Donnerstag, 13. Dezember 2018

Standort Deutschland Aufholjagd von weit unten

Aktuell schneiden die 439 deutschen Regionen im manager-magazin-Ranking der EU-Standorte nicht gerade berauschend ab. Aber: Mit vergleichsweise geringen Reformen kann Deutschland bis 2010 zum attraktivsten der großen EU-Länder aufsteigen.

Hamburg - Die deutschen Standorte sind zum großen Teil extrem teurer, wenn auch in Teilen hochproduktiv. Das ist das Resultat der Untersuchung "Deutschland 2010", die ein Expertenteam der WHU und der Standortberatung Contor exklusiv für manager magazin erstellt hat.

Großer Aufholbedarf: Bremen, die beste deutsche Region, findet sich im EU-Vergleich auf Platz 368 von 1207 europäischen Regionen
Insbesondere die hohen Lohnstückkosten, die zwischen 80 bis über 90 Prozent der Wertschöpfung pro Beschäftigtem liegen, schrecken Investoren ab. Bremen als bester deutscher Standort weist immer noch hohe 78 Prozent aus.

Auch die Unternehmensteuern, bei denen sich Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer und Solidaritätszuschlag auf die Körperschaftsteuer auf 38,7 Prozent addieren, sind nominal die höchsten in der Europäischen Union (EU).

Alle übrigen Standortvorteile - hervorragende Infrastruktur, Verfügbarkeit von Beschäftigten, relativ seltenes Auftreten von Kriminalität und Korruption - verblassen hinter diesen Kostenpositionen. Im Durchschnitt erreichen die deutschen Regionen eine Platzierung von 855 - das ist der drittschlechteste Länderwert nach Italien und Griechenland.

Allerdings macht sich inzwischen der seit einigen Jahren anhaltende Trend zur Lohnzurückhaltung bemerkbar. Schreibt man die jetzt sichtbaren Entwicklungen bis zum Jahr 2010 fort, verbessert sich Deutschlands Position um durchschnittlich 148 Rangplätze. Kein anderes EU-Land kann sich relativ so stark verbessern.

mm-Studie "Deutschland 2010"


Die detaillierte Analyse zur exklusiven mm-Standortstudie "Deutschland 2010" mit Übersichtskarten, Tabellen und Statements prominenter Experten lesen Sie im
manager magazin 8/2005 .

Ein Zugang zur Datenbank des Beraters Contor GmbH, mit dem sich Interessierte gegen Gebühr selbst Standortrankings erstellen können, findet sich unter: www.contor.org
Bezieht man zusätzlich in die Analyse ein, dass seit einiger Zeit eine Tendenz zur Arbeitszeitverlängerung zu beobachten ist, so ist ein weiteres Absinken der Lohnstückkosten um noch mal 10 Prozent keineswegs unrealistisch.

Unterstellt man zudem eine Absenkung der Unternehmensteuern auf 25 Prozent, gewinnt Deutschland im Schnitt 456 Rangplätze. Eine Entwicklung, die das ganze Standortgefüge Europas durcheinander wirbeln würde. Deutschland wäre das attraktivste der großen EU-Länder. Mit 4 Regionen in den Top 100 und 68 weiteren unter den Top 200 wäre die große, zentral gelegene Bundesrepublik ein Topziel für Investoren.

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