Montag, 10. Dezember 2018

Streit um die Ölmilliarden Das Milliarden-Erbe des Muammar al-Gaddafi vor Gericht

Muammar al-Gaddafi: Inzwischen ist der Diktator tot - um sein Erbe kämpfen zwei Fraktionen. Denn es geht um Milliarden

Einst umfasste Muammar al-Gaddafi Libyen mit eiserner Faust. Heute ist das Land zerfallen und vom Bürgerkrieg verwüstet. Aus dem arabischen Frühling ist eine Art religiös geprägter Eiszeit geworden. Und die droht sogar ein unbekanntes und milliardenschweres Erbe des 2011 verstorbenen Diktators zu vernichten.

Denn zwei Parteien des Bürgerkriegs drohen nun auch den milliardenschweren Rechtsstreit des Landes gegen Goldman Sachs Group Inc. sowie Societe Generale SA. aus dem Gleis zu heben, berichtet Bloomberg.

Das Land hatte Klage eingereicht, weil ihm nicht angemessene Derivate verkauft worden sein und dabei luxuriöse Trips den Appetit auf diese Papiere offenbar hatten fördern sollen. Doch die Derivate verloren in der Folge der 2008er-Krise massiv an Wert. Von beiden Banken verlangte das Land daher mehr als eine Milliarde Dollar. Doch wer nun für das verwüstete Land sprechen soll, ist offen.

Denn im April diesen Jahrs legte die Kanzlei der Libyan Investment Authority (LIA), des 60 Milliarden Dollar schweren libyschen Staatsfonds, das Mandat nieder und nun balgen sich zwei Parteien um den Platz hinter dem Steuer. Ein milliardenschweres Erbe, wenn man so will. Beide Parteien haben bereits Anwaltskanzleien angeheuert, ebenso Medienprofis, die für gute Presse sorgen sollen. Und das sorgt für Verwirrung vor dem Londoner Gericht. Einen "Zustand des Chaos" nennt es der Anwalt Andrew Hunter, der einen potentiellen Zeugen in der Klage gegen Societe Generale vertritt. Es gäbe niemanden bei der LIA, der etwas sagen könne.

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So hat die "Tripolis-Franktion" des Landes die Kanzlei Stephenson Harwood angeworben und Abdulmagid Breish als LIA -Vorstand inthronisiert. Die Tobruk-Gruppe wiederum sicherte sich die Dienste der Kanzlei Keystone Law. Hinter der Tripoli-Fraktion verbirgt sich die IS-Gruppe, die 2014 in Tripolis eine eigene Regierung ausrief. Die international anerkannte Regierung wiederum sitzt in Tobruk.

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