Dienstag, 20. November 2018

Ex-Uber-Chef steigt bei Start-up ein Travis Kalanick wird Immobilien-Sanierer - und bleibt Uber treu

Travis Kalanick

Erstmals seit seinem Rauswurf bei Uber setzt sich Travis Kalanick wieder auf den Chefsessel eines Start-up-Unternehmens. Der Mitgründer und frühere Chef der Mitfahr-App meldete per Twitter eine erste Beteiligung seines kürzlich gestarteten Investmentfonds 10100. Der Fonds habe für 150 Millionen Dollar einen Anteil und damit auch die Kontrolle am Immobilien-Start-up City Storage Systems (CSS) in Los Angeles übernommen, so Kalanick. Das Unternehmen sei auf die Sanierung in Schieflage geratener Immobilien insbesondere in den Bereichen Parkhäuser, Einzelhandel sowie Industrie spezialisiert. Kalanick, so der Tweet weiter, werde dort als CEO tätig sein.


Nach Angaben des umtriebigen Jungunternehmers handelt es sich um einen Markt mit viel Potenzial. Derartige Immobilien im Wert von mehr als zehn Billionen Dollar warteten nur darauf, für das digitale Zeitalter auf Vordermann gebracht zu werden, schreibt er auf Twitter.

Kalanick hatte nach längerer Funkstille erst kürzlich den Start seines neuen Investmentvehikels 10100 (ausgesprochen: "ten-one-hundred") publik gemacht. Der Fonds solle künftig die "Heimat seiner Leidenschaften, Kapitalanlagen, Ideen und großen Wetten" sein, und zwar sowohl im kommerziellen als auch im nicht-kommerziellen Bereich. Geplant sind Investments in Immobilien, Online-Handel sowie in Innovationen in China und Indien. Hinzu kommen Non-Profit-Engagements in Bildung und die Zukunft von Städten. All dies verfolge das übergeordnete Ziel, im großen Stil Jobs zu schaffen, so Kalanick.

Kalanick hat künftig weiter mit Uber zu tun

Das Geld für den Fonds kommt offenbar vor allem aus der Privatschatulle des 41jährigen. Nach seinem Abgang bei Uber, wo er nach Skandalen und viel Kritik an seinem Managementstil im vergangenen Jahr von Investoren herausgedrängt worden war, hatte Kalanick etwa 30 Prozent seiner Uber-Anteile an den japanischen Technologiekonzern Softbank verkauft. Der Deal, der Softbank Börsen-Chart zeigen auf einen Schlag zum größten Uber-Aktionär machte, brachte Kalanick Berichten zufolge rund 1,4 Milliarden Dollar ein. Insgesamt schätzt das US-Magazin "Forbes" das Vermögen des Jung-Inverstors derzeit auf etwa 4,8 Milliarden Dollar.

Der Mitgründer und langjährige Chef des Fahrdienst-Vermittlers galt bis dahin als die treibende Kraft hinter der aggressiven globalen Expansion von Uber. Nach einer Serie von Krisen und Skandalen wurde er aber auch für eine Unternehmenskultur voller Sexismus und schlechtem Management verantwortlich gemacht. Unzufriedene Uber-Geldgeber drängten ihn daraufhin aus dem Chefsessel. Kalanick sitzt zwar nach wie vor im Verwaltungsrat von Uber, sein Einfluss wurde aber beim Einstieg von Softbank stark reduziert.

Nach Angaben des amerikanischen Business Insiders handelt es sich bei CSS nun bereits um das vierte Start-up, dem Kalanick zu Erfolg verhelfen will, nach den Daten-Tauschbörsen Scour und Red Swoosh sowie zuletzt Uber.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bemerkenswert: Auch auf seinem neuen Posten wird Kalanick offenbar weiterhin viel mit Uber zu tun haben. Wie die US-Tech-Seite Recode berichtet, hieß CSS früher CloudKitchens und wurde geführt von Diego Berdakin, einem frühen Uber-Investor. CloudKitchens agierte demnach der Eigendarstellung zufolge als "Amazon der Essens-Lieferdienste" - und kooperierte dabei eng mit UberEats, einer Bringdienst-Tochter von Kalanicks Ex-Firma Uber.

Einer der ersten, die Kalanick zu seinem neuen Engagement gratulierten, war übrigens der aktuelle Uber-Chef Dara Khosrowskahi - und auch er erwähnte in seinem Tweet die Verbindung zwischen CloudKitchens und UberEats.

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