Dienstag, 17. Juli 2018

Nationaltrainer Mülders im Gespräch Die Wirtschaft soll vom Sport lernen? Gar nicht so einfach

Jamilon Mülders: Bundestrainer der Hockey-Nationalmannschaft der Frauen
picture alliance / dpa
Jamilon Mülders: Bundestrainer der Hockey-Nationalmannschaft der Frauen

Einst waren Trainer knorrige Gestalten mit kauzigen Ansichten. Heute kalibrieren sie ihre Mannschaften mit Geduld und Akribie. Ein gewaltiger Umbruch, wie ihn Hockey-Nationaltrainer Jamilon Mülders beobachtet.

mm.de: Früher stand der Trainer einsam über allem - nun thront der Team-Gedanke über allem: Diesen Eindruck bekommt man zumindest beim Blick auf die anstehende Fußball-Europameisterschaft.

Mülders: Wir haben es ja bei der vergangenen Fußballweltmeisterschaft gesehen, wie sich die Sicht der Dinge verändert hat. Früher hieß es ja, der Trainer könne alles und mache alles. Trainer ordnet an, Mannschaft macht. Doch nach und nach wurde klarer, dass Jogi Löw dies anders praktiziert. Bei uns im Hockey liegt die tradierte Sichtweise schon länger hinter uns. Teams werden als System betrachtet, das lebt, das sich ändert. Der Trainer indes pflegt dieses System und bestimmt dessen Teilnehmer. Eine Steuerung ist aber nur begrenzt möglich. Das System steuert sich selber.

mm.de: Was medial breit diskutiert wird, siehe die Personalentscheidungen des Fußballbundestrainers Joachim Löw.

Mülders: Klar, solche Bewertungen sind nach außen oft unverständlich, ein "closed shop" und vermeintlich nicht transparent.

Denn nur der Trainer bekommt ja die Rückkopplungen der Mannschaft und seiner Mitarbeiter. Ich habe ja nun auch meinen Olympiakader festgelegt. Hätte ich die gleichen Spielerinnen vor vier Jahren gewählt? Vielleicht nein. Denn die Besetzung eines Teams ist immer eine Entscheidung des Zeitpunktes, der Entwicklung und notwendigen Anforderungen. Alles ist hier im Fluss und verpachtete Erbhöfe gibt es nicht.

mm.de: Klappt so etwas eigentlich auch in der Wirtschaft?

Mülders: Ha, es ist so leicht gesagt, dieses und jenes könne die Wirtschaft vom Sport lernen. Ich denke, manches lässt sich sicherlich transferieren, bei anderen Fragen wird es schwieriger. Die Besetzung von Stellen zum Beispiel ist vielfach von bestimmten Parametern abhängig. Note x, Universität y. Von Fakten, von Zahlen. Im Sport kommt es, je nach Sportart, auch auf andere Aspekte an, die Persönlichkeit, die Frage wie jemand in ein Team passt. Hier sprechen wir Eher von weichen Faktoren.

In anderen Sportarten, zum Beispiel Schwimmen, geht es wiederum um harte Zeitvorgaben. Wer sie schafft, ist drin, wer nicht, ist draußen.

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