Mittwoch, 15. August 2018

Comeback des Rüpel-Unternehmers Ex-Uber-Chef Kalanick startet neue Karriere

Künftig Investor: Travis Kalanick

Ein Dreivierteljahr nach seinem Abgang von der Spitze des Fahrdienstvermittlers Uber meldet sich Travis Kalanick in der Geschäftswelt zurück. Per Twitter kündigte der 41-jährige an, künftig als Investor tätig sein zu wollen. Zu dem Zweck habe er bereits einen Fonds namens 10100 (ausgesprochen: "ten-one-hundred") gegründet, so Kalanick.

Er habe in den vergangenen Monaten begonnen, Investments zu tätigen, sich in Gremien zu engagieren sowie mit Unternehmern und Non-Profit-Organisationen zusammenzuarbeiten, schreibt der frühere Uber-Chef. Der neue Fonds solle künftig die "Heimat seiner Leidenschaften, Kapitalanlagen, Ideen und großen Wetten" sein, und zwar sowohl im kommerziellen als auch im nicht-kommerziellen Bereich.

Geplant sind der Mitteilung zufolge Investments in Immobilien, Online-Handel sowie in Innovationen in China und Indien. Hinzu kommen Non-Profit-Engagements in Bildung und die Zukunft von Städten. All dies verfolge das übergeordnete Ziel, im großen Stil Jobs zu schaffen, so Kalanick.

Laut "Wall Street Journal" wird Kalanick den Fonds einem Sprecher zufolge mit seinem eigenen Geld speisen. Nach seinem Abgang bei Uber, wo er nach Skandalen und viel Kritik an seinem Managementstil im vergangenen Jahr von Investoren herausgedrängt worden war, hatte Kalanick laut "WSJ" etwa 30 Prozent seiner Uber-Anteile an den japanischen Technologiekonzern Softbank verkauft. Der Deal, der Softbank Börsen-Chart zeigen auf einen Schlag zum größten Uber-Aktionär machte, brachte Kalanick Berichten zufolge rund 1,4 Milliarden Dollar ein. Insgesamt schätzt das US-Magazin "Forbes" das Vermögen des Jung-Inverstors derzeit auf etwa 4,8 Milliarden Dollar.

Hintergrund: Der Mitgründer und langjährige Chef des Fahrdienst-Vermittlers galt als die treibende Kraft hinter der aggressiven globalen Expansion von Uber. Nach einer Serie von Krisen und Skandalen wurde er aber auch für eine Unternehmenskultur voller Sexismus und schlechtem Management verantwortlich gemacht. Unzufriedene Uber-Geldgeber drängten ihn daraufhin aus dem Chefsessel. Kalanick sitzt zwar nach wie vor im Verwaltungsrat von Uber, sein Einfluss wurde aber beim Einstieg von Softbank stark reduziert.

Sein neues Engagement entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Zunächst hatte Kalanick über Jahre viel Geld bei Venture-Capital-Investoren mobilisiert und Uber damit mit einer zeitweiligen Bewertung von 70 Milliarden Dollar zum wertvollsten nicht-börsennotierten Tech-Start-up der Welt gemacht. Nach dem Einstieg von Softbank wird der Unternehmenswert derzeit auf etwa 50 Milliarden Dollar taxiert.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Gleichzeitig beklagte er sich allerdings immer wieder, von den Investoren als Unternehmer in seiner Managementtätigkeit beeinträchtigt zu werden. Und nun wechselt Kalanick also selbst auf die Investorenseite.

Mit Agenturmaterial

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