Samstag, 15. Dezember 2018

"Woulda-coulda-Shoulda"-Investor Bill Gross Er gab die zwei besten Anlagetipps des Jahres - und befolgte sie nicht

Ex-Anleihenkönig Bill Gross: "Hätte, hätte, Fahrradkette"

Ärgern kann man sich da schon einmal. "Das ist der Fluch des Portfoliomanagers: niemals zufrieden", erklärte Bill Gross dem Bloomberg-Fernsehen. Wenigstens verantwortet der frühere König des billionenschweren Anleihenmarkts nicht mehr viel Geld von anderen Anlegern, so entgeht ihm vor allem selbst die große Chance.

Schon zweimal ist das in diesem Jahr passiert: Bill Gross, Gründer der zum Allianz-Konzern Börsen-Chart zeigen gehörenden Anlagegesellschaft Pimco und nun in Dienstes der kleinen Vermögensverwaltung Janus, hat Tipps gegeben, die spektakuläre Gewinne gebracht hätten. Wenn er sie denn selbst befolgt hätte.

Mit derartigen Tipps von Geldanlagegurus ist es so eine Sache. Meist sind sie allgemein und unverbindlich formuliert, und/oder greifen banale Erkenntnisse auf: Was steigt, muss fallen. An solche Regeln, die vor allem Aufmerksamkeit bringen, hielt sich auch Gross. Doch zumindest das Timing ist überragend.

Anfang Juni empfahl der 71-Jährige, auf fallende Aktienkurse in China zu setzen - nicht ganz so originell, da die Kurse sich trotz der schwächelnden Wirtschaft allein seit Jahresbeginn verdoppelt hatten. Aber genau, als Gross warnte, kam die Wende. Seitdem ging es um 38 Prozent abwärts. Den entsprechenden Gewinn hätte innerhalb nur eines Monats einstreichen können, wer Gross' Rat folgte.

"Ich versuchte, bei meinen Leisten zu bleiben" - ist Gross aus Erfahrung scheu?

Gross selbst tat es nicht, wie er zerknirscht gegenüber Bloomberg einräumte: "Woulda coulda shoulda." Frei übersetzt etwa: "Hätte, hätte, Fahrradkette." Der Star setzte immerhin auf einen Rückgang der Indizes in den USA und anderen Schwellenländern, weil die von der Baisse in China beeinflusst würden. "Ich versuchte, bei meinen Leisten zu bleiben, und China waren nicht wirklich meine Leisten", bekennt Gross. Es sei "gefährlich", gegen eine Börse zu wetten, in der die meisten Aktien vom Handel ausgesetzt sind.

Deutsche Bundesanleihen: "The short of a lifetime"

Zuvor hatte er im April bereits den Leerverkauf (also den Verkauf geliehener Wertpapiere, um sie später mit billiger gekauften Papieren einzutauschen) von deutschen Bundesanleihen empfohlen: "the short of a lifetime", da selbst Schuldscheine mit zehnjähriger Laufzeit haarscharf über null rentierten.

Viele Anleger erwarteten, dass sie im Zeichen von Euro-Deflation und EZB-Anleihekäufen sogar negative Renditen sehen würden, was bei bis zu neunjährigen Anleihen schon Realität war. Gross hielt dagegen - aber nur mit Worten, nicht mit seinem eigenen Geld. So entging ihm die selbst ausgerufene Gelegenheit des Lebens: Heute sind die Bund-Kurse so weit gefallen, dass die Rendite um 0,7 Prozent (mit positivem Vorzeichen) notiert.

Vielleicht ist Gross aus Erfahrung scheu. Das Ende seiner Karriere bei Pimco läutete eine ähnliche Wette ein, die er nicht nur in Worten und mit Anlegergeldern einging: 2011 prophezeite er das Ende der "Anleihenblase" und setzte auf fallende Kurse von US-Bonds. Tatsächlich passierte erst einmal das Gegenteil - die unglaublich hohen Kurse stiegen noch erheblich weiter.

Viel gewagt, viel verloren. Das soll Bill Gross, der seine jetzige Anlagestrategie als "ziemlich langweilig" beschreibt, wohl nicht noch einmal passieren. Aber das Gegenteil - viel wagen, viel gewinnen - scheint ihm auch nicht mehr so recht zu gelingen.


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