Samstag, 23. Juni 2018

Nach Säure-Angriff Innogy-Manager wohl kein Zufallsopfer - Interims-Finanzchef gefunden

Polizisten am Tatort in Haan

Nach dem Säureangriff auf Innogy-Vorstand Bernhard Günther glaubt die Polizei nicht, dass der Manager ein Zufallsopfer gewesen sein könnte. Bereits vor mehreren Jahren war Günther überfallen und zusammengeschlagen worden, bestätigten Polizei und Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur. Nun werde untersucht, ob beide Fälle zusammenhängen.

Der Manager schwebt am Tag nach dem Säureangriff nicht mehr in Lebensgefahr. Am Sonntagmorgen hatten ihm Unbekannte unweit seines Wohnhauses vor den Toren Düsseldorfs eine ätzende Flüssigkeit ins Gesicht geschüttet - Günther konnte sich noch zurück zu seinem Haus schleppen.

Unterdessen hat das Unternehmen das Tagesgeschäft vorerst neu geregelt. Vorstandsmitglied Hans Bünting übernehme kommissarisch zusätzlich die Aufgaben von Finanzchef Bernhard Günther, teilte Innogy mit. Bünting ist bei der RWE-Tochter für die Sparte Erneuerbare Energien zuständig. Der 53-Jährige hat seit über 20 Jahren diverse Posten bei RWE bekleidet und war vor der Aufspaltung des Konzerns von 2012 bis 2016 Chef der damaligen RWE Innogy GmbH. Zuvor war er auch Finanzchef der Firma.

Die Täter des Anschlages auf Bernhard Günther sind weiterhin auf der Flucht. Es gebe bislang keinen neuen Ermittlungsstand, sagte ein Sprecher der Polizei in Düsseldorf am Montag. Eine Mordkommission ermittelt wegen versuchter Tötung. Die Beschreibung, dass es sich um südländisch wirkende Männer handelt, relativierte die Polizei. "Wir haben das Opfer noch nicht vernehmen können", sagt eine Polizeisprecherin. Es ging wohl alles sehr schnell. Zwischen 20 und 30 Jahre alt sollen die Angreifer gewesen sein.

Wenn der Anschlag tatsächlich spezifisch dem Energiemanager galt, dürften seine Gewohnheiten zuvor ausspioniert worden sein. Zur Frage, ob die Verdächtigen ins Blickfeld einer Überwachungskamera gerieten, wollte sich die Polizei am Montag nicht äußern.

Die Energiebranche schockiert der Angriff. "Wir sind tief geschockt. Die Nachricht von dem Anschlag hat uns alle sehr betroffen gemacht", wurde Vorstandschef Uwe Tigges zitiert. "Wir sind in unseren Gedanken bei Bernhard und seiner Familie und wünschen ihm baldige Genesung."

Auch RWE, Mutterkonzern von Innogy, hat sich erschüttert gezeigt: "Die unfassbare Attacke auf Bernhard Günther hat uns zutiefst getroffen", erklärte der RWE-Vorstandsvorsitzende Rolf Martin Schmitz am Montag in Essen. Vorstand, Aufsichtsrat und Mitarbeiter seien "bestürzt und entsetzt".

Mehrere große Energiekonzerne haben ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Konkrete Angaben zu den Maßnahmen machten die Sprecher der Unternehmen am Montag aber nicht. "Wir stimmen unsere Sicherheitsmaßnahmen eng mit der Polizei ab", sagte ein RWE-Sprecher. Bei Eon hieß es, die Sicherheitsmaßnahmen würden verstärkt. Auch bei Innogy selbst wurde der Schutz hochgefahren. Der Karlsruher Energieversorger EnBW reagierte ebenfalls: Man habe "angemessene Maßnahmen" ergriffen, sagte eine Unternehmenssprecherin der "Heilbronner Stimme" (Dienstag). "Wir beschränken uns dabei nicht auf den Vorstand."

luk / dpa-afx, afp

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