Samstag, 18. August 2018

Der skurrile Streit des Oligarchen Abramowitsch Kein Visum, kein neues Stadion - warum man Oligarchen nicht ärgern sollte

Momentan kein Stadion-Besuch: Chelsea-Besitzer Abramowitsch, hier eine Archivaufnahme, kann derzeit nicht nach Großbritannien reisen.

Ultrareiche Oligarchen sollte man offenbar nicht allzu sehr reizen: Seit Wochen wartet der russische Multimilliardär Roman Abramowitsch auf eine Verlängerung seines Visums für Großbritannien - bislang vergeblich. Das Visum sei ihm zwar nicht verweigert worden, es dauere nur ungewöhnlich lange, berichten britische Medien.

Ein Grund dafür sei öffentlich nicht bekannt. Es gibt allerdings keinen Bericht zu dem Thema, der an der Stelle nicht zugleich die Spannungen zwischen Großbritannien und Russland erwähnen würde, die insbesondere nach dem Giftanschlag auf den früheren russischen Spion Sergej Skripal und dessen Tochter Julia zugenommen haben.

Die Folge für Abramowitsch ist, dass er derzeit nicht nach Großbritannien einreisen kann, was für den Russen, dessen Vermögen "Forbes" aktuell auf 11,6 Milliarden Dollar schätzt, ein besonders misslicher Umstand ist: Seit 2003 ist Abramowitsch Inhaber des Premier-League-Fußball-Clubs FC Chelsea. Die Spiele seines Teams besuchte er zwar in letzter Zeit nicht mehr so häufig wie früher, was auch an dem zeitweise geringeren Erfolg der Mannschaft gelegen haben dürfte.

Momentan kann Abramowitsch seinem Team aber überhaupt nicht mehr live zujubeln. Mitte Mai verpasste der Clubinhaber beispielsweise das englische FA-Cup-Finale, das Chelsea mit 1 zu 0 gegen Manchester United gewann. Es war der erste Erfolg des Vereins seit längerer Zeit. Der Grund für Abramowitschs Abwesenheit im Wembley-Stadion soll Berichten zufolge das fehlende Visum für Großbritannien gewesen sein.

War das womöglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte? Wie der FC Chelsea am gestrigen Donnerstag auf seiner Website bekanntgab, hat der Club seine Pläne, das Heimstadion an der Londoner Stamford Bridge auszubauen, vorerst auf Eis gelegt. Es werde keine weiteren vorbereitenden Arbeiten oder anderweitige Planungen geben, so die Mitteilung. Ebenso wenig gebe es einen zeitlichen Horizont, innerhalb dessen die Entscheidung noch einmal überprüft werden solle.

Als Grund nennt der FC Chelsea auf seiner Website zwar das angeblich zurzeit "ungünstige Investitionsklima". Tatsächlich können allerdings zweifellos auch andere Beweggründe eine Rolle spielen. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge etwa umschreibt der Verein mit seiner Formulierung lediglich auf höfliche Weise die Probleme, die Club-Boss Abramowitsch bei seiner Verlängerung seines Visums hat.

Die Entscheidung des Oligarchen zeige, welche wirtschaftlichen Kosten auf Großbritannien zukommen können, wenn das Kapital von Seiten reicher Russen nicht mehr so fließe wie bisher, so Bloomberg. Spätestens seit dem Skripal-Anschlag, für den die britische Regierung um Premierministerin Theresa May Russland verantwortlich macht, stehen reiche Russen auf der Watchlist der Briten.

Ohnehin versuche die Regierung May, das Image Londons zu verbessern, das weithin als Anziehungspunkt eines halbseidenen Geldadels gilt, sowie als Zentrum von Korruption und Geldwäsche. So sei in den vergangenen Jahren die Visavergabe an vermögende Investoren aus Russland bereits stark eingeschränkt worden. Zudem verlange Großbritannien von Steueroasen mit Verbindungen zur Insel mehr Informationen über die Gelder, die dort verwaltet würden.

Vor dem Hintergrund wird klar: Roman Abramowitsch ist zwar ein prominenter, aber keineswegs der einzige vermögende Russe, den Großbritannien offenbar im Visier hat.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bleibt die Frage, wie es in dem Kräftemessen weitergeht. Abramowitsch, der vor einigen Tagen die israelische Staatsbürgerschaft angenommen hat, hat allein seit seinem Einstieg beim FC Chelsea im Jahr 2003 laut Bloomberg insgesamt mehr als 700 Millionen Pfund (knapp 800 Millionen Euro) in neue Spieler für die Mannschaft investiert. In den geplanten Stadionausbau, der die Kapazität der Spielstätte von 41.000 Zuschauern auf 60.000 Zuschauer erhöhen sollte, wollte der Russe den Angaben zufolge mindestens 500 Millionen Pfund stecken.

Wollen die Briten tatsächlich dauerhaft auf solche Investments verzichten? Oder findet Abramowitsch womöglich in den nächsten Tagen ein neues Visum in seiner Post?

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