Freitag, 14. Dezember 2018

Renschler holt Ex-Kollegen zu VW Joachim Drees vor Berufung zum neuen MAN-Chef

Joachim Drees soll neuer Chef bei MAN Truck werden
[M] mm.de, Karl Attard, DPA
Joachim Drees soll neuer Chef bei MAN Truck werden

Die personelle Aufstellung von Volkswagens neuer Trucksparte nimmt immer klarere Züge an. Lkw-Vorstand Andreas Renschler hole zwei alte Bekannte, heißt es in Konzernkreisen. Der ehemalige Daimler-Manager Joachim Drees werde MANs Truck-Chef Anders Nielsen ablösen. Der Aufsichtsrat der MAN Truck & Bus AG werde Drees höchstwahrscheinlich schon bei seiner Sitzung am Freitag berufen.

Drees war während seiner zehn Jahre bei Daimler zügig aufgestiegen, hatte den Konzern aber nach Stationen als Produktstratege in der Trucksparte und als Chef des Truck-Controllings 2006 verlassen.

Der seit längerem diskutierte Wechsel von Matthias Gründler zu Volkswagen sei inzwischen perfekt, berichten Topleute des Konzerns. Gründler war bei Daimler zuletzt Finanzvorstand der Truck-Gruppe und wird bei Volkswagen Finanzchef der neuen Truck-Holding. Der Aufsichtsrat der MAN Truck & Bus werde am Freitag auch den Vertrag von Heinz-Jürgen Löw verlängern, heißt es in Wolfsburg. Der Vertriebschef von MANs Trucksparte war 2013 auf Initiative von Konzern-Vertriebvorstand Christian Klingler zu MAN geholt worden. Volkswagen wollte die Personalien nicht kommentieren.

Wird abgelöst: Anders Nielsen, bislang verantwortlich für MAN Truck & Bus
Andreas Pohlmann; MAN
Wird abgelöst: Anders Nielsen, bislang verantwortlich für MAN Truck & Bus
Der für die Truck-Sparte zuständige Andreas Renschler kennt Drees, vor allem aber Gründler aus seiner Daimler-Zeit. Er hatte sein Amt nach Abwarten einer einjährigen Kündigungsfrist am 1. Februar angetreten. Erst kürzlich bekräftigte er auf Volkswagens Bilanz-Pressekonferenz in Berlin seine großen Pläne als Truck-Chef. "Wir wollen aus unserem Nutzfahrzeuggeschäft den globalen Champion der Branche formen", sagte Renschler und erläuterte im Umfeld der Veranstaltung, wer als Truckhersteller globale Bedeutung wolle, der müsse auch in den USA aktiv sein. manager magazin hatte wiederholt berichtet, Volkswagen plane mittelfristig die Übernahme eines nordamerikanischen Truck-Herstellers, vielleicht sogar auch eines asiatischen Anbieters.

Renschler steuert die Marken Scania, MAN und VW Nutzfahrzeuge. Seine Vorgänger Jochem Heizmann und Leif Östling hatten es nicht geschafft, die Marken zu einer konstruktiven Kooperation zu bewegen. Die Widerstände waren in Schweden in München zu groß gewesen.

Nielsens künftige Rolle noch offen

Renschler will die Truck-Sparte aus einer kleinen Holding mit höchstens 60 Mitarbeitern heraus steuern. Neben ihm sollen die Markenchefs im Vorstand dieser Holding sitzen. Das wären dann für Scania Martin Lundstedt, für MAN Joachim Drees und für VW Nutzfahrzeuge Eckard Scholz. Neben diesen sitzen sollen Finanzchef Gründler, der als MAN-Einkaufsvorstand zum Teil schon jetzt markenübergreifend aktive Ulf Berkenhagen und Roberto Cortes als Lenker der sehr eigenständig agierenden und vor allem in Brasilien starken Südamerika-Tochter MAN Latin America.

Anders als wiederholt berichtet, werde Noch-MAN-Chef Anders Nielsen nicht die Rolle des Entwicklungschefs in der Holding übernehmen, heißt es in Unternehmenskreisen. Nielsen sei als Produktionsexperte nicht der Richtige für diese Position. Seine künftige Rolle sei noch offen.

Bei Volkswagen heißt es, Renschler führe weitere ehemalige und aktuelle Daimler-Manager auf seiner Kandidatenliste für Führungspositionen. Der 50 Jahre alte Drees hatte zuletzt im Vorstand der von seinem Vater gegründeten Drees & Sommer AG unter anderem die Bereiche Finanzen, Organisation sowie Fusionen und Übernahmen verantwortet. Von Daimler aus war er 2006 zunächst für sechs Jahre zum Finanzinvestor HG Capital gewechselt.

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