Sonntag, 23. September 2018

Comeback des Flugunternehmers Niki Lauda Der fünfte Anlauf des "Niki Nationale"

Niki Lauda: Der Rennfahrer als Unternehmer
Getty Images

2. Teil: Harter Rechner und Kostendrücker

Von der Fliegerei konnte und wollte der begeisterte Pilot Lauda nicht lassen: Im Jahr 2003 sah er eine weitere Chance, im Luftfahrtgeschäft noch einmal durchzustarten. Er übernahm die Reste der Österreich-Tochter des insolventen deutschen Ferienfliegers Aero Lloyd und formte daraus die Billigfluglinie Niki. Dabei bewies sich Lauda einmal mehr als harter Rechner: Seinen Flugbegleitern zahlte er oft niedrigere Löhne als der Lokalmatador, Piloten stellte er über eine Personalleasingfirma an. So erreichte er Kosten auf Ryanair-Niveau. Dennoch war die Airline zu klein, um alleine zu überleben. Bereits 2004 holte Lauda deshalb die Air Berlin als Teilhaber und Vertriebspartner an Bord, 2011 verkaufte Lauda seine Niki vollständig an die deutsche Airline.

Als Geschäftsmann achtet Lauda nicht nur auf die Kosten - sondern auch auf den besten Moment, Adieu zu sagen. Er habe sich im richtigen Moment entschieden, seine Anteile weiterzuverkaufen, sagte er über seinen Niki-Deal. "Die Entscheidung fällte ich aus dem Bauch. Alles, was ich befürchtet habe, ist später dann auch eingetroffen", erklärte er noch im März 2017 gegenüber dem "Handelsblatt".

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Doch auch nach dem Niki-Verkauf wollte Lauda nicht vom Luftfahrt-Geschäft lassen. Im Februar 2016 startete er mit seinem Unternehmen Laudamotion, das Privatjet-Flüge für eine gehobene Klientel anbot. Das ist nun Makulatur - denn die Laudamotion übernimmt die Reste der "Niki" aus der Air Berlin-Insolvenzmasse. Laut österreichischen Medienberichten erleichtert das den Neustart, weil Laudamotion über das für den Airline-Betrieb notwendige Luftverkehrsbetreiberzeugnis AOC verfügt. Bereits im März will Lauda mit seiner neuen Fluglinie abheben - und zum fünften Mal eine Airline großmachen.

Lauda gilt als einer der reichsten Österreicher

In Österreich hat der umtriebige Unternehmer seit Jahrzehnten beste Verbindungen zu Politikern und Managern, bei Wiener Society-Veranstaltungen taucht er regelmäßig auf. Im Formel-1-Zirkus ist er nach wie vor hervorragend vernetzt. Und auch auf der Klaviatur der Selbstvermarktung spielt er gekonnt mit: So kommentierte er einige Jahre lang Fernsehrennen für den Sender RTL und veröffentlichte 2015 das Buch "Reden wir über Geld".

Persönlich hat er von den Aufs und Abs im Luftfahrtgeschäft eher profitiert: Sein Privatvermögen wird auf 200 Millionen Euro geschätzt, er gilt als einer der reichsten Österreicher. Wie weit die Mitarbeiter von Niki mit ihrem neuen alten Chef glücklich werden, muss sich noch weisen. Ein Traumarbeitgeber war Lauda in der Vergangenheit nicht, warnte zuletzt ein Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft.

Bei einer Übernahme aus einer Insolvenz sei zu befürchten, dass die ohnehin schon bescheidenen Tarifbedingungen für das fliegende Personal der Niki noch weiter verschlechtert würden. Der Niki-Personalrat habe daher zu Recht darauf hingewiesen, dass es für viele Piloten berufliche Alternativen gebe. Sie müssten jetzt im Einzelfall prüfen, ob sie nicht besser bei anderen Fluggesellschaften anheuerten.

Darauf dürfte Lauda in Kürze wohl eine direkte Antwort finden - denn für gespielte Herzlichkeit ist er nicht zu haben. "Rote Kappe, klare und direkte Worte", charakterisierte ihn einst Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff - und dieser Maxime dürfte Lauda auch bei seinem jüngsten Airline-Abenteuer treu bleiben.

mit dpa-afx

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