Sonntag, 16. Dezember 2018

General Electric Chefwechsel bei GE - Flannery geht, Culp kommt

Siemens-Rivale General Electric: Der glücklose CEO John Flannery wird ab sofort durch den ehemaligen Danaher-Chef und Sanierungsexperten Larry Culp ersetzt

Der kriselnde US-Industriekonzern General Electric (GE) Börsen-Chart zeigen muss im Kraftwerksgeschäft eine Milliardensumme abschreiben - und tauscht erneut seinen Chef aus. H. Lawrence Culp Jr. werde mit sofortiger Wirkung die Konzernführung von John Flannery übernehmen, teilte der Siemens-Rivale aus den USA am Montag in Boston mit.

Für Flannery ist es ein rascher, erzwungener Abgang. Während sein Vorgänger Jeff Immelt 16 Jahre im Amt war, hielt es John Flannery nur 14 Monate auf dem Chefsessel von General Electric Börsen-Chart zeigen . Der Verwaltungsrat verlor angesichts des schleppenden Tempos beim Umbau des US-Industriekonzerns die Geduld mit dem 56-Jährigen und setzte Flannery vor die Tür.

Zu seinem Nachfolger wählte der Verwaltungsrat einstimmig, wie GE am Montag betonte, Vorstandsmitglied Larry Culp. Der 55-Jährige, der erst seit April für GE arbeitet, war vorher 14 Jahre lang Chef des US-Mischkonzerns Danaher und machte sich mit dessen erfolgreichem Umbau einen Namen.

Nun soll er GE wieder auf Vordermann bringen und Flannerys Pläne schneller umsetzen. "Wir haben viel Arbeit vor uns, um den Wert von GE sichtbar zu machen", erklärte Culp. "Wir werden das mit Dringlichkeit angehen."

Aktie von GE steigt zweistellig

Flannerys unerwarteter Abgang trieb die GE-Aktie am Montag um zwölf Prozent nach oben. Seit seinem Amtsantritt hatte sie fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Der Manager, der aus der Medizinsparte von GE kam, hatte im August 2017 den langjährigen Konzernchef Jeff Immelt abgelöst. Noch vor zwei Jahren gehörte GE zu den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt, im Juni stieg der Konzern aus dem Dow-Jones-Index ab, dem es seit 1907 angehört hatte. Beim Börsenwert hat Siemens das einstige Vorbild inzwischen überholt.

Abgang: John Flannery muss gehen

Die Geschäftszahlen hatten sich in den vergangenen Monaten verschlechtert, die Gewinnprognose ließ sich nicht mehr halten. Zuletzt entpuppte sich vor allem das Kraftwerksgeschäft als Fass ohne Boden. Als Weltmarktführer leiden die Amerikaner besonders unter der schwindenden Nachfrage nach Turbinen für traditionelle Kraftwerke, die auch der Nummer zwei Siemens zu schaffen macht. Im vergangenen Jahr schrieb GE in dieser Sparte zehn Milliarden Dollar Verlust. Dazu kamen technische Probleme mit einer neuen Generation von Gasturbinen. Mehrere Kraftwerke, die damit betrieben wurden, mussten deswegen heruntergefahren werden.

Als Konsequenz schreibt GE die Kraftwerksparte, die mit 23 Milliarden Dollar in der Bilanz steht, fast vollständig ab. Vor drei Jahren hatten die Amerikaner für 10,3 Milliarden Dollar die Turbinensparte der französischen Alstom übernommen und damit ihre Abhängigkeit von Kohlekraftwerken noch vergrößert, die heute reihenweise geschlossen werden.

Aufgebläht und kaputt

Im vergangenen Jahr hatte GE sechs Milliarden Dollar Verlust geschrieben, nun drohen wegen der Abschreibungen abermals rote Zahlen. In den anderen Sparten laufe es wie geplant, hieß es in der Mitteilung vom Montag. Die tiefgreifenden Probleme von GE ließen sich auch von einem neuen Chef so schnell nicht lösen, sagte Analyst Scott Davis von Melius Research in New York. "GE ist aufgebläht, die Firmenkultur ist kaputt." Aber als einer, der von außen gekommen sei, könne Culp schneller das Messer bei den Kosten ansetzen. GE Power lasse sich durchaus sanieren, die Sparte sei Opfer der Überkapazitäten und schlechter operativer Entscheidungen."

Große Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke sind nicht mehr gefragt, Energiekonzerne setzen auf Wind, Sonne und dezentrale Erzeugung. Siemens-Chef Joe Kaeser erwartet nicht, dass sich der Markt erholt, und hatte deshalb bereits im vergangenen Jahr die Streichung von mehr als 6000 Stellen in der Sparte beschlossen.

Der neue GE-Chef Culp hielt sich bedeckt, ob er Flannerys konkrete Umbaupläne fortsetzt. "Wir halten daran fest, die Bilanz zu stärken, auch indem wir Schulden abbauen", sagte Culp. Finanzexperte Thomas Horton, ehemals Chef der Fluggesellschaft American Airlines, soll ihm dabei als "Lead Director" zur Seite stehen. Auch Horton war erst im Frühjahr zu GE gekommen.

Flannery wollte GE auf das Geschäft mit Flugzeugantrieben, Kraftwerken und erneuerbaren Energien konzentrieren, um wieder auf die Beine zu kommen. Das Medizintechnik-Geschäft sollte an die Börse gebracht werden, das Geschäft mit Gasmotoren und Stromaggregaten um die österreichische Tochter Jenbacher wird an den Finanzinvestor Advent abgegeben. Auch von der erst vor gut einem Jahr übernommenen Mehrheitsbeteiligung am Öl- und Gas-Dienstleister Baker Hughes wollte sich GE unter Flannery in den nächsten zwei bis drei Jahren wieder trennen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Die Zug-Sparte soll Anfang 2019 mit dem Rivalen Wabtec fusionieren. Das Licht-Geschäft mit der Autoindustrie in Europa ist verkauft, der Rest der Sparte soll bis Ende des Jahres folgen.

dpa-afx/rtr/ap/akn

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