Freitag, 16. November 2018

Porzellan-Manager wechselt Meissen-Chef Kurtzke geht zu Porsche Design

Christian Kurtzke vor Meissen-Porzellan: "Pioniere ziehen weiter, die Siedler bauen aus"

Meissen-Chef Christian Kurtzke wird neuer Chef der Porsche Design Group. Dort soll er sich unter anderem um die Weiterentwicklung der Luxusmarke "Porsche Design" kümmern, die Bekleidung, Taschen und Brillen anbietet. Kurtzke folgt auf Jürgen Geßler, der bereits aus der Geschäftsführung ausgeschieden ist, wie Porsche Design mitteilte. Bis zu Kurtzkes Eintritt würden die Geschäfte von den beiden Geschäftsführern Frank Angelkötter (CFO) und Roland Heiler (CDO) geleitet.

"Wir freuen uns sehr darüber, mit Christian Kurtzke einen exzellenten Fachmann zur Weiterentwicklung der Luxusmarke Porsche Design zu gewinnen", sagte Bernhard Maier, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Porsche Design. Kurtzke habe seine Weitsicht und Qualitäten zur Markenführung in seinen bisherigen Funktionen bereits unter Beweis gestellt.

Der 45-jährige Kurtzke ist seit 2008 Geschäftsführer und Kreativdirektor der Porzellan-Manufaktur Meissen. Er unterzog das 300 Jahre alte Unternehmen einem radikalen Wandel. Unter der Dachmarke Meissen Couture baute Kurtzke die Manufaktur mit rund 650 Arbeitsplätzen zu einem internationalen Luxuskonzern um. Produkte wie Mode, Schmuck und Möbel wurden ins Programm genommen.

"Die Innovationen werden gut angenommen", sagte Unternehmenssprecherin Elena Kleiber. Erst im Januar hatte die Manufaktur ihre erste große Filiale in China, in Peking, eröffnet, im April soll die nächste in Shanghai folgen. Über Franchise-Partner werden auch Shops in London, Japan, Aserbaidschan und Taiwan betrieben.

Kurtzke sieht die Porzellan-Manufaktur nun für die Zukunft gerüstet und gut aufgestellt. "Pioniere ziehen weiter, die Siedler bauen aus", zitierte Kleiber den bisherigen Manufaktur-Chef. Laut Finanzministerium wird Kurtzke Meissen in den kommenden Wochen verlassen. Zunächst führt der kaufmännische Geschäftsführer Tillmann Blaschke die Geschäfte, laut Ministerium soll aber wieder ein weiterer Geschäftsführer berufen werden. "Es soll, unter Fokussierung auf das Kerngeschäft, der Wachstumskurs fortgesetzt werden", hieß es. Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf wollte sich nicht äußern.

Bestände zertrümmert und entsorgt

Weil es Differenzen über den Umbau gab, hatte der Freistaat das Konzept von einer Wirtschaftsberatungsgesellschaft prüfen lassen. Danach bekam Kurtzke einen kaufmännischen Geschäftsführer an die Seite gestellt. Zudem wurde ein Beirat ins Leben gerufen, der das Unternehmen künftig bei strategischen Fragen beraten soll.

Kurtzke gilt auf der einen Seite als Modernisierer des Traditionsunternehmens, andererseits geriet er immer wieder in die Kritik: 2010 hatte die Manufaktur in einer nächtlichen Aktion einen Teil ihrer alten, unverkäuflichen Bestände zertrümmert und entsorgt. Im selben Jahr wurden 180 Mitarbeiter entlassen. Lange hatten die Stadt Meißen und die Manufaktur um die Nutzung der Marke "Meissen" gestritten. Ende 2014 einigten sich beide Seiten darauf, dass alle Unternehmen der Stadt das Recht haben sollen, die Ortsbezeichnung in ihrem Namen zu führen - direkte Wettbewerber ausgenommen.

Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) sieht in Kommunikationsproblemen einen wesentlichen Grund für Kritik an Kurtzke: "Mögen die Ideen auch alle richtig und gut gewesen sein: Wenn man es nicht schafft, diese zu kommunizieren und zu vermitteln, dann bleibt man mit diesen Ideen allein und mit vielen Fragen konfrontiert", sagte Raschke der Deutschen Presse-Agentur.

Während der finanzpolitische Sprecher der CDU, Jens Michel, die Neubesetzung der Stelle als "doppelte Chance für das Unternehmen" sieht, bewertet die Linke den Zeitpunkt des Abtritts als katastrophal. In den vergangenen Jahren habe Kurtzke Steuergeld in zweistelliger Millionenhöhe verbrannt. "Nun ergreift er die Flucht aus der Verantwortung", sagte der Haushaltsexperte Sebastian Scheel.

Der Staatsbetrieb ist noch nicht rentabel: 2013 wies das Unternehmen einen Fehlbetrag von 2,2 Millionen Euro aus. Die Manufaktur erhielt 2013 ein Gesellschafterdarlehen von 12,2 Millionen Euro. 2014 kamen laut Finanzministerium weitere Kredite von 9,8 Millionen Euro dazu.

ts/dpa

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