Montag, 23. Juli 2018

Robert Mercer tritt bei Renaissance Technologies ab Der überraschende Abgang des steinreichen Trump-Finanziers

Robert Mercer Ende März 2017 in Washington, DC
The Washington Post/Getty Images
Robert Mercer Ende März 2017 in Washington, DC

Sechs Jahre an der Spitze eines der erfolgreichsten Hedgefonds der Wall Street haben Robert Mercer zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht. Nun hat der Co-CEO von Renaissance Technologies, der Donald Trumps Wahlkampf mit großen Summen unterstützt hatte, seinen Rücktritt angekündigt. Ab dem 1. Januar 2018 werde er nur noch technischer Mitarbeiter sein, schrieb Mercer in einem Brief an Investoren und Mitarbeiter; auch aus dem Board des Unternehmens, das aktuell 50 Milliarden Dollar verwaltet, scheide er aus.

Konkrete Gründe für seinen Abschied nannte Mercer nicht. Im selben Schreiben kündigte der Manager allerdings an, seine Anteile an der ultrakonservativen Internetseite "Breitbart News" an seine Töchter zu verkaufen; auch distanzierte er sich vom ehemaligen Breitbart-Journalisten Milo Yiannopolous und - wenngleich in weit weniger scharfen Worten - von Ex-Trump-Berater Steve Bannon. Die rechte Szene war laut "Vanity Fair" eigentlich davon ausgegangen, dass Mercer trotz der Kontroversen um Yiannopolous zu ihm und Breitbart stehe.

Die"New York Times" sieht entsprechend einen Zusammenhang zwischen Mercers Renaissance-Abschied und seiner politischen Arbeit: Einige Kunden des Finanzunternehmens nähmen Anstoß an der politischen Ausrichtung des Noch-CEOs, der Pensionsfonds von Polizei und Feuerwehr der Stadt Baltimore etwa habe jüngst seine 33 Millionen Dollar schwere Position bei Renaissance komplett abgebaut. Andere befragte Pensionsfonds ständen derweil weiter zur Firma, wenngleich zuletzt etwa protestierende Studenten von einigen Universitäten gefordert hatten, ihre Mittel von Renaissance abzuziehen.

Zwar sei der Kapitalabfluss durch Baltimore für das milliardenschwere Unternehmen maximal ein "Rundungsfehler" in der Bilanz, so die "NYT"; allein Mercer soll laut "Forbes" 2016 125 Millionen Dollar verdient haben. Trotzdem werfe die Entscheidung des Pensionsfonds ein Schlaglicht auf Kollisionen zwischen politischer und wirtschaftlicher Welt in der Ära Trump. Dessen halbherzige Verurteilung eines Neo-Nazi-Aufmarschs hatte im Sommer das Aus für einige mit Wirtschaftsgrößen besetzte Beraterstäbe des Weißen Hauses gesorgt.

Echte politische Trendwende oder PR-Manöver?

Die Alt-Right-Bewegung spricht nun auch Mercer in seinem Brief an. Dass die Presse ihn seit Trumps Wahlsieg besonders argwöhnisch beäugt habe, habe er so hingenommen, schreibt der Multimillionär. Am "abscheulichsten" sei allerdings die Unterstellung gewesen, er sei ein "white supremacist", also ein Rassist, der an die Überlegenheit der weißen Rasse glaube. Rassistische Diskriminierung sei ihm zutiefst zuwider. Den umstrittenen Yiannopolous habe er zunächst in der Hoffnung unterstützt, seine Ansichten würden den politischen Diskurs öffnen und beleben. Mittlerweile habe er alle Verbindungen zu ihm abgebrochen.

Yiannopolous und Breitbart hatten Mercer in den USA einen sehr rechten Ruf eingebracht. "Mercer ist mittlerweile so eine kontroverse Figur, dass er seinem Unternehmen alle möglichen Probleme einbrocken muss", zitiert die "NYT" Nick Patterson, der den künftigen Ex-Chef einst bei Renaissance eingestellt hatte. Sein Ruf könne es beispielsweise erschweren, vielversprechende Nachwuchskräfte einzustellen.

Andere von der Zeitung interviewte Personen aus Mercers Umfeld gehen nun davon aus, dass der Amerikaner sein politisches Engagement nochmals verstärken könnte - schließlich habe er nun mehr Zeit dafür. Auch Ben Shapiro, ehemals verantwortlicher Redakteur bei "Breitbart", glaubt nicht an einen Abschied Mercers aus dem konservativen Lager: Seine Tochter Rebekah werde "Breitbart" weiterhin finanzieren, sagte er gegenüber "Vanity Fair": "Es ist nur ein PR-Manöver, um Druck von den Investoren seines Hedgefonds zu nehmen."

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