Dienstag, 11. Dezember 2018

Elon Musk provoziert US-Börsenaufsicht erneut Tesla-Chef nennt Börsenaufsicht "Bereicherungsgesellschaft"

Elon Musk provoziert erneut die US-Börsenaufsicht

Ist das lustig, ist das klug? Tesla-Chef Elon Musk unterstellt der US-Börsenaufsicht in einem Tweet indirekt, Spekulanten zuzuarbeiten. Dabei musste Tesla im Streit mit der SEC gerade Millionen zahlen. Anleger finden die neuen Provokationen gar nicht lustig: Die Tesla-Aktie gibt weiter nach.

Elon Musk hätte nach dem Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC auch einfach mal die Füße stillhalten können - aber das erlaubt ihm offenbar sein Ego nicht. Und so teilte der Tesla-Chef in der Nacht via Twitter wieder aus.

In einem Tweet bezeichnete Musk die SEC als "Shortseller Enrichment Commission" (statt Securities and Exchange Commission) und bescheinigte ihr - offenkundig in einem bissig-ironisch Ton - eine "unglaubliche Arbeit".

Shortseller sind Anleger, die gegen bestimmte Aktien - in diesem Fall die von Tesla - wetten, Enrichment Commission heißt übersetzt so viel wie "Bereicherungskommission". Musk unterstellt der Behörde mit seinem Tweet also quasi, Spekulanten zuzuarbeiten, die von einem Kursverfall der Tesla-Aktien profitieren.

Musk und die SEC hatten vor wenigen Tagen außergerichtlich einen Rechtsstreit über irreführende Twitter-Nachrichten beigelegt, in dem Musk die Erlaubnis zum Führen börsennotierter Unternehmen hätte verlieren können. Als Teil des Vergleichs zahlen Musk und Tesla je 20 Millionen Dollar, außerdem gibt Musk für drei Jahre das Amt des Chairman ab, eine dem deutschen Aufsichtsratschef vergleichbare Position. Vorstandschef darf er dagegen bleiben. In dem Vergleich räumten weder Musk noch Tesla Fehlverhalten ein.


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Zum Hintergrund des Streits: Musk hatte am 7. August seinen mehr als 22 Millionen Twitter-Anhängern geschrieben, er werde Tesla vielleicht von der Börse nehmen und dabei 420 Dollar je Aktie zahlen, die Finanzierung sei gesichert. Es kam zu starken Kursausschlägen. Später ruderte Musk zurück: Tesla bleibe an der Börse. Es stellte sich heraus, dass er keine Finanzierungszusagen von Investoren hatte.

Eine Bundesrichterin forderte von Musk und der SEC, diesen Vergleich bis zum 11. Oktober zu begründen. Das sei übliche Praxis bei solchen Vergleichen, sagte die Richterin. Wenige Stunden später keilte Musk nun auf Twitter gegen die SEC aus.

Anleger sehen die Scharmützel mit der SEC indes offenbar kritisch, die Aktie von Tesla gab schon im regulären US-Handel 4,4 Prozent nach und verloren nach Musks neuestem Tweet nachbörslich weitere 2,1 Prozent.

Teslas Aktien zählen am US-Markt zu den Papieren, gegen die die meisten Wetten auf einen Niedergang laufen. Der E-Autobauer ist unter der Führung von Musk bekannt dafür, sehr hohe geschäftliche Risiken einzugehen und polarisiert deshalb stark unter den Investoren.

Immerhin gab es zuletzt gute Nachrichten beim Hoffnungsträger Model 3: Tesla hat die Produktion seines ersten günstigeren Wagens nach den langwierigen Anlaufschwierigkeiten schließlich in Schwung gebracht. Im vergangenen Quartal wurden 53.239 Stück gebaut.

rei/Reuters/dpa

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