Samstag, 22. September 2018

Der Juicero-Gründer ist wieder da 200 Liter Pfützenwasser - "es war einfach episch"

Juicero-Gründer Doug Evans (Archivaufnahme)

Erinnern Sie sich noch an Juicero? Der Saftladen dürfte einer der größten Silicon-Valley-Flops des vergangenen Jahres gewesen sein: 400 Dollar kostete das internetfähige Gerät, das Frucht- und Gemüseschnitzel zu frischen Säften verquetschen sollte. Blöd nur: Die Beutel, in die das Unternehmen das Rohmaterial verpackte, ließen sich auch problemlos per Hand auspressen. Ein gefundenes Fressen für Valley-Zyniker: eine Maschine, durchdesignt wie ein iPod, aber nützlich wie ein iPhone mit leerem Akku.

Der Gründer des mittlerweile kollabierten Investorenlieblings ist in dieser Woche wieder auf der medialen Bildfläche erschienen. In einem Videointerview mit "Vice News" erzählt Doug Evans von seiner neuesten Obsession: "raw water", unaufbereitetes Quellwasser, das sich der Silicon-Valley-Manager am Rand einer Waldstraße von seinem Öko-Hipster-Freund Vatra in große Glasflaschen füllen lässt.

Zum ersten Mal habe er "raw water" beim Burning-Man-Festival getrunken; Vatra, in dessen Wohnwagen er sich dort spontan einquartiert habe, habe knapp 200 Liter dabei gehabt. "Es war einfach episch!" Vatra steht daneben und erklärt, "lebendes Wasser" enthalte so viel mehr als nur Wasserstoff und Sauerstoff. Die Bauchbinde verrät seinen Job: "fire dancer".

Es wäre nun einfach, sich über Evans lustig zu machen, ihn als wandelndes, dreckiges Wasser trinkendes Silicon-Valley-Klischee abzustempeln. Doch treten wir einen Schritt zurück:

Der Mann hat es geschafft, einigen der größten Risikokapitalgebern der Welt 120 Millionen Dollar abzuschwatzen, um eine zweifelhafte Idee in 400 Dollar teure Plastikmonstren zu gießen. Wer wäre nun besser geeignet, um "raw water" aus der Silicon-Valley-Hippie-Ecke in den Mainstream zu führen?

Es wäre eine einmalige Chance. Schon nach der ersten raw-water-Geschichte in der "New York Times" hielt Filmemacher Simon Barrett fest: "Millionäre dazu zu bringen, 50 Dollar teures bakterienverseuchtes Pfützenwasser zu trinken, weil sie Angst davor haben, das selbe Leitungswasser wie arme Menschen zu bekommen, sollte schon irgendein Guggenheim-Stipendium wert sein."

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