einen sachlichen Differenzierungsgrund anführen kann. Der Merkspruch lautet also nicht "Jedem das Gleiche" sondern "Jedem das Seine" oder wie die alten Römer sagten "suum cuique tribuere".

Auch im antiken Griechenland hatte man diese Erkenntnis schon rund 500 Jahre vor Christus in einem großen gesellschaftlichen Experiment gewonnen. Damals wurde jeglicher Besitz der Menschen gleichmäßig unter der Bevölkerung verteilt, in der Hoffnung, dass damit Neid und Missgunst verschwinden würden. Aber weit gefehlt. Obwohl niemand mehr hatte als der andere, glaubte der Einzelne immer noch, im Leben zu kurz gekommen zu sein. Das eigene Stück vom Kuchen war immer das kleinste. Gleichheit wurde nicht als Gerechtigkeit empfunden, weil die Menschen nicht gleich waren. Das Prinzip "Allen das Gleiche" war gescheitert. Das hätte man mit etwas Geschichtsbewusstsein wissen können, als man in nicht allzu ferner Vergangenheit einen 40-jährigen Feldversuch namens DDR startete. Undifferenzierten Gleichheitsidealen hinterherzulaufen, schafft keine Gerechtigkeit sondern nur Gleichmacherei.

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