Sonntag, 18. November 2018

Palantir-Chef Alex Karp Von der Frankfurter Schule via CIA zum Milliardär

Alex Karp: "Wir brauchten jemanden mit grauem Haar", erinnert sich Palantir-Entwickler Joe Lonsdale

Alex Karp wirkt völlig fehl am Platz. Oder genau da, wo er hingehört.

Als Chef der Big-Data-Softwarefirma Palantir hat er entscheidenden Anteil am Firmenwert, der mit Blick auf einen Börsengang auf 41 Milliarden Dollar hochgejazzt wird - und baut nach eigenem Bekunden "das wichtigste Unternehmen der Welt" auf. Seit 14 Jahren steht Karp an der Spitze, definiert die mehr als nur leicht verschrobene Firmenkultur und sendet auf dem eigenen internen Kanal "KarpTube". "Die einzige Zeit, wenn ich nicht über Palantir nachdenke, ist beim Schwimmen, Qigong oder beim Sex", sagte er einmal dem Magazin "Forbes".

In demselben Porträt jedoch beschwerte er sich über die permanente Begleitung eines Bodyguards und leistete sich einen Gefühlsausbruch der Sehnsucht nach dem früheren freien Studentenleben in Deutschland: "Ich hatte 40.000 Dollar auf der Bank und niemand wusste, wer ich bin. Ich liebte es. Ich liebte es. Ich liebte es einfach. Ich liebte es einfach! Ich konnte herumlaufen, die ganze Nacht in schmuddeligen Berliner Orten verbringen. Mit irgendwelchen Leuten nach Hause gehen. Dort sein, wo etwas geraucht wird." Nur, um gleich einzusehen: "Ich muss darüber hinwegkommen."

Jetzt pflegt Karp Umgang mit Militärs und Geheimdienstlern, mit Bankern und anderen Firmenbossen, ist Aufsichtsrat von Axel Springer Börsen-Chart zeigen, hängt mitsamt Silicon-Valley-Bösewicht Peter Thiel auf Bilderberg-Konferenzen herum und man kann sich vorstellen, wie sich zusätzliches Material für seine Frankfurter Doktorarbeit über "Aggression in der Lebenswelt" (PDF) anstaut.

Wie passt das zusammen? Der intellektuelle Sohn von US-Hippies suchte die Hochburg der kritischen Theorie auf, berief sich auf Marx und Adorno, studierte bei der feministischen Sozialpsychologin Karola Brede (nach manchen Angaben auch bei dem Starphilosophen Jürgen Habermas, der allerdings schon 1994 emeritierte) - nur, um sich dann der dunklen Seite der Macht anzuschließen und eine im Wortsinn "Killer App" zur Jagd auf Osama bin Laden zu bauen?

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