Montag, 10. Dezember 2018

Standort Deutschland "Jetzt zahlen wir die Zeche"

Korrupte Manager, Vergütungsexzesse einiger Vorstände und tumbe Aufsichtsräte machen unsere Konzerne zu Übernahmezielen, fürchtet der Hamburger Wirtschaftsprofessor Michael Adams. manager-magazin.de sprach mit dem Rechtsexperten über deutsche Versäumnisse und Wege aus der Krise.

mm.de:

Trotz flauer Gewinne und mäßiger Börsenentwicklung haben Deutschlands Topmanager im vergangenen Jahr wieder ordentlich abkassiert. Gehaltssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich waren die Regel. Sind unsere Manager tatsächlich so gut, dass sie sich diese Forderungen leisten können oder sind sie einfach nur gierig?

Michael Adams ist Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg. Er berät unter anderem die Fraktionen des Deutschen Bundestags bei der Formulierung des Gesetzes zur Offenlegung der Vorstandsgehälter.
Adams: Eine gewisse Gier sollte man in den Wirtschaftswissenschaften grundsätzlich jedem zubilligen. Der Wunsch nach Verbesserung der eigenen finanziellen Situation ist ja legitim.

Das Problem besteht nur darin, dass zuweilen Managergehälter nicht mehr der Ausdruck des Wettbewerbs um die Besten und Tüchtigsten sind, sondern die Ausnutzung von Machtpositionen im Unternehmen. Die Manager erleichtern dann im Zusammenspiel mit den Kontrollorganen die Unternehmenskasse oder verstecken riesige Vergütungsbestandteile vor einem tumben Aufsichtsrat.

Das ist weltweit ein großes Problem. Wenn man sich die Zahlen anschaut - fangen wir mit den USA an - dann sieht man, dass im Jahr 1993 der CEO eines S&P-500-Unternehmens im Schnitt 3,7 Millionen Dollar verdient hat. Im Jahr 2003 waren es bereits 9,1 Millionen Dollar.

Bei der Gesamtvergütung der Top-Five-Verdiener ging es im Standard & Poor's 500 von 9,5 auf 21,4 Millionen hoch. Wir sehen also einen Verteilungskampf der Manager gegen die Aktionäre.

mm.de: In den USA fließen bereits 10 Prozent der Gewinne in die Taschen der Vorstände. Und in Deutschland sollen es immerhin 7 Prozent sein.

Adams: Das ist genau der Punkt. Nicht nur die absoluten Zahlen, sondern auch die relativen Positionen gehen nach oben. Das bedeutet notwendigerweise, dass die anderen Managementetagen gekürzt werden, denn den Vergütungskuchen kann man nicht vervielfachen. Der Kampf der Nachwuchsmanager um den Aufstieg auf die goldenen Etagen, gewinnt dadurch an Härte.

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