Montag, 10. Dezember 2018

"Printenpapst" Bühlbecker im Gespräch "Seit 30 Jahren Content Marketing"

Hermann Bühlbecker, Besitzer der Firmengruppe Lambertz: Im Bild im Gespräch mit Jade Jagger auf der Europameisterschaft der Reiter in Aachen

Hermann Bühlbecker hat sich selbst zum bekanntesten Werbeträger seines Süßwaren-Unternehmens Lambertz gemacht. Er verteilt Lambertz-Gebäck bei den Filmfestspielen in Cannes und vielen anderen Events, zur "Lambertz Monday Night" kommen jährlich tausend Gäste, darunter viele Showstars und andere Promis.

Veranstaltung: Hermann Bühlbecker exklusiv in der manager lounge manager magazin.de: Herr Bühlbecker, woher diese Feierwut?

Bühlbecker: Um die Lust am Feiern geht es nicht. Für das Unternehmen Lambertz sind diese Veranstaltungen Gold wert. Was heute als "Content Marketing" gepriesen wird, machen wir seit dreißig Jahren: Statt Werbung zu kaufen, wollen wir Geschichten erzählen. Weil wir uns anfangs keine TV-Werbung leisten konnten, konzentrierten wir uns auf unsere Produkte und die Tradition, von der sie erzählen. Früher war Lambertz Hoflieferant, doch was damals die Kaiser und Könige waren, sind heute Stars und Politiker wie George Clooney, Barack Obama oder Angela Merkel. Deshalb sind wir in Cannes, und deshalb bekamen alle Staatschefs beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau einen Geschenkkorb mit Lambertz-Gebäck.

mm.de: Bisweilen wirkt es so, als seien Sie selbst der Star. Unter Prominenten kursiert der Scherz, nur wer mit Ihnen zusammen auf einem Foto ist, habe es wirklich geschafft.

Bühlbecker: Dass ich als Eigentümer für meine Firma stehe und oft selbst unser Gebäck überreiche, ist für mich Teil meines Jobs. Dem Konzept "Der Unternehmer als Marke" folgen auch andere, etwas Claus Hipp oder Wolfgang Grupp von Trigema. Natürlich passiert es öfter, dass ich als "Herr Lambertz" angesprochen werde oder Leute ein Autogramm von mir wollen. Das mache ich dann natürlich, ich will ja niemanden vor den Kopf stoßen. Aber ich bin kein Star, sondern Dienstleister.

mm.de: Sind Sie als Ihr eigenes Werbe-Maskottchen erfolgreich, gemessen an Marketing-Zahlen?

Bühlbecker: Gerade unsere Lambertz Monday Night im Rahmen der Süßwaren-Messe findet ein enormes Medien-Echo, weil Stars wie Catherine Deneuve oder Rosario Dawson kommen. Fast alle TV-Sender berichten darüber, in den Frauen- und bunten Blättern gibt es große Bilderstrecken. Der Media-Wert liegt regelmäßig zwischen 3,5 und vier Millionen - das ist ein Vielfaches dessen, was die Veranstaltung kostet.

mm.de: Klingt aber anstrengend.

Bühlbecker: Das ist es auch. Morgens um vier den letzten Gast verabschieden und um neun Uhr wieder auf der Messe am Stand stehen, das schlaucht schon. Und die Stars wollen unterhalten werden: Rosario Dawson kam mit ihrer Familie und blieb ein paar Tage. Ein nettes Abendessen am Tag vor der Monday Night und eine Stadtführung ist das Mindeste als Gastgeber. Aber der Einsatz rechnet sich: Dank Dawson liefen die Geschichten über die Veranstaltung auch in den USA - ein toller PR-Effekt.

mm.de: Sie sind kürzlich 65 geworden. Wie lange wollen Sie sich noch die Nächte um die Ohren schlagen?

Bühlbecker: Schon seit einiger Zeit konzentriere ich mich auf meine Rolle als Botschafter des Unternehmens. Operativ leiten drei Geschäftsführer die Firma, ich bin Vorsitzender des Beirats. In der Konstellation kann ich das noch lange machen. Mir ist wichtig, dass das Unternehmen in der Familie bleibt, deshalb soll meine Tochter, die zurzeit Wirtschaft studiert, auch in den Beirat einziehen. Ob sie irgendwann auch aktiv die Geschäfte führen will, muss sie dann entscheiden. Immerhin ist es ein Job ohne Feierabend.


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