Samstag, 15. Dezember 2018

Klage gegen Spotify Spotify vor Gericht - Sexismus und Strip-Clubs

Klägerin Hong Perez hat Spotify wegen Diskriminierung verklagt.

Eine ehemalige Verkaufsleiterin verklagt Spotify wegen Diskriminierung. Männer und Frauen würden ungleich entlohnt, ein Manager sei trotz Vorwürfen sexueller Belästigung befördert worden und Dienstreisen seien oft reine Männertrips.

Eine frühere Verkaufsleiterin von Spotify verklagt den Streaming-Giganten wegen Sexismus, ungleicher Bezahlung aufgrund des Geschlechts und Diffamierung. Ihr früherer Arbeitgeber habe weibliche Angestellte systematisch diskriminiert, schlechter bezahlt und auf Dienstreisen ausgeschlossen. Im Raum stehen der Entertainment-Zeitschrift Variety zufolge auch Vorwürfe über die Beförderung eines leitenden Angestellten, der mehrere Frauen belästigt haben soll, sowie Ausflüge des männlichen Verkaufspersonals in Strip-Clubs.

Die Klägerin Hong Perez ist 2015 als Verkaufsleitung für Asien bei Spotify eingestellt worden. Im Juli 2018 wurde Perez gefeuert. Ihrer Aussage zufolge wurde sie als Sündenbock für Brian Berner, den Verkaufsleiter für den amerikanischen Markt, missbraucht. Berner habe für die Vermittlung eines Geschäfts von seinen Verhandlungspartnern Karten für ein Konzert im Madison Square Garden angenommen. Bei einer internen Anhörung habe er dann Perez für seinen Fehler verantwortlich gemacht. Perez wurde im Anschluss gefeuert, weil sie den Verhaltenskodex des Unternehmens gebrochen habe. Diese Version habe Berner hunderten Angestellten und Führungskräften per Mail mitgeteilt, was die Klägerin als sehr demütigend empfand.

Beförderung trotz sexueller Belästigung

Spotify messe mit zweierlei Maß: Männliche Führungskräfte dürften sich mehr Fehler leisten - und nicht nur das. Perez zufolge sei ein leitender Angestellter befördert worden, gegen den mehrere Vorwürfe wegen sexueller Belästigung vorlagen. Ein anderer männlicher Kollege sei wegen sexueller Belästigung und Drogenproblemen immerhin gefeuert worden, anders als bei ihr habe davon jedoch nur ein kleiner Kreis von Mitarbeitern erfahren.

Nach außen stellt sich Spotify gerne als weltoffenes Unternehmen dar, das Wert auf Vielfalt legt. 2017 warb der schwedische Streaming-Gigant mit einer Kampagne unter dem Titel "I'm with the banned", die Musiker in den Mittelpunkt stellte, die von Trumps Travel Ban betroffen waren. Außerdem legte das Unternehmen offen, dass knapp 40 Prozent aller Angestellten Frauen sind. In der Führungsebene machen Frauen rund 30 Prozent aus.

Das steht im Widerspruch zu Perez Beobachtungen von Spotify als "Boy's Club". Trotz gleicher Qualifizierung sei sie aufgrund ihres Geschlechts von Dienstreisen ausgeschlossen worden, darunter zweimal hintereinander von einer Reise zum Sundance Independent Film Festival. Ihr früherer Chef Berner habe nur männliche Angestellte mitgenommen. Später hätten der Klägerin Kollegen von Drogenexzessen und Prügeleien auf diesen Reisen erzählt. Ein Verkaufsteam habe außerdem Ausflüge in Strip Clubs in Atlantic City unternommen. Die Idee dazu sei von jenem Manager gekommen, der auch trotz Vorwürfe sexueller Belästigung befördert wurde.

Spotify: "Vorwürfe entbehren jeder Grundlage"

Perez' Klage adressiert klar die höhere Bezahlung des männlichen Verkaufspersonals, Frauen seien nicht gleichbehandelt worden. Daraus habe Spotify nicht einmal ein Geheimnis gemacht. CFO Barry McCarthy habe öffentlich sagt, Vielfalt in seinem Unternehmen sei ihm egal. Eine Führungskraft aus dem Personalmanagement ließ verlauten, sein Lieblingsschimpfwort sei "Cunt", ein vulgärer Begriff für das weibliche Geschlechtsorgan.

Spotify weist die Vorwürfe zurück. Ein Sprecher sagte gegenüber Variety: "Spotify toleriert keine Diskriminierung irgendwelcher Art. Wir können zu laufenden Rechtsstreitigkeiten nichts sagen, aber diese Vorwürfe entbehren jeder Grundlage."

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